Comunidade virtual dos interessados nas relações luso-alemãs*
Mittwoch, März 23, 2011
Der Schosshund
Samstag, März 05, 2011
Vom «Ultimatum Britânico» zum «Deutschen Ultimatum»
o meu país tem oito séculos de história, não é subserviente com ninguém, a não ser com o seu povo e com o que o povo tem a dizer.
Sócrates als «erster Diener im Staat» ganz in der Tradition des aufgeklärten Absolutismus (pardon: des demokratischen Republikanismus).
Wen wunderts da, wenn das Editorial des Diário Económico vom 3.März 2011 unter dem Titel Merkel deve passar das palavras aos actos tönt:
Portugal está a fazer o seu trabalho - "bem" segundo a chanceler. É preciso que a Alemanha também faça o seu.
Dies ist also der richtige Moment für eine Ode à Alemanha, wie damals der Ode à Inglaterra. Sócrates weiss, dass er auf dieses tapfere Volk zählen kann, das sich von ihm an der Nase herumführen lässt, solange er das patriotische Lied flötet.
Samstag, Januar 08, 2011
Sabão alemão / Sabão Offenbach - Zur Geschichte der Seife in Portugal (2)

In die Irre führt die synonyme Behandlung von «Sabão Macaco» in der englischsprachigen Wikipedia, da dies auf eine spätere Einführung der «monkey soap» zurückgeht. Diese wurde erst 1899 in den USA und England auf den Markt gebracht und erschien (wann?) in Portugal unter anderem als «Sabão Tarzam», wie Ana Marques Pereira (2010) in einem illustrativen Beitrag ihres Blogs Garfadas on-line nachweist.
Dieser Verwirrung ist es auch zu verdanken, dass die Firma Serrote im April 2013 die limitierte Auflage eines Notizheftes in Retro-Branding Caderno Azul & Branco OFFENBACH - MACACO produzierte. Kurioserweise gibt es eine partielle Homophonie der deutschen Wörter: Offenb... - Affe (Pl.: Affen).
Kehren wir zurück zur echten «Sabão Offenbach»: Wer hat sie 1850 in Portugal eingeführt? Soviel steht fest: Im Jahre 1894 wurde von Rosalvo da Silva Almeida und Manuel dos Santos Pereira in Braga eine Siederei gegründet, die sich auf die Produktion von "sabão do tipo offenbach" spezialisierte. Sie sollte zum Massenprodukt des Betriebes werden, der unter dem Namen Confiança nationale und sogar internationale Bekanntheit erlangte.
Die Marke Confiança wurde 2009 vom ehemaligen Konkurrenten Ach Brito aufgekauft, der kurioserweise auch deutsch-portugiesische Verbindungen in seiner Entstehung aufweist, wie wir dies bereits im 1. Kapitel «Zur Geschichte der Seife in Portugal» ausgeführt haben.
Offenbach rosa und Offenbach azul finden sich weiterhin in der Produktpalette des Konzerns. Und Aquiles Brito tritt allen Besorgnissen entgegen, das gute Stück Seife könnte verschwinden:
“(...) o produto estrela, o que lhe traz mais vendas, é o Sabão Offenbach, cor rosa para as vendas a norte e azul para as vendas a sul. Não tenho qualquer explicação do porquê, o mercado é mesmo assim” (Aquiles Brito in Luísa Pinto, 2016)
(Beitrag aktualisiert nach der Lektüre des Artikels von Luísa Pinto (2016), "O que a alfazema e o sabão têm a ver com isto?", Público, 05.03.2016)
Freitag, Dezember 17, 2010
1939 deutsches Fernsehen in Rio de Janeiro
Nachdem das von Hans Pressler (Direktor der Forschungsstelle der Reichspost) geleitete deutsche Team in Buenos Aires beim Weltposttag den Telefunken-Empfänger FE 7 vorgeführt hatte, gab es am 2. Juni 1939 zum ersten Mal in Brasilien einen experimentellen Fernsehbetrieb, der am folgenden Tag dem Präsidenten Getúlio Vargas und einer Reihe von Ministern präsentiert wurde. Bestandteil war die Direktübertragung einer Musikveranstaltung, u.a. mit dem Duo Preto e Branco, Herivelto Martins und Nino Chagas, zusammen mit der Solistin Dalva de Oliveira (Bild) - so eine SchwarzWeiss-Mischung hatte sicher nicht Hitlers Segen.
Am Sonntagnachmittag des 4.Juni und für die Dauer von zwei Wochen konnten dann die Bürger Rio de Janeiros auf der Funkausstellung erstmals die Flimmerkiste kennen lernen. Damals ahnte man noch nicht, dass es das brasilianische Medium der Telenovela werden sollte.
Angesichts dieser Fakten stellt sich die Frage, wie das Fernsehen in Portugal eingeführt wurde. Gab es auch hier eine Propaganda-Mission aus dem Deutschen Reich?
Áureo Busetto, "Em busca da caixa mágica: o Estado Novo e a televisão", Revista Brasileira História, vol. 27 (2007), nº 54, Associação Nacional de História: São Paulo, S. 177-196
António Sérgio Ribeiro, "As primeiras exibições da televisão no Brasil", Assembleia legislativa do Estado de São Paulo (ALESP), 17.09.2010
Samstag, Dezember 11, 2010
Nach Einführung des Honorarkonsuls in Porto: Botschafter besucht die Universidade do Minho
Am darauf folgenden 29. Oktober stattete Botschafter Elfenkämper zusammen mit dem ersten Sekretär Manfred Schüler der Universidade do Minho einen offiziellen Besuch ab.
Den Nachmittag füllte eine Rundreise zu verschiedenen Forschungszentren, die internationales Ansehen geniessen, angefangen mit der Gruppe 3 Bs (Biomateriais, Biodegradáveis, Biomiméticos) im Ave Park, danach im Campus de Azurém (Guimarães) die Abteilung für Robotforschung (Prof. Wolfram Erlhagen), das Zentrum für Computergraphik (CCG), das mit der TU Darmstadt in enger Partnerschaft steht, und abschliessend das Forschungszentrum für die Entwicklung von Kunststoffen (Polymerchemie - PIEP).
In Braga folgte nach einem kurzen Gespräch mit dem Rektor, Prof. António Cunha, am Abend der Festakt zum 20jährigen Bestehen der Germanistik an der Universidade do Minho (in memoriam Prof. Erwin Koller). Nach dem Abendessen rundete ein Liederabend mit Schuberts Winterreise den Besuch des Botschafters ab.
Alface ist nicht nur Kopfsalat... Zur Geschichte der Seife in Portugal (1)


Kurios eine weitere deutsche Intervention in der Unternehmensgeschichte: Heinrich Gleiser arbeitete als 4-Meter-hohe Attraktion für Ach.Brito auf der 1. Kolonialausstellung Portugals im Jahre 1934.

* Siehe ausserdem den Beitrag von Paulo Heitlinger: "O renascer do sabonete vintage em Portugal", Cadernos de Tipografia e Design, Nr. 11, September 2008, 15-19.
Gilberto: "Edle Seife aus Portugal erlebt ihr duftendes Comeback", Portugalmania, 23. Dezember 2007.
Dienstag, August 10, 2010
Wieder einmal: Der letzte Fado
Wer einigermassen vertraut ist mit den Portugal-Bildern, die die deutschsprachige Presse spätestens seit dem Erdbeben von Lissabon 1755 über die Jahrhunderte und Jahrzehnte hinweg beharrlich verbreitet hat, wird Oliver Jungens fetzig runtergeschriebene Glosse vom 9. August 2010 (FAZ), die mit diesen zwei Sätzen unter dem Titel «Der letzte Fado» den Leser anlocken möchte, als einen Neuaufguss des Altbekannten gähnend beiseite legen: Klischee-Collage. Eine weitere Kostprobe gefällig?
[...], die Krise befeuert die herausragendste Kulturleistung des stolzen, kleinen Landes, nämlich die voller Inbrunst in den blauen Himmel geschmetterte Fundamentaldepression namens Fado. Was waren wir einst bedeutsam, singt man in noch mehr Variationen, als es Rezepte für den vertrockneten Bacalhau gibt. Dass die goldene Zeit mehr als ein halbes Jahrtausend zurückliegt, tut der Trauer keinen Abbruch. Man knabbert am Schicksal, wie man am Stockfisch knabbert: klagend zufrieden. Auch Christian [sic!] Ronaldo lieben die Portugiesen noch mehr, seit er keine Tore mehr schießt.
Vielleicht überbietet Oliver Jungen durch eine Spur mehr Zynismus seine Vorgänger. Aber das wird keine Krise bilateraler Beziehungen auslösen (vielleicht dann, wenn dasselbe in El País stehen würde...). Weiter geht's in der Ethnographie des heutigen Portugiesen:
Was hingegen tatsächlich faul ist, ist des Portugiesen klassische Behausung. Von Braga bis Faro überall dasselbe Bild: Die Orte zerfallen von den Zentren her. Die zehn Millionen Einwohner Portugals fliehen nach wie vor aus den Altstädten in trostlose Betonriegel, die seit den Siebzigern die Stadtränder verunstalten. Besonders die Wohnsilos von Lissabon und Porto besitzen höchste Anziehungskraft. Ein morbider Charme umgibt dagegen viele der teilweise noch aus dem sechzehnten und siebzehnten, vor allem aber aus dem achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert stammenden Ortskerne, die inzwischen durch ein erstklassiges, mit EU-Subventionen ausgebautes, aber die meiste Zeit geisterhaft leeres Autobahnnetz verbunden sind.
Der Tourist kann gut mit leeren Autobahnen, malerischen Ruinen und traurigem Fado leben: dieses Publikum hat die FAZ auf ihrer Seite; etwas anderes wäre es, den Normalportugiesen ernst zu nehmen, der jenseits des «letzten Fado» mit dem PEC (über-)leben muss. Das heisst nicht, dass Oliver Jungen mit seinen Blitz-Impressionen vollkommen falsch liegt: Leidensfähigkeit (und nicht etwa Sozialstaat oder Demokratie...) auf dem Prüfstand.
Fortsetzung folgt - garantiert.
Sonntag, August 01, 2010
Der Hamburger Amália-Rodrigues-Weg
Weitere Information zum Ereignis:
Bericht von Peter Koj in Portugiesisch-Hanseatische Gesellschaft.
Samstag, Juli 31, 2010
Die neue REAL ist im Netz
"REAL é um projecto conjunto das Universidades portuguesas onde existe a área da Germanística. Neste sentido, ela é propriedade das seguintes instituições: Universidade de Lisboa, Universidade Nova de Lisboa, Universidade Católica Portuguesa, Universidade Aberta, Universidade de Coimbra, Universidade de Aveiro, Universidade do Porto, Universidade do Minho e Universidade da Madeira. Inicialmente está sediada na Faculdade de Letras da Universidade de Lisboa, onde permanecerá nos próximos quatro anos, passando depois para uma das outras Universidades.
A REAL é a primeira revista de Estudos Alemães online em Portugal. Pretende dinamizar e agilizar a interacção entre os germanistas e todos os interessados na língua e nas culturas de expressão alemã, contribuindo para revitalizar este campo disciplinar." [Editorial]
Sonntag, Juli 11, 2010
Kafka in Portugal / Kafka em Portugal
Trotz einiger Fehler in Titeln und Namen handelt es sich um eine gute informative Ausgangsbasis für alle, die sich mit der Rezeption von Kafka in Portugal beschäftigen wollen.
Die Liste ist aktueller als diejenige, die sich am Ende der Studie von Carlota Miranda Dias Pinto (IV Congresso da APLC, Évora, Mai 2001) befindet.
METAMORFOSES D’ A METAMORFOSE
CONTRIBUTO PARA A HISTÓRIA DA TRADUÇÃO DE DIE VERWANDLUNG, DE FRANZ
KAFKA, PARA PORTUGUÊS
In der Abteilung "Sobre Kafka" auch Angaben zu Studien und Kolloquien an portugiesischen Universitäten.
Interessant: Kafka in BD (Comic).
Mir scheint, dass Angaben über szenische Adaptierungen fehlen.
Bibliografia de e sobre Franz Kafka traduzida para português
.Livros publicados em Portugal
.De Kafka
.Sobre Kafka
.Links de textos em Português
Dienstag, Juli 06, 2010
Orte von Carolina Michaëlis und Joaquim de Vasconcelos

A exposição apresentada pelo Conselho Cultural da UMinho traz imagens dos principais lugares ligados à vida do casal Carolina Michaëlis e Joaquim de Vasconcelos, sobretudo no Porto, mas também Lisboa e Coimbra, recolhidas pelo fotógrafo Luís Neves.
É proposto ao visitante um breve percurso onde se cruzam lugares de hoje com memórias difusas do que foram esses espaços. Ruas, casas, recantos - uns públicos, outros mais recolhidos -, sítios que foram de viver e de trabalhar, de partida e de chegar, de estudo ou de lazer.
A presente exposição, organizada pela Câmara Municipal do Porto e concebida e coordenada pelo Dr. Luís Cabral, autor do texto do catálogo, tenta reconstituir através da fotografia de Luís Neves o percurso geográfico e de certo modo cultural de Carolina Michaëlis e Joaquim de Vasconcelos em Portugal, dando-nos a conhecer os lugares que marcaram mais significativamente as suas vidas no Porto e em Coimbra, com passagem por Lisboa. As casas, os estabelecimentos de ensino, as livrarias, as bibliotecas, as academias que os dois frequentavam permitem-nos conhecer um roteiro familiar e intelectual que nos dá oportunidade de melhor contextualizar os espaços onde se moveram e recuperar a sua memória, cujos livros e demais espólio perpetuam. A exposição fotográfica é completada por uma mostra bibliográfica organizada pela Biblioteca Pública de Braga onde se apresenta algumas das obras mais significativas do casal.
A exposição estará patente nos dias úteis, das 9h às 12h30 e 14h às 17h30, no Largo do Paço, Braga.
Interkulturelle Mnemo-Graphien
Dabei wird der Begriff „Interkulturelle Mnemo-Graphie“ als komplexes Feld, in dem sich verschiedenste Phänomene und Dikurse transkultureller Begegnungen und entsprechender Darstellungen/Inszenierungen kreuzen, verstanden. Zur Kartographierung dieses transdiziplinären Topos gehören u.a. folgende Bereiche: Reise(literatur), Migration, Tourismus, Übersetzung, Bilinguismus, Erinnerungsorte, Stereotype, Imagologie, Post-Kolonialismus usw.
Vorschläge von kultur-, literatur- oder sprachwissenschaftlich ausgerichteten Beiträgen erbeten bis zum 15. Juli. Senden Sie uns Titel und Zusammenfassung per e-mail zu.
Die Vorträge auf Deutsch, Portugiesisch oder Englisch sind auf 30 Minuten beschränkt. Die Annahmebestätigung der vorgeschlagenen Beiträge wird bis zum 23. Juli erfolgen.
Die Teilnahme am Kolloqium ist gebührenfrei. Reise- und Unterhaltskosten können allerdings nicht vom Veranstalter getragen werden.
Organisation:
Prof. Dr. Mário Matos (Vorstand des DEGE, matos@ilch.uminho.pt)
Prof. Dr. Orlando Grossegesse (Direktor des BabeliUM, Sprachenzentrum der UM; ogro@ilch.uminho.pt)
Prof. Dr. Cristina Flores (Vize-Vorstand des DEGE; cflores@ilch.uminho.pt)
Samstag, Juni 26, 2010
Portugals Museumslandschaft
Es gibt die unterschiedlichsten Museen zwischen Algarve und Minho, die einen Besuch lohnen. Dies stellt die Nummer 47 der Portugal Post / Correio luso-hanseático mit dem thematischen Schwerpunkt «Museus de Portugal» eindrucksvoll unter Beweis. Mitglieder und Freunde der Associação Luso-Hanseática schrieben über ihre Lieblingsmuseen, oft fernab von Metropolen und Autobahnen. Gerade diese Orte öffentlichen Interesses sind immer in Gefahr des Rotstiftes, der dort ansetzt, wo nicht viel Protest zu erwarten ist. Daher ist jeder Museumsbesuch ein kleiner Beitrag zur Erhaltung der vielfältigen Kulturlandschaft.
Donnerstag, Juni 24, 2010
Wassermusik und Feuerwerksmusik zum Ausklang
GEORG FRIEDRICH HÄNDEL
Música Aquática
Música para os Reais Fogos de Artifício
Orquestra da Universidade do Minho
Toby Hoffman, direcção musical
3 de Julho às 21.30h
Salão Medieval da Reitoria da Universidade do Minho
Entrada livre
Apoio: Reitoria da Universidade do Minho
Als Freiluftmusiken sind die dreiteilige Water Music (Wassermusik), Suite für Bootsfahrten auf der Themse, sowie die Music for the Royal Fireworks (Feuerwerksmusik) von 1749 konzipiert. Letztere wurde anlässlich des am 7. Oktober 1748 geschlossenen Aachener Friedens von König George II in Auftrag gegeben und am 27. April 1749 im Londoner Green Park uraufgeführt. Im Vorfeld kam es wegen der Orchesterbesetzung zu Auseinandersetzungen zwischen dem König und Händel. Denn der König wollte ausschließlich „Militärinstrumente“ (Oboen, Fagotte, Hörner, Trompeten und Pauken) verwendet wissen. Händel dagegen bestand auf Mitwirkung von Streichinstrumenten. Wer sich von beiden letztendlich durchsetzte, lässt sich heute nicht mehr mit Sicherheit sagen: Tatsache bleibt, dass Händel seine Partitur ursprünglich für „Militärinstrumente“ konzipierte, jedoch später vermerkte, dass zusätzlich Streicher die Oboen- und Fagottstimmen zu verdoppeln hätten. Die öffentliche Probe der Feuerwerksmusik mit 100 Musikern vor 12 000 Zuhörern am 21. April in Vauxhall Gardens wurde ein großer Erfolg. Das eigentliche Ereignis dagegen, die offizielle Feierlichkeit am 27. April im Green Park, endete mit einem Desaster. Durch technisches Versagen des Feuerwerks fingen die eigens für das Feuerwerk zur Feier des Aachener Friedens errichteten Bauten und Dekorationen Feuer und brannten nieder. Einzig Händels Musik soll die Ehre dieses Tages gerettet haben. [Information Wikipedia]
Montag, Juni 21, 2010
Sang- und klanglos
Diese Worte auf der Seite der Deutschen Botschaft Lissabon informieren über das Ende des Generalkonsulats Porto.
Dieser diskrete Rückzug, der sich wohl aus der Einsparung öffentlicher Gelder erklärt, bestätigt andererseits die zentralistische Organisation Portugals.
Wir erinnern an dieser Stelle dankbar an all diejenigen, die über Jahrzehnte hinweg deutsch-portugiesische Initiativen in Nordportugal unterstützt haben.
Sonntag, Juni 20, 2010
«Der Vorleser» wieder im Kino

Wer die Verfilmung von Bernhard Schlinks Roman Der Vorleser (1995) noch nicht gesehen hat - oder im Kino wieder sehen will, hat dazu bis Freitag im BragaShopping Gelegenheit (Kultfilm, 19h15).
Als der Film am 12.Februar 2009 in die portugiesischen Kinos kam, schrieb João Lopes einen kurzen Artikel im Diário de Notícias.
Buch und Film - beide Produkte sind umstritten unter dem Vorwurf der Verkitschung der Holocaust-Thematik. Um sich selbst ein Urteil zu bilden: lesen & sehen.
Deutschsprachiger Site.
Samstag, Juni 19, 2010
Hanna Schygulla erinnert an Lissabon «Hafen der Hoffnung»
Die Stadt Lissabon war in den Jahren, die der Roman beschreibt, ein «Hafen der Hoffnung» für so viele Verfolgte, die es über vielerlei Grenzen hinweg geschafft hatten, bis an diesen Rand Europas zu gelangen. Die Metropole, die 1940 mit der Ausstellung der «Portugiesischen Welt» das Imperium zelebrierte, war allerdings keineswegs die Oase des Friedens und der Toleranz, als die Lissabon nun oft im Rückblick idealisiert wird.
Sie kamen zwar in eine Stadt ohne Bedrohung durch Luftangriffe, ohne Verdunkelung, und sie bekamen in der Regel genügend zu essen, doch die Verfolgung hörte nicht auf: der Estado Novo Salazars kollaborierte mit Nazi-Deutschland. Die NSDAP hatte ein gut funktionierendes Netz von Spitzeln und die Bürokratie des Estado Novo verstand es, die Verfolgten noch ein letztes Mal zu schröpfen, bevor sie sich - mit etwas Glück - nach Süd- oder Nordamerika einschiffen konnten.
Illustrative Dokumente zu der Gedenkveranstaltung finden sich auf der Kultur-Seite der Deutschen Botschaft Lissabon, auf Portugiesisch und Deutsch
Frau Tod hat ihn abgeholt - José Saramago
An diesem Ort über Saramago zu schreiben, ist vollauf gerechtfertigt. Die Beziehung Saramagos zur deutschsprachigen Welt ist eine besondere, zumindest seitdem er 1955 Erich Maria Remarque und 1956/57 die bekannnte 08/15 Trilogie von Hans Hellmut Kirst aus dem Französischen ins Deutsche übersetzt hatte. Später finden sich in seinen Romanen immer wieder Figurationen der 'deutschen Identität' - Machthaber oder Handlanger in Machtstrukturen, zum Beispiel die deutschen Latifundienbesitzer in Levantado do Chão (1980). 1985 erschien als Hoffnung im Alentejo gerade dieser Roman als erster in deutscher Übersetzung - damals noch im Aufbau Verlag der DDR.
Es war 1978 in einem Ostberliner Hotel, als ihm - erschöpft auf dem Bett liegend - die Idee O ano da morte de Ricardo Reis zu schreiben, "von der Decke fiel". In diesem Roman tauchen auch ein paar Dialogsequenzen auf Deutsch - in lautlicher Umschrift - auf (ich glaube, die einzigen): Kameramänner, die im Dienste der Propaganda des Estado Novo 1936 A Revolução Nacional drehten.
1980 erscheint seine Übersetzung (wiederum aus dem Französischen) von Otto Zierers Deutscher Geschichte. Die sicherlich stärkste Beziehung, was die Textproduktion betrifft, ist das Libretto In Nomine Dei zur Oper Divara - Wasser und Blut (am 31. Oktober 1993 in Münster uraufgeführt), die die genaue Recherche eines dunklen Kapitels der Stadtgeschichte als 'Jerusalem' der Anabaptisten voraussetzte. Und sein vorletztes Buch A Viagem do Elefante (2008) geht auf einen Besuch in Salzburg am 23.November 1999 zurück, als er im Gasthaus zum Elefanten von der Geschichte erfuhr.
Saramago war viel in Deutschland und Österreich unterwegs. Alle seine Romane und vieles mehr wurden ins Deutsche übersetzt. Nach Andreas Klotsch und Ray-Güde Mertin wurde Marianne Gareis, die auch einige Jahre bei uns in Braga gelebt hat, zur Saramago-Übersetzerin des späten Romanwerkes ab A Caverna (Das Zentrum).
Als die Entscheidung der Schwedischen Akademie am 8.Oktober 1998 bekannt wurde, hatte er gerade die Frankfurter Buchmesse verlassen: man holte ihn zurück und feierte ihn auf einer improvisierten Pressekonferenz als den ersten (und bisher einzigen) Nobelpreisträger portugiesischer Sprache. Das Foto, in der er der glücklichen Ray-Güde Mertin (2007 verstorben), seiner internationalen Literaturagentin, inmitten des Gedränges die Hand küsst, ging um die Welt (leider habe ich nur das folgende Foto von der Buchmesse zur Hand).

Die Rezeption Saramagos im deutschsprachigen Raum kann sicherlich im internationalen Vergleich als privilegiert bezeichnet werden, was die Übersetzung, Medien und Presse betrifft: Saramago ist bekannt. Sein Tod hat sofort zahlreiche Nachrufe ausgelöst und beispielsweise den Spiegel dazu bewegt, zusätzlich ein Dossier zusammen zu stellen.
Im akademischen Bereich gibt es seit 1980 eine Reihe von Studien, die sich mit Saramagos Werk beschäftigen. Diese Aktivität ist leider kaum über den deutschsprachigen Raum hinaus bekannt geworden.
Ich selbst bin durch ein Proseminar zu Memorial do Convento von meinem Lektor José Pinto Novais 1983 dazu verleitet worden, Saramago zu lesen. Ihm habe ich daher auch die 1992 veröffentlichte Studie zu diesem Roman gewidmet. Dieser sollten über die Jahre hinweg viele weitere folgen. 1996 hatte ich Gelegenheit, ein paar Tage mit José Saramago und seiner Frau Pilar del Río zu verbringen, als am 19.-20. September in Amherst (Massachusetts) das erste internationale Kolloquium zu Saramago stattfand und wir danach im Greyhound-Bus nach New York fuhren (siehe Cadernos de Lanzarote. Diário IV, Seite 221-23).
Seitdem sind wir sporadisch in Kontakt geblieben. Ich bin kein absoluter Saramago-Fan geworden, aber doch so weit vertraut, dass ich viele Vorurteile, die so leichtfertig über sein Werk und seine Person in den Medien und in der Blogsphäre verbreitet werden, nicht teilen kann. Ebensowenig kann ich mit der Heuchelei des Staatsbegräbnisses anfangen, bei dem Persönlichkeiten am Toten vorbei defilieren, die dem Lebenden nie die Hand gegeben hätten. An dieser Entwicklung ist Saramago selbst nicht ganz unschuldig, hat er sich doch immer dem Medienspektakel ausgesetzt.

Ein durchaus vieldeutiges, ja ambivalentes Porträt habe ich in "Zur Einführung - Augenblicke" in der zweiten Auflage meines Buches Saramago lesen (Berlin, Edition tranvía 2009) zu zeichnen versucht. Das Ganze soll eine Art Handbuch sein. Gegenüber der Erstausgabe 1998 wurde es stark aktualisiert und erweitert. Der 20-seitige biographische Abriss klingt dabei in denselben Worten Saramagos vom Oktober 2008 aus, mit denen ich diesen Blog-Text begonnen habe: "Meine Lebensuhr wäre fast stehen geblieben." Die Wirkung seines Werkes wird sicherlich nicht stehen bleiben.
Auf Englisch:
Homage to José Saramago, von Christoper Rollason
Sonntag, Juni 06, 2010
100 Jahre Malte Laurids Brigge
Berliner Zeitung
Im Scheinwerfer des Herzens
Vor hundert Jahren erschien Rilkes Epochenbuch "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge"
Bereits einen Monat zuvor erschienen:
Rilkes „Brigge“ wird 100
Das opus magnum des Wortmagiers zum Wiederlesen
Dorothee Arndt
© Die Berliner Literaturkritik, 30.04.10
Aber mich interessierte natürlich auch, ob sich jemand in Portugal daran erinnerte - und siehe da, in der portugiesischen Blogosphäre finde ich in Contra Mundum aus der Feder von H.G.Cancela Anmerkungen zu Os Cadernos de Malte Laurids Brigge vom 23.Mai 2010, die mit einem vergleichenden Lob enden und den Ort in der portugiesischen Leselandschaft markieren:
É um livro de formação, um livro do final da adolescência — já não o momento da descoberta, mas o da consciência dos limites da própria descoberta. Depois deste livro, textos como (por exemplo, e reportando-nos a uma obra com a qual partilha muitas afinidades) o Livro do Desassossego surgem de uma quase confrangedora banalidade. Espantoso exercício de afirmação de fé na escrita e nos seus limites, o romance de Rilke surge como instrumento senão de redenção, pelo menos de reconstrução da sua impossibilidade:
«Este jovem, este estrangeiro sem importância, este Brigge, terá de se sentar no seu quinto andar e escrever, dia e noite: sim, terá de escrever, e isso será o fim.»
Na tradução de Paulo Quintela, este é um dos mais importantes livros em língua portuguesa do século XX.
