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Donnerstag, August 22, 2013

Gastarbeiter beim deutschen Film mit Folgen: Arthur Duarte

Der Schauspieler und Regisseur Arthur Duarte (Pseudonym von Arthur de Jesus Pinto Pacheco, 1895-1982) ist heutzutage nahezu vergessen – in Deutschland und Österreich, wo er von 1927-33 in über 40 Spielfilmen meist in Nebenrollen mitwirkte. In Portugal, wo er von 1938-77 fünfzehn Spielfilme drehte (daneben auch in Frankreich und Spanien) zählt er zu den Repräsentanten der sogenannten ‚Anos de Ouro‘ des portugiesischen Kinos der späten Dreißiger und Vierziger Jahre. Trotzdem ist der deutschsprachige Wikipedia-Eintrag weitaus kompletter als der portugiesische (dank der Hauptquelle Murtinheira / Metzeltin, 2010: 46-59).

Aus seinem Lebenslauf: nach zwei Jahren in Paris in ersten Nebenrollen (u.a. 1923 in O Primo Basílio von Georges Pallu) ging Duarte 1927 nach Berlin und wurde von der Ufa unter Vertrag genommen. Ein Einzelfall? Er mimte z.B. einen Strafgefangenen in Geschlecht in Fesseln von 1928, oder wirkte im berühmten Halbweltepos Asphalt von 1929 mit. Koinzidierend mit der Krise des Stummfilms, unter der auch seine Schauspielerei leidet (jetzt muss er wirklich gut Deutsch lernen! daher zunehmend Regieassistenz) kommt ihm eine wichtige transnationale Mittlerfunktion im Filmschaffen der Dreißiger Jahre zu. So empfängt er 1929 auch den Filmkritiker und -regisseur António Lopes Ribeiro (von Moskau her kommend, wo er u.a. Dziga Vertov kennengelernt hatte) in seiner Wahlheimat und führt ihn in die Studios der Ufa ein.


[Quelle: filmportal.de]

Im selben Jahr sollte Lopes Ribeiro eingeladen werden, bei der Komödie Fräulein Lausbub [unter dem portugiesischen Titel A Menina Endiabrada] (Regie Erich Schönfelder) die Dreharbeiten in Lissabon zu leiten. Die aus Polen stammende Dina Gralla spielt als Daisy die Hauptrolle (siehe Foto). Auch hier ist Arthur Duarte mit von der Partie in der Rolle des Rittmeisters Frank Neuhaus, begleitet von einem Stallbub Bob, gespielt von Max Nosseck. Diesen Namen des 1902 geborenen Schauspielers und Regisseurs wird man sich merken müssen, da er für die vielleicht wichtigste deutsch-portugiesischen Produktion der Dreißiger Jahre von zentraler Bedeutung ist: es handelt sich um den Film Gado Bravo (1933-34), der einen eigenen Blog-Eintrag verdient. Er ist sozusagen die Frucht, die durch Duartes Mittlerrolle und António Lopes Ribeiros ‚deutsche Lehrzeit‘ von 1929 vorbereitet wurde, koinzidierend mit dem beginnenden Exodus von Filmschaffenden aus dem Deutschen Reich Adolf Hitlers.

Arthur Duarte selbst sollte Jahrzehnte später 1971 in der Fernsehadaptierung Die Nacht von Lissabon nach dem berühmten gleichnamigen Roman Erich Maria Remarques von 1963 mitwirken.

Murtinheira, Alcides / Metzeltin, Igor (2010), Geschichte des portugiesischen Kinos. Wien, Praesens Verlag. 

Mittwoch, August 21, 2013

Spezialisten am Werk: Willy (oder Isy) Goldberger

«Auf Wiedersehen, ich habe keine Zeit zu verlieren, es ist schon ziemlich spät. – Es ist Punkt Mitternacht. Machen Sie bitte das Licht aus».

Das sind die einzigen deutschen Sätze, die im Werk von José Saramago erscheinen, begleitet von einer (zweifelhaften) phonetischen Transkription und Übersetzung, denn – wie es weiter heisst: „wir befinden uns erst am Anfang der Lehrzeit“ [ainda estamos na primeira aprendizagem]. Fragt sich, worauf sich diese Lehre bezieht, denn wir befinden uns im Dialog zwischen dem portugiesischen Filmregisseur António Lopes Ribeiro (1908-95) und einem ungenannten deutschen leitenden Kameramann oder „diretor de fotografia“. Es geht um die Dreharbeiten für den Propagandafilm A Revolução de Maio in den Straßen von Lissabon, die ausführlich in der zeitgenössischen Presse kommentiert werden.

Dabei erscheint der Deutsche, wie so oft in Saramagos Romanwerk seit Levantado do Chão (dt. unter dem Titel Hoffnung im Alentejo) in der Rolle des spezialisierten ‚Handlagers‘, der durch sein Tun und Wissen Portugal unterstützt, sei es Kreuzritter Heinrich aus Bonn bei der Belagerung von Lissabon, sei es der schwäbische Architekt Johann Friedrich Ludwig beim Bau des Klosters von Mafra. In wie weit wir hier Saramago ein spezifisches Bewußtsein zuschreiben können, versuchte Grossegesse (1995) zu zeigen. Dabei hat er allerdings den ungenannten Kameramanns in O ano da morte de Ricardo Reis zu erwähnen vergessen (1). Wird in den zitierten Sätzen die sprichwörtliche deutsche Zeit- und Lichtökonomie ironisch wachgerufen?

Wußte Saramago, dass es sich bei dem „diretor de fotografia“ um Willy Goldberger (oder nach anderen Angaben um den älteren Bruder Isy) handelte? – einem der so vielen Spezialisten mit jüdischem Stammbaum der deutschen Filmindustrie, die nach Hitlers Machtergreifung in die Emigration gezwungen wurden und sich in den Dienst der Filmindustrie anderer Länder stellten, ohne viele Fragen über das Regime der Gastgeber zu stellen. Dies wird mit seiner Leitung der Dreharbeiten zu dem Propagandafilm deutlich, der 1936 die zehn Jahre der ‚Nationalen Revolution‘ von 1926 feiern sollte, aber erst im Jahr darauf im Beisein Salazars im Tivoli feierlich der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Goldberger erhielt die Gratulationen Salazars und des ‚Propagandaministers‘ António Ferro, der unter Pseudonym am Drehbuch mitschrieb. Kurioserweise ist A Revolução de Maio der einzige Spielfilm (ohne Publikuserfolg), in dem Salazar selbst auftritt, dank der Inkorporierung von Dokumentarfilm-Material (insgesamt 14 Streifen), in diesem Falle einer Ansprache des Diktators vom Balkon des heutigen Museu Nogueira da Silva in der Avenida Central von Braga, damals so etwas wie eine ‚Hauptstadt der Bewegung‘ für das Regime.



In der Filmographie des erfahrenen Willy Goldberger (* 1898, Berlin), der von 1915 bis 1933 an die hundert (!) Spielfilme drehte und später die spanische Identität von Guillermo Goldberger annahm (2), erscheint A Revolução de Maio nicht, wohl aber 1938 A canção da terra, Os Fidalgos da Casa Mourisca und A rosa do Adro sowie 1939 Feitiço do império, ein weiterer aufwändiger Propagandafilm des Estado Novo wiederum unter der Regie von Lopes Ribeiro, der zuweilen (wenig schmeichelhaft...) ‚cineasta do regime‘ genannt wurde.
Warum es Willy Goldberger nach dem Sieg Francos im Bürgerkrieg vorzog, in den 40er und 50er Jahren in Spanien weiter zu arbeiten (Filmographie von über 20 Titeln) mag dahingestellt bleiben. Sein genaues Todesdatum ist unbekannt; er verschwindet 1970 im Madrider Melderegister; die Filmographie führt Goodbye Sevilla von 1955 als seine letzte Arbeit (zusammen mit seinem ebenfalls emigrierten, um sechs Jahre älteren Bruder Isidoro bzw. Isy Goldberger), vierzig Jahre nach seinem Debut mit dem Stummfilm Seifenblasen.

Das Schicksal der Brüder Goldberger steht stellvertretend für so viele der aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden (siehe Weniger, 2011). Einige davon kamen mit portugiesischen Regisseuren wie zum Beispiel António Lopes Ribeiro in Kontakt und trugen damit zur Filmgeschichte Portugals bei. Diese Kooperation und Wissenstransfer bleibt zumeist vergessen oder lediglich Randerscheinung (siehe Costa, 1991). Erst im Buch von Murtinheira / Metzeltin (2010) erfährt sie eine erste Würdigung. Dabei gibt es Vorgeschichten dieser deutsch-portugiesischen Beziehungen – vor 1933 – , denen wir weitere Einträge widmen werden, beginnend bei der ‚deutschen Lehrzeit‘ von António Lopes Ribeiro, der 1936 sehr wohl mehr verstand (und sprach) als «Machen Sie bitte das Licht aus».

(1)   Lisboa, Caminho 1984, 368-69. Inzwischen ist Grossegesses Studie über die „memória cinematográfica“ in O ano da morte de Ricardo Reis (ausgehend von einer produktiven Rezeption von Mann / Visconti) erschienen. Sie geht zurück auf ein Seminar an der USP in São Paulo (22. August 2011).
(2)   Für das spanische Publikum drehte Goldberger vorwiegend schwülstige Melodramen und sentimentale Liebesgeschichten, aber auch einige wenige Komödien, sozial engagierte und patriotisch-militärische Stoffe.” (Weniger, 2011: 202)


Bibliographie

Costa, João Bénard da (1991), Histórias do Cinema. Lisboa, Imprensa Nacional – Casa da Moeda.

Grossegesse, Orlando (1995), “Das Deutsche und das Europäische im Werk José Saramagos”. In: Portugal und Deutschland auf dem Weg nach Europa, (orgs.) Marília dos Santos Lopes, Ulrich Knefelkamp e Peter Hanenberg. Pfaffenweiler, Centaurus, 221-231.

MurtinheiraAlcides / MetzeltinIgor (2010), Geschichte des portugiesischen KinosWien, Praesens Verlag.

Weniger, Kay (2011), Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben … Lexikon der aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945. Eine Gesamtübersicht. Hamburg, Acabus.


Sonntag, Juni 20, 2010

«Der Vorleser» wieder im Kino


Wer die Verfilmung von Bernhard Schlinks Roman Der Vorleser (1995) noch nicht gesehen hat - oder im Kino wieder sehen will, hat dazu bis Freitag im BragaShopping Gelegenheit (Kultfilm, 19h15).

Als der Film am 12.Februar 2009 in die portugiesischen Kinos kam, schrieb João Lopes einen kurzen Artikel im Diário de Notícias.

Buch und Film - beide Produkte sind umstritten unter dem Vorwurf der Verkitschung der Holocaust-Thematik. Um sich selbst ein Urteil zu bilden: lesen & sehen.

Deutschsprachiger Site.

Samstag, Januar 09, 2010

Die Fälscher kommen wieder...


Am 25. Februar 2008 fragte Gabriel in diesem Blog, wann endlich Die Fälscher in Portugal zu sehen sein würden. Knapp ein Jahr nach der Weltprämiere im März 2007 kam der Film dann hierzulande in die Kinos, ohne nennenswertes Echo hervorzurufen.
Es fehlte nicht an kritischen Stimmen:

“É um exagero ter dado a este título austríaco o Óscar de Melhor Filme Estrangeiro. Mas a realização de Stefan Ruzowitsky tem o mérito da contenção”

João Lopes, Diário de Notícias

“(...) um filme que, apesar dos clichês do género, tem uma forte componente dramática e um suspense bem trabalhado, reforçado por um trabalho de fotografia eficaz, a que se junta um convincente grupo de actores”
Manuel Cintra Ferreira, Expresso

“(...) não se trata de nenhuma obra-prima. É uma excelente história num contexto histórico (...) mas que, cinematograficamente, talvez precise de se reinventar para que o futuro não o banalize”
Ana Markl, Sol

Wer den Film noch nicht gesehen hat oder nochmal sehen möchte: vom 9. bis 15.Januar kommt er in der Reihe Filme de Culto wieder ins Bragashopping, jeweils 19.15 Uhr.

Sonntag, Juli 12, 2009

Palermo Shooting in Braga


In den Cinemas Cinemax des BragaShopping kann man noch bis zum 17.Juli den neuen Film von Wim Wenders (2008) sehen: immer um 19.15 Uhr, in der Reihe «Kultfilm».

Eine umfangreiche Filmbeschreibung gibt es in der deutschen Wikipedia.

Montag, Februar 25, 2008

Die Fälscher

O filme austríaco em concurso ganhou o Oscar para melhor filme em língua estrangeira. Já ando há semanas atrás do filme, cheio de curiosidade. Talvez agora seja mais fácil vê-lo.

Já alguém o viu? Opiniões?

Donnerstag, April 26, 2007

Im Kino: Das Leben der anderen

Das Leben der anderen
http://www.movie.de/filme/dlda/

AS VIDAS DOS OUTROS
The Lives of Others
________________________________________
Realizador: Florian Henckel von Donnersmarck

Actores:
» Martina Gedeck
» Ulrich Mühe
» Sebastian Koch
Ano: 2006
Idade: M/12
Duração: 137 minutos
Género: Drama
Distribuidora: Vitória Filmes
País de Origem: Alemanha


Sinopse:

Ao mesmo tempo um thriller político e um drama humano, AS VIDAS DOS OUTROS começa na Alemanha de Leste, em 1984, cinco anos antes da Glasnost e da queda do Muro de Berlim e leva-nos até 1991, à que é hoje a Alemanha reunificada. AS VIDAS DOS OUTROS, acompanha a gradual desilusão do Capitão Gerd Wiesler, um oficial altamente credenciado da Stasi, a toda-poderosa polícia política do regime. A sua missão é espiar um celebrado escritor, George Dreyman, e a sua esposa, a actriz Christa-Maria Sieland. Antes da sua queda, o governo da antiga Alemanha de Leste, conhecida como Alemanha Democrática, assegura o poder através de um sistema impiedoso de controle e vigilância, através da Stasi, uma vasta cadeia de informadores, que chegaram a ser 200.000, numa população de 17 milhões. O seu objectivo era saber tudo sobre AS VIDAS DOS OUTROS.

Um filme escrito e realizado por Florian Henckel von Donnersmarck. Com Martina Gedek (“A Bela Marta”), Ulrich Muhe (“Funny Games”), Sebastian Koch (“Amen”) e Ulrich Tukur (“Solaris”). [ www.7arte.net ]


Cinemas Cinemax/ Bragashopping,

desde o dia 21-4-07 até ao dia 28-4-07, pelas 19h 15 mn.