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Sonntag, November 10, 2013

Kuriose Verbindungen

«Warte Bursche, ich will dich schon kriegen!» – 
Man sagt, das Wort Bursche oder Bursch (pl. Burschen) leite sich von lateinisch bursa für ‚Beutel‘ ab, und bezeichnet ursprünglich allgemein eine finanzielle Gemeinschaft (man sagt ja auch Geldbörse). Daher verwendete man das Wort für Stipendiaten. Dieselbe Bedeutung liegt auch der Börse, der finanziellen Interessengemeinschaft, zugrunde.
Das ist interessant, wenn man an das Portugiesische denkt, denn auch hier bezeichnet man mit dem Wort bolsa nicht nur die Börse (Institution) und den Geldbeutel (synonym zu carteira und porta-moedas) sondern auch das Stipendium für den Studenten. Der Stipendiat heisst also bis auf den heutigen Tag o bolseiro, der somit – wer hätte es gedacht – entfernt mit dem deutschen Burschen verwandt ist.

Im 17.Jahrhundert wurde der Bursch(e) allgemeiner Ausdruck für einen Studenten, beinahe synonym. Während der Ausdruck Student (im Portugiesischen: estudante, aber man kann auch aluno sagen) mehr auf den Aspekt des Studierendens abhebt, drückt Bursch(e) eher die Lebensart der Studenten in ihrer Freizeit und die damit verbundene sehr spezielle Kultur aus. Als „echter Bursch“ galt nur, wer sich in den Sitten und Gebräuchen der Studenten auskannte.
Noch zu Beginn des 19.Jahrhunderts galt das Wort Burschenschaft für Studentenschaft, wie man aus Reden auf dem Wartburgfest 1817 ersehen kann.

In der Studentensprache des 19. Jahrhunderts wird der Begriff Bursche eingeengt auf eine Bezeichnung für ein Vollmitglied einer Studentenverbindung, der seine Probezeit als Fuchs bzw. Fux (im Portugiesischen entsprechend: caloiro) erfolgreich hinter sich gebracht hat. Dabei muss diese Studentenverbindung keine Burschenschaft im strengen Sinne sein, das heisst eine Organisation die den Werte und Grundsätze der Urburschenschaft von Jena (1815) folgt. 
Hier wird es schon schwierig, im Portugiesischen Vergleichbares zu finden, denn jede Universität hat hier eine einzige Associação Académica, in die sich die Studenten gleich nach der Immatrikulation einschreiben (nicht zwingend). Dadurch gewinnt sie Charakter und übernimmt Funktionen, die an deutschen Universitäten vom jeweiligen Studentenwerk erfüllt werden.

Die Rituale der Initiation in die universitäre Gemeinschaft werden in der sogenannten praxe (lat. praxis) vollzogen, veranstaltet von associações de praxe, die für jeden Studiengang und / oder Fakultät spezifisch sind, aber einem für die gesamte jeweilige Hochschule gültigen código de praxe gehorchen. Da diese Rituale auch im öffentlichen Raum ausserhalb des Campus vollzogen werden, sind sie weitaus präsenter und daher für deutsche Augen befremdlicher als diejenigen der Burschenschaften, die selten in die Öffentlichkeit treten und nur an deutschen Universitäten mit Traditionen des 19. Jahrhunderts durch die Vereinshäuser usw. mehr oder weniger auffallen.

Trotz dieser Unterschiede gibt es auch kuriose Verbindungen: zu nennen ist der sicherlich seltene Fall eines portugiesischen Studenten an der Universität Jena, der Anfang des 20. Jahrhunderts in die 1851 gegründete Burschenschaft Agronomia Jenensis aufgenommen wurde. 
Pedro de Queiroz Gaivão, aus einer alten Adelsfamilie Nordportugals stammend, hat sich dabei auch dem Ritus der Mensur unterworfen und es bis zum Schriftführer (!) gebracht.
Über seine Erfahrungen des studentischen Lebens von Damals legen seine auf Deutsch (!) geschriebenen Tagebücher beredtes Zeugnis ab. Sie waren Untersuchungsgegenstand einer der ersten Masterarbeiten des Studiengangs Deutsch-Portugiesische Studien / Estudos Luso-Alemães an der Universidade do Minho, ausgeführt von Paulo Miguel de Oliveira (Abschluss 2004). Daraus entstand eine spätere zweisprachige Publikation, finanziert von der C.M. Arcos de Valdevez, wo das Stammhaus der Familie steht.


Pedro de Queiroz Gaivão, Os diários alemães 1897-1904. Die deutschen Tagebücher. Zweisprachige Ausgabe von Paulo Miguel de Oliveira, Ed. Município Arcos de Valdevez 2006.

Eine erste kontextualisierende Vorstellung von Pedro de Queiroz Gaivão erfolgte 2001 im Rahmen der 6. Deutsch-Portugiesischen Arbeitsgespräche an der Universidade do Minho durch Prof. Armando B. Malheiro da Silva, der Nachlässe der Herrenhäuser (Casas Armoniadas) von Arcos de Valdevez aufarbeitete und dabei auf diese bildungsgeschichtlich interessante Dokumente stieß.


„Um estudante português no II Reich, 1897-1903. Apresentação de um Diário escrito em alemão”, Portugal – Alemanha – Brasil. Actas do VI Encontro Luso-Alemão / 6. Deutsch-Portugiesisches Arbeitsgespräch. (Eds.) Erwin Koller, Orlando Grossegesse, Mário Matos und Armando Malheiro da Silva, Braga : CEHUM (Col. Hespérides 14), vol. I.

Samstag, August 03, 2013

Eis o Mar Wadden... Schaut her hier ist das Wattenmeer

Das Wattenmeer an der Nordsee ist immer noch eine touristische Entdeckung für die Touristen aus dem Süden. Dass es ungekannte weite Flachlandschaften im Norden Deutschlands gibt, das kann immer noch eine Überraschung sein. Zumindest das suggeriert das von Ljubomir Stanisic / Mónica Franco geführte Reiselogbuch (unter der Rubrik logout in Expresso Revista vom 27. Juli 2013): diesmal landen sie mit ihrer carripana in der Gegend um Husum.
Es gibt Stille und Schafe, was die etwas dümmlich-oberflächliche Anspielung auf den Film O Silêncio dos Cordeiros im Titel des Artikels motiviert.

Der Begriff

Mar de Baixio ist die geläufigste Übersetzung von Wattenmeer, obgleich man sie bislang nicht in der portugiesischsprachigen Wikipedia findet (der Suchmotor schlägt alternativ Mar de Paixão vor), allerdings sehr wohl auf zahlreichen Tourismus-Seiten wie zum Beispiel diese des Bundesministeriums.

Dass dieser Konsens noch keineswegs konsolidiert ist, zeigt in besagtem Artikel der Satz, der den deutschen Begriff, den Lehnbegriff aus dem Englischen und erst an dritter Stelle die genannte Übersetzung anbietet:

"Estávamos perante o Wattenmeer ou Mar Wadden ou Mar de Baixio, (...). Uma paisagem que se estende por dez mil quilómetros quadrados e muda drasticamente duas vezes por dia. (...) É mágico."

Mar Wadden ist die direkte Übersetzung von Wadden Sea (seinerseits aus dem Niederländischen Waddenzee). Die portugiesische Wikipedia bevorzugt den Begriff Mar Frísio (alternativ mar de Wadden, als ob es ein Eigenname wäre). Der deutschsprachige Mutterartikel Watt (Küste), der von einer grundlegenden Definition ausgeht ("Als Watt bezeichnet man Flächen in der Gezeitenzone der Küsten, die bei Niedrigwasser trocken fallen") führt auf der portugiesisichen Seite zu dem Eintrag Zona entremarés ou região entremarés - bislang eine terminologische Sackgasse, auch wenn Wikipedia meinen Vorschlag, doch mar de baixio an erste Stelle der Synonymenliste zu setzen von gestern auf heute flugs akzeptiert hat.

Terminologisch wird nicht die Verbindung gezogen zwischen allgemeinem Naturphänomen, das sich an verschiedenen Stellen des Erdballs findet, und spezifischer Natur- und Kulturlandschaft an der Nordsee, die im hochdeutschen Wikipedia-Eintrag nur natürlich ist. Dabei müsste man bloss erklären, dass watt auf niederdeutsch seicht bedeutet oder gar den plattdüütschen Eintrag zu Watt aufsuchen: "Watt is de siede Meerbodden an de Küst, de bi Ebb kilometerwiet dröög, bi uplopen Water aver von schetteriggraue Floot vüllig överdeckt is". Da staunste nu, wat?


Nordfriesen

Seicht dümpelt der Expresso-Artikel weiter, als sich Ljubomir Stanisic & Mónica Franco dem Stadtkern von Husum nähern, genial definiert als "o coração da cidade, a praça onde todas as ruas começam e acabam" sowie als "lugar certo para apreciar a Alemanha por dentro" - eine Verallgemeinerung, die sich wohl nur Touristen erlauben können, ebenso wie eine Suche nach der Essenz, nach dem deutschen Herzen. Dazu passt die Fortsetzung "E digamos que a Alemanha é bastante orgânica...". Es folgt ein Lob auf das farbenprächtige frische Gemüse und auf die hauseigene Schlächterei (Familienbetrieb), um in einem Rundumschlag den Schluss zu ziehen:

"In Husum haben wir pro Quadratmeter mehr nette Deutsche kennengelernt als in ganz Deutschland"
[Em Husum conhecemos mais alemães simpáticos por metro quadrado do que em toda a Alemanha]

Was auf den ersten Blick als Kompliment erscheint, entpuppt sich als (wohl witzig gemeinte) Bestätigung des Klischees vom ungehobelten Deutschen, der nicht nett und herzlich sein kann so wie unsere lieben Südländer. Die Nordfriesen an diesem tiefen Rand, die nicht mit den Deutschen in einen Topf geworfen werden wollen (schon gar nicht mit den deutschen Touristen / aber auch nicht mit den Ostfriesen!), freut das aber sicher. Mal sehen, was die nächsten Kilometer bringen...

Samstag, Februar 02, 2013

Spätsommerkurs Portugiesisch 2013 mit Zusatzprogramm


Die portugiesischen Universitäten bieten ihre Sommerkurse Portugiesisch als Fremdsprache meistens im Juli an. Das ist für Studenten an deutschen, österreichischen oder schweizer Hochschulen eine sehr ungünstige Zeit, weil sie zumindest teilweise ins Sommersemester oder in Examenszeiten fällt. Dem will das Sprachenzentrum BabeliUM der Universidade do Minho (Braga / Guimarães) abhelfen durch ein speziell auf dieses Zielpublikum ausgerichtetes Angebot.

26. August bis 14. September 2013

Dabei wird nicht nur ein normaler ‚Ferienkurs‘ Portugiesisch für Anfänger (A1) und fortgeschrittene Anfänger (A1+/A2) im Umfang von 70 Stunden (+ 4 Stunden Abschlussprüfung) mit landeskundlichen Exkursionen geboten, sondern auch ein spezifisches 

Zusatzprogramm zu deutsch-portugiesischen Beziehungen 

(auf deutsch + portugiesische Ausdrücke) in drei Modulen zu jeweils 4 Stunden:

(Modul 1) Portugalbilder in der deutschsprachigen Reiseliteratur und umgekehrt
(Prof. Mário Matos)

(Modul 2) Sprachkontakt portugiesisch / deutsch im Zeichen der Migrationsgesellschaft
(Prof. Cristina Flores)

(Modul 3) Konstruktionen nationaler Identität im Vergleich und historische Wechselbeziehungen
(Prof. Orlando Grossegesse

Weitere Informationen unter



Wenn Sie Interesse an diesem Spätsommerkurs haben, dann schreiben Sie bis spätestens  29. 
Juli 2013 eine Nachricht an dirbabelium@ilch.uminho.pt. Umgehend bestätigen wir Ihnen 
Ihre Anmeldung und teilen Ihnen die Daten für die Überweisung der Kursgebühr mit, die dann bis 
zum 31. Juli 2013 erfolgen sollte.

Samstag, Juli 07, 2012

Spätsommerkurs Portugiesisch

Die portugiesischen Universitäten bieten ihre Sommerkurse Portugiesisch als Fremdsprache meistens im Juli an. Das ist für Studenten an deutschen, österreichischen oder schweizer Hochschulen eine sehr ungünstige Zeit, weil sie zumindest teilweise ins Sommersemester oder in Examenszeiten fällt. Dem will das Sprachenzentrum BabeliUM der Universidade do Minho (Braga / Guimarães) abhelfen durch ein speziell auf dieses Zielpublikum ausgerichtetes Angebot.

27. August bis 15. September 2012

Dabei wird nicht nur ein normaler ‚Ferienkurs‘ Portugiesisch für Anfänger (A1) und fortgeschrittene Anfänger (A1+/A2) im Umfang von 70 Stunden (+ 4 Stunden Abschlussprüfung) mit landeskundlichen Exkursionen geboten, sondern auch ein spezifisches Zusatzprogramm zu deutsch-portugiesischen Beziehungen (auf deutsch + portugiesische Ausdrücke) in drei Modulen zu jeweils 4 Stunden:

(Modul 1) Konstruktionen nationaler Identität im Vergleich und historische Wechselbeziehungen
(Prof. Orlando Grossegesse)

(Modul 2) Portugalbilder in der deutschsprachigen Reiseliteratur und umgekehrt
(Prof. Mário Matos)

(Modul 3) Sprachkontakt portugiesisch / deutsch im Zeichen der Migrationsgesellschaft
(Prof. Cristina Flores)

Weitere Informationen unter

Wenn Sie Interesse an diesem Spätsommerkurs haben, dann schreiben Sie bis spätestens 20. Juli 2012 eine Nachricht an dirbabelium@ilch.uminho.pt.

Sonntag, März 14, 2010

Castanheira Barros: «Ich habe ein Projekt»

Die Vielsprachigkeit als politische Showeinlage - soweit ist es in Portugal mit einer Bildungspolitik für Europa gekommen, die nicht ernst genommen wird. Der Kommentator SIC erkennt noch, dass es sich bei "I have a project" wohl um eine Version von "I have a dream" handelt. Aber dann fällt ihm nur noch ABBA bei Eurovision ein und nicht Martin Luther King im August 1963. Das spicht genauso Bände für die portugiesische «Konversationskultur» (wie schön sagte doch unlängst Teixeira dos Santos: money for the boys) wie der Schnellschuss von Jorge Bruno da Costa in seinem Blog «Por Tudo e Por nada» unter dem Titel «O poliglotismo de Castanheira Barros»:

A per­for­mance deste pu­ta­tivo chal­lenger no con­gresso do PSD mais pa­recia um da­queles freak shows de stand-​up co­medy que não roubam gar­ga­lhadas, antes an­te­cipam bo­cejos e põem con­gres­sistas às ca­be­çadas no vazio: um flop.
Cas­ta­nheira Barros quis mos­trar que está aí para as curvas; e se o outro tra­tava todos os lí­deres eu­ro­peus por Tu ("you") e o outro ha­blava español en las hu­eras, Cas­ta­nheira Barros mos­trou que tem um plano, que, pelo que se de­pre­ende, passa por re­pro­duzir em todas as lín­guas do mundo a ex­pressão: "eu tenho um pro­jecto, I have a pro­ject, j'ai un plan, tengo un plano".

Oh, Bruno, não estás muito longe da «Aufsteh-Komödie» da tua vítima. O teu português ironicamente americanizado faz bocejar e não sei se é pensado para ser engraçado que entre "todas as línguas do mundo" falta precisamente o alemão que o próprio Castanheira Barros mais salientou ("Ich habe ein Projekt") por ter feito a sua pós-graduação na Alemanha. Será que o Bruno não sabe alemão? Dann ist es Zeit, dass er ein Projekt hat.

Sonntag, April 05, 2009

Buchstabengetreu

Ao pé da letra - unter dieser Rubrik beklagte António Guerreiro im Expresso (Heft Expresso actual, S.33) vom Wochenende (4.April) das Ende des Jornalismus im Detail der mangelnden Buchstabentreue. Meine Lektüre dieser Klage zielt in eine andere Richtung, denn ich frage mich: Ist es reiner Zufall, dass die zwei von Guerreiro ins Feld geführten Beispiele die im Portugiesischen verfälschte Zitate von (nicht ausschliesslich) deutschsprachigen Autoren betreffen: Paul Celan und Walter Benjamin.
Wenn António Guerreiro schreibt "Por trás destes descuidos está o pressuposto funesto de que o leitor é ignorante e nem ousa querer sair desse estado de menoridade" - was by the way Kants Sentenz zur Frage "Was ist Aufklärung?" adaptiert, dann frage ich mich, inwieweit diese Ignoranz schlicht (auch) die Verbreitung der deutschen Sprache in Portugal betrifft. Gehört das Deutsche noch zum normalen Bildungsrepertoire der älteren Generation des portugiesischen (Kultur-)Journalismus, kann man dies für die jüngere Generation nicht mehr so behaupten. Muss man damit am Journalismus zweifeln? Oder an der Kultur europäischer Vielsprachigkeit? Niemand würde zum Beispiel nachprüfen, ob Dostoevskij nach dem russischen Original richtig zitiert wurde, oder?

Freitag, Juli 27, 2007

bilinguismo no jornal

o P2 - suplemento do jornal Público - de 19 de Julho de 2007 fazia capa com a seguinte pergunta: "Queremos que os nossos filhos sejam bilingues?".
nas páginas 6 e 7 explora-se o tema; à primeira vista, sobressai a apresentação de custos com escolas.
já não é a primeira vez que a Bárbara Wong trata este assunto - se encontrar o texto a que me refiro coloco aqui o link ou o título.

Freitag, Mai 25, 2007

Language acquisition: estudo na "Science"

a edição online do jornal Público de hoje (25/Maio/2007) publica uma notícia relacionada com a aquisição da língua.
a notícia "Bebés distinguem idiomas apenas pelos movimentos faciais " encontra-se em http://ultimahora.publico.clix.pt/noticia.aspx?id=1295013&idCanal=13