Dienstag, Mai 24, 2016

Mestrado em Estudos Luso-Alemães / Deutsch-Portugiesische Studien (Master of Arts)

Es gibt ihn wieder!
Diesmal in Partnerschaft mit der Johann-Wolfgang-Goethe Universität in Frankfurt / Main.



Von 19. Mai bis 9. Juni läuft die zweite Bewerbungsphase an der Universidade do Minho.

Aus der Präsentation:

Este curso constitui uma oferta única no Espaço Europeu de Ensino Superior: uma formação pós-graduada bilingue na área de Estudos Luso-Alemães
O Curso de Mestrado de dois anos, com a atribuição de grau duplo, em parceria entre a Universidade do Minho (UMinho) e a Goethe-Universität de Frankfurt / Main (UFrankfurt) destina-se a candidatos graduados não só de Portugal e da Alemanha, Áustria e Suíça mas também oriundos de outros países europeus e não-europeus, nomeadamente do Brasil e dos PALOP, que, no âmbito de programas comunitários de desenvolvimento do intercâmbio dentro da União Europeia e com outros espaços geográficos, estejam interessados em obter uma sólida formação no domínio das relações luso-alemãs.

Weitere Informationen auf den Webseiten des ILCH und des DEGE der Universidade do Minho

Information im Master-Katalog der Johann-Wolfgang-Goethe Universität

Dienstag, Dezember 24, 2013

Weihnachtsstern

Heute sei an den vergessenen Wolf Bergmann (* 4. Februar 1904, Freiburg i. Br.) erinnert, dem 1941 die deutsche Staatsbürgerschaft entzogen wurde. 1937 wurde Madeira ein neues Zuhause, ab 1954 Lissabon bis zu seinem Tod am 7. Oktober 1972.




Madeira ist bekannt für die üppige Blüte der Weihnachtssterne. Daher zu Ort & Datum passend Bergmanns Gedicht «Strauch» (aus Atlantische Landschaften, 1951):

Der Strauch erfüllt mit roten Weihnachtssternen,
Mit sonnigstem Karmin sein Festgebot.
Jetzt kann er für sein Rotsein nichts mehr lernen,
Jetzt ist der Sternstrauch ungeduldig rot.

Sein Christfest ist ein purpurnes Sichfreuen
Und macht verlumpten Bettlern wieder Mut.
Er heißt die Reichen ihre Münzen streuen.
Die Scham des Sternstrauchs lodert voller Glut.

Mit zirpenden Gitarren kommen Bauern,
sie tänzeln täppisch an dem Strauch vorbei.
Die Meereswellen schauern, lauschen, lauern
Und warten auf des Sternstrauchs Herzensschrei.

Die Nacht ergrünt, zersplittert von Raketen,
Aus Kronen rieselt Silber auf die Stadt.
Da strahlt der Sternstrauch, um mitanzubeten,
Da blitzt rubinentrunken jedes Blatt.

Die Bauern zogen stadtwärts zum Altare,
Zum Kindchen in Brokat und Diamant.
Sie staunen über seine goldnen Haare,
Es donnert toll vor Freude der Atlant.



Zu Wolf Bergmann siehe den zweiteiligen Beitrag von Georg Laitenberger unter dem Titel "W.B. - Wahrhaftigkeit im Exil", veröffentlicht in der Luso-Hanseatischen Post 25 und 26 des Jahres 2004, anlässlich des 100. Geburtstags, der mit einer Matinee im Hirschparkhaus (Hamburg) gefeiert wurde.
Im Anhang des Programms der Gedenkfeier im Palácio Foz (Lissabon) die Chronik der Emigration 1932 bis 1954 von Charlotte Bergmann (geb. Manasse) in der portugiesischen Übersetzung von Bernardo Jerosch Herold und Clarisse Ferreira dos Santos.

Sonntag, November 10, 2013

Kuriose Verbindungen

«Warte Bursche, ich will dich schon kriegen!» – 
Man sagt, das Wort Bursche oder Bursch (pl. Burschen) leite sich von lateinisch bursa für ‚Beutel‘ ab, und bezeichnet ursprünglich allgemein eine finanzielle Gemeinschaft (man sagt ja auch Geldbörse). Daher verwendete man das Wort für Stipendiaten. Dieselbe Bedeutung liegt auch der Börse, der finanziellen Interessengemeinschaft, zugrunde.
Das ist interessant, wenn man an das Portugiesische denkt, denn auch hier bezeichnet man mit dem Wort bolsa nicht nur die Börse (Institution) und den Geldbeutel (synonym zu carteira und porta-moedas) sondern auch das Stipendium für den Studenten. Der Stipendiat heisst also bis auf den heutigen Tag o bolseiro, der somit – wer hätte es gedacht – entfernt mit dem deutschen Burschen verwandt ist.

Im 17.Jahrhundert wurde der Bursch(e) allgemeiner Ausdruck für einen Studenten, beinahe synonym. Während der Ausdruck Student (im Portugiesischen: estudante, aber man kann auch aluno sagen) mehr auf den Aspekt des Studierendens abhebt, drückt Bursch(e) eher die Lebensart der Studenten in ihrer Freizeit und die damit verbundene sehr spezielle Kultur aus. Als „echter Bursch“ galt nur, wer sich in den Sitten und Gebräuchen der Studenten auskannte.
Noch zu Beginn des 19.Jahrhunderts galt das Wort Burschenschaft für Studentenschaft, wie man aus Reden auf dem Wartburgfest 1817 ersehen kann.

In der Studentensprache des 19. Jahrhunderts wird der Begriff Bursche eingeengt auf eine Bezeichnung für ein Vollmitglied einer Studentenverbindung, der seine Probezeit als Fuchs bzw. Fux (im Portugiesischen entsprechend: caloiro) erfolgreich hinter sich gebracht hat. Dabei muss diese Studentenverbindung keine Burschenschaft im strengen Sinne sein, das heisst eine Organisation die den Werte und Grundsätze der Urburschenschaft von Jena (1815) folgt. 
Hier wird es schon schwierig, im Portugiesischen Vergleichbares zu finden, denn jede Universität hat hier eine einzige Associação Académica, in die sich die Studenten gleich nach der Immatrikulation einschreiben (nicht zwingend). Dadurch gewinnt sie Charakter und übernimmt Funktionen, die an deutschen Universitäten vom jeweiligen Studentenwerk erfüllt werden.

Die Rituale der Initiation in die universitäre Gemeinschaft werden in der sogenannten praxe (lat. praxis) vollzogen, veranstaltet von associações de praxe, die für jeden Studiengang und / oder Fakultät spezifisch sind, aber einem für die gesamte jeweilige Hochschule gültigen código de praxe gehorchen. Da diese Rituale auch im öffentlichen Raum ausserhalb des Campus vollzogen werden, sind sie weitaus präsenter und daher für deutsche Augen befremdlicher als diejenigen der Burschenschaften, die selten in die Öffentlichkeit treten und nur an deutschen Universitäten mit Traditionen des 19. Jahrhunderts durch die Vereinshäuser usw. mehr oder weniger auffallen.

Trotz dieser Unterschiede gibt es auch kuriose Verbindungen: zu nennen ist der sicherlich seltene Fall eines portugiesischen Studenten an der Universität Jena, der Anfang des 20. Jahrhunderts in die 1851 gegründete Burschenschaft Agronomia Jenensis aufgenommen wurde. 
Pedro de Queiroz Gaivão, aus einer alten Adelsfamilie Nordportugals stammend, hat sich dabei auch dem Ritus der Mensur unterworfen und es bis zum Schriftführer (!) gebracht.
Über seine Erfahrungen des studentischen Lebens von Damals legen seine auf Deutsch (!) geschriebenen Tagebücher beredtes Zeugnis ab. Sie waren Untersuchungsgegenstand einer der ersten Masterarbeiten des Studiengangs Deutsch-Portugiesische Studien / Estudos Luso-Alemães an der Universidade do Minho, ausgeführt von Paulo Miguel de Oliveira (Abschluss 2004). Daraus entstand eine spätere zweisprachige Publikation, finanziert von der C.M. Arcos de Valdevez, wo das Stammhaus der Familie steht.


Pedro de Queiroz Gaivão, Os diários alemães 1897-1904. Die deutschen Tagebücher. Zweisprachige Ausgabe von Paulo Miguel de Oliveira, Ed. Município Arcos de Valdevez 2006.

Eine erste kontextualisierende Vorstellung von Pedro de Queiroz Gaivão erfolgte 2001 im Rahmen der 6. Deutsch-Portugiesischen Arbeitsgespräche an der Universidade do Minho durch Prof. Armando B. Malheiro da Silva, der Nachlässe der Herrenhäuser (Casas Armoniadas) von Arcos de Valdevez aufarbeitete und dabei auf diese bildungsgeschichtlich interessante Dokumente stieß.


„Um estudante português no II Reich, 1897-1903. Apresentação de um Diário escrito em alemão”, Portugal – Alemanha – Brasil. Actas do VI Encontro Luso-Alemão / 6. Deutsch-Portugiesisches Arbeitsgespräch. (Eds.) Erwin Koller, Orlando Grossegesse, Mário Matos und Armando Malheiro da Silva, Braga : CEHUM (Col. Hespérides 14), vol. I.

Donnerstag, August 22, 2013

Gastarbeiter beim deutschen Film mit Folgen: Arthur Duarte

Der Schauspieler und Regisseur Arthur Duarte (Pseudonym von Arthur de Jesus Pinto Pacheco, 1895-1982) ist heutzutage nahezu vergessen – in Deutschland und Österreich, wo er von 1927-33 in über 40 Spielfilmen meist in Nebenrollen mitwirkte. In Portugal, wo er von 1938-77 fünfzehn Spielfilme drehte (daneben auch in Frankreich und Spanien) zählt er zu den Repräsentanten der sogenannten ‚Anos de Ouro‘ des portugiesischen Kinos der späten Dreißiger und Vierziger Jahre. Trotzdem ist der deutschsprachige Wikipedia-Eintrag weitaus kompletter als der portugiesische (dank der Hauptquelle Murtinheira / Metzeltin, 2010: 46-59).

Aus seinem Lebenslauf: nach zwei Jahren in Paris in ersten Nebenrollen (u.a. 1923 in O Primo Basílio von Georges Pallu) ging Duarte 1927 nach Berlin und wurde von der Ufa unter Vertrag genommen. Ein Einzelfall? Er mimte z.B. einen Strafgefangenen in Geschlecht in Fesseln von 1928, oder wirkte im berühmten Halbweltepos Asphalt von 1929 mit. Koinzidierend mit der Krise des Stummfilms, unter der auch seine Schauspielerei leidet (jetzt muss er wirklich gut Deutsch lernen! daher zunehmend Regieassistenz) kommt ihm eine wichtige transnationale Mittlerfunktion im Filmschaffen der Dreißiger Jahre zu. So empfängt er 1929 auch den Filmkritiker und -regisseur António Lopes Ribeiro (von Moskau her kommend, wo er u.a. Dziga Vertov kennengelernt hatte) in seiner Wahlheimat und führt ihn in die Studios der Ufa ein.


[Quelle: filmportal.de]

Im selben Jahr sollte Lopes Ribeiro eingeladen werden, bei der Komödie Fräulein Lausbub [unter dem portugiesischen Titel A Menina Endiabrada] (Regie Erich Schönfelder) die Dreharbeiten in Lissabon zu leiten. Die aus Polen stammende Dina Gralla spielt als Daisy die Hauptrolle (siehe Foto). Auch hier ist Arthur Duarte mit von der Partie in der Rolle des Rittmeisters Frank Neuhaus, begleitet von einem Stallbub Bob, gespielt von Max Nosseck. Diesen Namen des 1902 geborenen Schauspielers und Regisseurs wird man sich merken müssen, da er für die vielleicht wichtigste deutsch-portugiesischen Produktion der Dreißiger Jahre von zentraler Bedeutung ist: es handelt sich um den Film Gado Bravo (1933-34), der einen eigenen Blog-Eintrag verdient. Er ist sozusagen die Frucht, die durch Duartes Mittlerrolle und António Lopes Ribeiros ‚deutsche Lehrzeit‘ von 1929 vorbereitet wurde, koinzidierend mit dem beginnenden Exodus von Filmschaffenden aus dem Deutschen Reich Adolf Hitlers.

Arthur Duarte selbst sollte Jahrzehnte später 1971 in der Fernsehadaptierung Die Nacht von Lissabon nach dem berühmten gleichnamigen Roman Erich Maria Remarques von 1963 mitwirken.

Murtinheira, Alcides / Metzeltin, Igor (2010), Geschichte des portugiesischen Kinos. Wien, Praesens Verlag. 

Mittwoch, August 21, 2013

Spezialisten am Werk: Willy (oder Isy) Goldberger

«Auf Wiedersehen, ich habe keine Zeit zu verlieren, es ist schon ziemlich spät. – Es ist Punkt Mitternacht. Machen Sie bitte das Licht aus».

Das sind die einzigen deutschen Sätze, die im Werk von José Saramago erscheinen, begleitet von einer (zweifelhaften) phonetischen Transkription und Übersetzung, denn – wie es weiter heisst: „wir befinden uns erst am Anfang der Lehrzeit“ [ainda estamos na primeira aprendizagem]. Fragt sich, worauf sich diese Lehre bezieht, denn wir befinden uns im Dialog zwischen dem portugiesischen Filmregisseur António Lopes Ribeiro (1908-95) und einem ungenannten deutschen leitenden Kameramann oder „diretor de fotografia“. Es geht um die Dreharbeiten für den Propagandafilm A Revolução de Maio in den Straßen von Lissabon, die ausführlich in der zeitgenössischen Presse kommentiert werden.

Dabei erscheint der Deutsche, wie so oft in Saramagos Romanwerk seit Levantado do Chão (dt. unter dem Titel Hoffnung im Alentejo) in der Rolle des spezialisierten ‚Handlagers‘, der durch sein Tun und Wissen Portugal unterstützt, sei es Kreuzritter Heinrich aus Bonn bei der Belagerung von Lissabon, sei es der schwäbische Architekt Johann Friedrich Ludwig beim Bau des Klosters von Mafra. In wie weit wir hier Saramago ein spezifisches Bewußtsein zuschreiben können, versuchte Grossegesse (1995) zu zeigen. Dabei hat er allerdings den ungenannten Kameramanns in O ano da morte de Ricardo Reis zu erwähnen vergessen (1). Wird in den zitierten Sätzen die sprichwörtliche deutsche Zeit- und Lichtökonomie ironisch wachgerufen?

Wußte Saramago, dass es sich bei dem „diretor de fotografia“ um Willy Goldberger (oder nach anderen Angaben um den älteren Bruder Isy) handelte? – einem der so vielen Spezialisten mit jüdischem Stammbaum der deutschen Filmindustrie, die nach Hitlers Machtergreifung in die Emigration gezwungen wurden und sich in den Dienst der Filmindustrie anderer Länder stellten, ohne viele Fragen über das Regime der Gastgeber zu stellen. Dies wird mit seiner Leitung der Dreharbeiten zu dem Propagandafilm deutlich, der 1936 die zehn Jahre der ‚Nationalen Revolution‘ von 1926 feiern sollte, aber erst im Jahr darauf im Beisein Salazars im Tivoli feierlich der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Goldberger erhielt die Gratulationen Salazars und des ‚Propagandaministers‘ António Ferro, der unter Pseudonym am Drehbuch mitschrieb. Kurioserweise ist A Revolução de Maio der einzige Spielfilm (ohne Publikuserfolg), in dem Salazar selbst auftritt, dank der Inkorporierung von Dokumentarfilm-Material (insgesamt 14 Streifen), in diesem Falle einer Ansprache des Diktators vom Balkon des heutigen Museu Nogueira da Silva in der Avenida Central von Braga, damals so etwas wie eine ‚Hauptstadt der Bewegung‘ für das Regime.



In der Filmographie des erfahrenen Willy Goldberger (* 1898, Berlin), der von 1915 bis 1933 an die hundert (!) Spielfilme drehte und später die spanische Identität von Guillermo Goldberger annahm (2), erscheint A Revolução de Maio nicht, wohl aber 1938 A canção da terra, Os Fidalgos da Casa Mourisca und A rosa do Adro sowie 1939 Feitiço do império, ein weiterer aufwändiger Propagandafilm des Estado Novo wiederum unter der Regie von Lopes Ribeiro, der zuweilen (wenig schmeichelhaft...) ‚cineasta do regime‘ genannt wurde.
Warum es Willy Goldberger nach dem Sieg Francos im Bürgerkrieg vorzog, in den 40er und 50er Jahren in Spanien weiter zu arbeiten (Filmographie von über 20 Titeln) mag dahingestellt bleiben. Sein genaues Todesdatum ist unbekannt; er verschwindet 1970 im Madrider Melderegister; die Filmographie führt Goodbye Sevilla von 1955 als seine letzte Arbeit (zusammen mit seinem ebenfalls emigrierten, um sechs Jahre älteren Bruder Isidoro bzw. Isy Goldberger), vierzig Jahre nach seinem Debut mit dem Stummfilm Seifenblasen.

Das Schicksal der Brüder Goldberger steht stellvertretend für so viele der aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden (siehe Weniger, 2011). Einige davon kamen mit portugiesischen Regisseuren wie zum Beispiel António Lopes Ribeiro in Kontakt und trugen damit zur Filmgeschichte Portugals bei. Diese Kooperation und Wissenstransfer bleibt zumeist vergessen oder lediglich Randerscheinung (siehe Costa, 1991). Erst im Buch von Murtinheira / Metzeltin (2010) erfährt sie eine erste Würdigung. Dabei gibt es Vorgeschichten dieser deutsch-portugiesischen Beziehungen – vor 1933 – , denen wir weitere Einträge widmen werden, beginnend bei der ‚deutschen Lehrzeit‘ von António Lopes Ribeiro, der 1936 sehr wohl mehr verstand (und sprach) als «Machen Sie bitte das Licht aus».

(1)   Lisboa, Caminho 1984, 368-69. Inzwischen ist Grossegesses Studie über die „memória cinematográfica“ in O ano da morte de Ricardo Reis (ausgehend von einer produktiven Rezeption von Mann / Visconti) erschienen. Sie geht zurück auf ein Seminar an der USP in São Paulo (22. August 2011).
(2)   Für das spanische Publikum drehte Goldberger vorwiegend schwülstige Melodramen und sentimentale Liebesgeschichten, aber auch einige wenige Komödien, sozial engagierte und patriotisch-militärische Stoffe.” (Weniger, 2011: 202)


Bibliographie

Costa, João Bénard da (1991), Histórias do Cinema. Lisboa, Imprensa Nacional – Casa da Moeda.

Grossegesse, Orlando (1995), “Das Deutsche und das Europäische im Werk José Saramagos”. In: Portugal und Deutschland auf dem Weg nach Europa, (orgs.) Marília dos Santos Lopes, Ulrich Knefelkamp e Peter Hanenberg. Pfaffenweiler, Centaurus, 221-231.

MurtinheiraAlcides / MetzeltinIgor (2010), Geschichte des portugiesischen KinosWien, Praesens Verlag.

Weniger, Kay (2011), Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben … Lexikon der aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945. Eine Gesamtübersicht. Hamburg, Acabus.


Samstag, August 03, 2013

Eis o Mar Wadden... Schaut her hier ist das Wattenmeer

Das Wattenmeer an der Nordsee ist immer noch eine touristische Entdeckung für die Touristen aus dem Süden. Dass es ungekannte weite Flachlandschaften im Norden Deutschlands gibt, das kann immer noch eine Überraschung sein. Zumindest das suggeriert das von Ljubomir Stanisic / Mónica Franco geführte Reiselogbuch (unter der Rubrik logout in Expresso Revista vom 27. Juli 2013): diesmal landen sie mit ihrer carripana in der Gegend um Husum.
Es gibt Stille und Schafe, was die etwas dümmlich-oberflächliche Anspielung auf den Film O Silêncio dos Cordeiros im Titel des Artikels motiviert.

Der Begriff

Mar de Baixio ist die geläufigste Übersetzung von Wattenmeer, obgleich man sie bislang nicht in der portugiesischsprachigen Wikipedia findet (der Suchmotor schlägt alternativ Mar de Paixão vor), allerdings sehr wohl auf zahlreichen Tourismus-Seiten wie zum Beispiel diese des Bundesministeriums.

Dass dieser Konsens noch keineswegs konsolidiert ist, zeigt in besagtem Artikel der Satz, der den deutschen Begriff, den Lehnbegriff aus dem Englischen und erst an dritter Stelle die genannte Übersetzung anbietet:

"Estávamos perante o Wattenmeer ou Mar Wadden ou Mar de Baixio, (...). Uma paisagem que se estende por dez mil quilómetros quadrados e muda drasticamente duas vezes por dia. (...) É mágico."

Mar Wadden ist die direkte Übersetzung von Wadden Sea (seinerseits aus dem Niederländischen Waddenzee). Die portugiesische Wikipedia bevorzugt den Begriff Mar Frísio (alternativ mar de Wadden, als ob es ein Eigenname wäre). Der deutschsprachige Mutterartikel Watt (Küste), der von einer grundlegenden Definition ausgeht ("Als Watt bezeichnet man Flächen in der Gezeitenzone der Küsten, die bei Niedrigwasser trocken fallen") führt auf der portugiesisichen Seite zu dem Eintrag Zona entremarés ou região entremarés - bislang eine terminologische Sackgasse, auch wenn Wikipedia meinen Vorschlag, doch mar de baixio an erste Stelle der Synonymenliste zu setzen von gestern auf heute flugs akzeptiert hat.

Terminologisch wird nicht die Verbindung gezogen zwischen allgemeinem Naturphänomen, das sich an verschiedenen Stellen des Erdballs findet, und spezifischer Natur- und Kulturlandschaft an der Nordsee, die im hochdeutschen Wikipedia-Eintrag nur natürlich ist. Dabei müsste man bloss erklären, dass watt auf niederdeutsch seicht bedeutet oder gar den plattdüütschen Eintrag zu Watt aufsuchen: "Watt is de siede Meerbodden an de Küst, de bi Ebb kilometerwiet dröög, bi uplopen Water aver von schetteriggraue Floot vüllig överdeckt is". Da staunste nu, wat?


Nordfriesen

Seicht dümpelt der Expresso-Artikel weiter, als sich Ljubomir Stanisic & Mónica Franco dem Stadtkern von Husum nähern, genial definiert als "o coração da cidade, a praça onde todas as ruas começam e acabam" sowie als "lugar certo para apreciar a Alemanha por dentro" - eine Verallgemeinerung, die sich wohl nur Touristen erlauben können, ebenso wie eine Suche nach der Essenz, nach dem deutschen Herzen. Dazu passt die Fortsetzung "E digamos que a Alemanha é bastante orgânica...". Es folgt ein Lob auf das farbenprächtige frische Gemüse und auf die hauseigene Schlächterei (Familienbetrieb), um in einem Rundumschlag den Schluss zu ziehen:

"In Husum haben wir pro Quadratmeter mehr nette Deutsche kennengelernt als in ganz Deutschland"
[Em Husum conhecemos mais alemães simpáticos por metro quadrado do que em toda a Alemanha]

Was auf den ersten Blick als Kompliment erscheint, entpuppt sich als (wohl witzig gemeinte) Bestätigung des Klischees vom ungehobelten Deutschen, der nicht nett und herzlich sein kann so wie unsere lieben Südländer. Die Nordfriesen an diesem tiefen Rand, die nicht mit den Deutschen in einen Topf geworfen werden wollen (schon gar nicht mit den deutschen Touristen / aber auch nicht mit den Ostfriesen!), freut das aber sicher. Mal sehen, was die nächsten Kilometer bringen...

Samstag, Februar 02, 2013

Spätsommerkurs Portugiesisch 2013 mit Zusatzprogramm


Die portugiesischen Universitäten bieten ihre Sommerkurse Portugiesisch als Fremdsprache meistens im Juli an. Das ist für Studenten an deutschen, österreichischen oder schweizer Hochschulen eine sehr ungünstige Zeit, weil sie zumindest teilweise ins Sommersemester oder in Examenszeiten fällt. Dem will das Sprachenzentrum BabeliUM der Universidade do Minho (Braga / Guimarães) abhelfen durch ein speziell auf dieses Zielpublikum ausgerichtetes Angebot.

26. August bis 14. September 2013

Dabei wird nicht nur ein normaler ‚Ferienkurs‘ Portugiesisch für Anfänger (A1) und fortgeschrittene Anfänger (A1+/A2) im Umfang von 70 Stunden (+ 4 Stunden Abschlussprüfung) mit landeskundlichen Exkursionen geboten, sondern auch ein spezifisches 

Zusatzprogramm zu deutsch-portugiesischen Beziehungen 

(auf deutsch + portugiesische Ausdrücke) in drei Modulen zu jeweils 4 Stunden:

(Modul 1) Portugalbilder in der deutschsprachigen Reiseliteratur und umgekehrt
(Prof. Mário Matos)

(Modul 2) Sprachkontakt portugiesisch / deutsch im Zeichen der Migrationsgesellschaft
(Prof. Cristina Flores)

(Modul 3) Konstruktionen nationaler Identität im Vergleich und historische Wechselbeziehungen
(Prof. Orlando Grossegesse

Weitere Informationen unter



Wenn Sie Interesse an diesem Spätsommerkurs haben, dann schreiben Sie bis spätestens  29. 
Juli 2013 eine Nachricht an dirbabelium@ilch.uminho.pt. Umgehend bestätigen wir Ihnen 
Ihre Anmeldung und teilen Ihnen die Daten für die Überweisung der Kursgebühr mit, die dann bis 
zum 31. Juli 2013 erfolgen sollte.

Samstag, Juli 07, 2012

Spätsommerkurs Portugiesisch

Die portugiesischen Universitäten bieten ihre Sommerkurse Portugiesisch als Fremdsprache meistens im Juli an. Das ist für Studenten an deutschen, österreichischen oder schweizer Hochschulen eine sehr ungünstige Zeit, weil sie zumindest teilweise ins Sommersemester oder in Examenszeiten fällt. Dem will das Sprachenzentrum BabeliUM der Universidade do Minho (Braga / Guimarães) abhelfen durch ein speziell auf dieses Zielpublikum ausgerichtetes Angebot.

27. August bis 15. September 2012

Dabei wird nicht nur ein normaler ‚Ferienkurs‘ Portugiesisch für Anfänger (A1) und fortgeschrittene Anfänger (A1+/A2) im Umfang von 70 Stunden (+ 4 Stunden Abschlussprüfung) mit landeskundlichen Exkursionen geboten, sondern auch ein spezifisches Zusatzprogramm zu deutsch-portugiesischen Beziehungen (auf deutsch + portugiesische Ausdrücke) in drei Modulen zu jeweils 4 Stunden:

(Modul 1) Konstruktionen nationaler Identität im Vergleich und historische Wechselbeziehungen
(Prof. Orlando Grossegesse)

(Modul 2) Portugalbilder in der deutschsprachigen Reiseliteratur und umgekehrt
(Prof. Mário Matos)

(Modul 3) Sprachkontakt portugiesisch / deutsch im Zeichen der Migrationsgesellschaft
(Prof. Cristina Flores)

Weitere Informationen unter

Wenn Sie Interesse an diesem Spätsommerkurs haben, dann schreiben Sie bis spätestens 20. Juli 2012 eine Nachricht an dirbabelium@ilch.uminho.pt.

Else Althausse - Linda-a-Pastora (2)

Erst durch Nachforschungen zu Hein Semke bin ich auf die Malerin Else Althausse (* 1898) gestossen, die bereits 1924 nach Linda-a-Pastora gekommen war und - noch ganz dem Jugendstil verpflichtet mit einem Hang zum Orientalischen und Kindlich-Naiven - als Illustratorin für die Zeitschrift ABC arbeitete.

Von ihrem Mann, Henrique Delgado Westenfeld (portugiesische Mutter / deutscher Vater) stammt eine dichte, eindringliche Beschreibung jener kulturellen Szene an der Peripherie, in der Deutsche, Portugiesen und Künstler anderer Herkunft aufeinander trafen.

Else Althausse Westenfeld starb bereits am 24. 2. 1936.

Hein Semke - von Hamburg nach Linda-a-Pastora

Am 25. Juni 1899 wurde Hein Semke in Hamburg geboren.
1929 kam er zum ersten Mal nach Lissabon. Ab 1932 liess er sich in einem damals kleinen und fast idyllischen Vorort der Metropole, Linda-a-Pastora, zwischen Queijas und Dafundo nieder, der als der Ort des portugiesischen Dichters Cesário Verde bekannt geworden ist.

Hingegen weitgehend vergessen ist, dass es dort zwischen 1924 und 1944 einen schillernden kulturellen, künstlerischen und literarischen Begegnungsort gab, in dem Semke ab 1932 neue Lebens- und Schaffenskraft fand nach seelischen und köperlichen Krisen.

Im Artikel des Lissaboner Fliesenmuseum (Museu Nacional de Azulejos) heisst es über das Haus von Hein Semke:

Esta casa de Linda-a-Pastora foi centro de convívio de intelectuais e artistas (nos anos 30: Almada Negreiros, Sarah Afonso, Mário Eloy, Luís de Montalvor, Carlos Parreira, João Gaspar Simões, Manuel da Silveira, António Varela, Jorge Segurado, Diogo de Macedo, o Dr. Oliveira Martins (médico dos artistas), Abel Manta e família, António Ferro, Maria Helena Vieira da Silva e Arpad Szènes; nos anos 40: Carlos Queiroz, Bernardo Marques, o casal Cunha Leão, Vitor Falcão, José Osório de Oliveira, Manuel Valadares, Manuel Mendes, Mário Chicó, Dário Mendes e Aquilino Ribeiro - companheiros do café a "Brasileira do Chiado").

Eine Bronzeskulptur von 1934 namens «Schmerz» (A dor) findet sich im Garten der Gulbenkian Stiftung:


Was den Kulturellen Verein der Deutschen Botschaft betrifft, kam es jedoch bald nach 1933 zu einem immer deutlicheren Bruch: 1935 wurden Semkes Skulpturen als “entartet” verfemt und das Mahnmal «Kameradschaft des Untergangs» durch NS-Anhänger der deutschen Kolonie zerstört.

Hierzu der (immer wieder) lesenswerte illustrierte Beitrag 

«Der Streit um die Skulpturen Hein Semkes im Ehrenhof der deutschen evangelischen Kirche in Lissabon»
von Christiane Tichy in der Portugal-Post (28 / 2004) der Portugiesisch-Hanseatischen Gesellschaft.

1936 nahm Semke am spanischen Bürgerkrieg teil.

1937 nach Linda-a-Pastora zurückgekehrt und bald in den 40er Jahren nach Lissabon umgezogen (Atelier und Wohnung), arbeitete er als Bildhauer, Keramiker, Maler.


1940 gehörte er zu denjenigen, die die Exposição do Mundo Português unter der Leitung von António Ferro mitgestalteten.

Zunehmend entfaltete er sich auch als Lyriker und Künstlerbuchgestalter. Die Identität des Dichters thematisiert die folgende Keramik von 1949, die an den Stil von José Régios Selbstillustrationen gemahnt:



Hein Semke war in zahlreichen Ausstellungen, hauptsächlich in Portugal vertreten. Seine wichtigsten Arbeiten in Lissabon sind im Garten der Gulbenkian-Stiftung, der deutschen evangelischen Kirche, Hotel Ritz, Rektorat der Klassischen Universität u.a..

Weitere Einzelheiten im Beitrag von Paulo Henriques (2005) [Museu do Chiado]

Semkes unschätzbaren Beitrags zur portugiesischen Kunst soll aus Anlass der Wiederkehr seines Geburtstags - auch wenn er in kein 'rundes' Jahr fällt - hiermit gedacht werden [dieser Blog-Eintrag ist die spätere Erweiterung eines ursprünglich spontanen Facebook-Eintrags in DEGE].

Sonntag, März 04, 2012

Mehr Licht (1985)


The title of this work, which translates as ‘more light’, is taken
from Goethe’s dying words. It belongs to a series of collages made between 1981
and 1986, which Julião Sarmento (* 1948) assembled from disparate painted and drawn fragments.
Here he uses both invented imagery and photographs, many of which derive from
blurred photographs he found in newspapers. Characteristically, Sarmento intends
the main image to be ambivalent. ‘A man holding a woman’s neck can be anything’,
he has said. ‘It can be a tender gesture. It can be a violent gesture.’

Mittwoch, März 23, 2011

Der Schosshund

Bereits 2009 war die Rede von Durão Barroso als der Schosshund («caniche») von Angela Merkel, als es um seine Wiederwahl als Präsident der Europäischen Gemeinschaft ging. Ein Hetzartikel gegen Durão Barroso von Wolfgang Münchau, dem in der portugiesischen Kommentierung chauvinistische und eurozentristische Motivationen unterstellt wurden, war der Ausgangspunkt. Dieses Bild verfolgt Durão Barroso bis heute, wie ein Kommentar vom Januar 2011 beweist: «Durão Barroso wurde schon Schosshund der deutschen Kanzlerin genannt, aber heute ist er ein harter Knochen» (Jornal de Negócios). Der harte Durão hat die Identität des braven Hündchens an Sócrates abgegeben - wobei «das Frauchen» gleich bleibt. Nach PEC IV wird die Identifikation von Sócrates als Angela Merkels Schosshündchen immer populärer. Das Diário Económico vom 21. März 2011 illustriert die CGTP-Grossdemo vom Samstag, den 19.März, mit Arbeiterinnen, die ein Schild hochhalten, auf dem Sócrates nicht ein Wolf im Schafspelz sondern im Hundefell ist und sich in die Arme von Angela Merkel kuschelt: «O mentiroso caniche da Srª. Merkel. O Governo ao serviço do imperialismo alemão». Lügenhaftigkeit und Unterwürfigkeit auf der einen Seite, das Gespenst eines (Wirschafts-)Imperialismus auf der anderen Seite - das ist ein Klischee-Repertorium, das schon in der vielzitierten Krise von 1890 gut funktionierte - damals war Grossbritannien in der Machtrolle.

Samstag, März 05, 2011

Vom «Ultimatum Britânico» zum «Deutschen Ultimatum»

Als am Morgen des 11. Januar 1890 das «Britische Ultimatum» erfolgte, berief sich die portugiesische Regierung auf vier Jahrhunderte Entdeckungsgeschichte, auf manuelinische «padrões» an Afrikas Küsten - um so den Opferdiskurs zu inszenieren und den Aufstand des Volkes auf eine patriotische Bewegung einzudämmen. 120 Jahre später spricht Sócrates in Berlin von acht Jahrhunderten der Geschichte Portugals:

o meu país tem oito séculos de história, não é subserviente com ninguém, a não ser com o seu povo e com o que o povo tem a dizer.

Sócrates als «erster Diener im Staat» ganz in der Tradition des aufgeklärten Absolutismus (pardon: des demokratischen Republikanismus).
Wen wunderts da, wenn das Editorial des Diário Económico vom 3.März 2011 unter dem Titel Merkel deve passar das palavras aos actos tönt:

Portugal está a fazer o seu trabalho - "bem" segundo a chanceler. É preciso que a Alemanha também faça o seu.

Dies ist also der richtige Moment für eine Ode à Alemanha, wie damals der Ode à Inglaterra. Sócrates weiss, dass er auf dieses tapfere Volk zählen kann, das sich von ihm an der Nase herumführen lässt, solange er das patriotische Lied flötet.

Samstag, Januar 08, 2011

Sabão alemão / Sabão Offenbach - Zur Geschichte der Seife in Portugal (2)


Bis heute hat sich die Bezeichnung «Sabão Alemão» oder «Sabão Offenbach» für traditionell hergestellte Seife erhalten - zumindest unter der älteren Generation. Weniger bekannt ist, woher dieser Name kommt. Nicht etwa Jacques Offenbach, der Komponist von Operetten, die auch in Lissabon populär wurden, hat damit zu tun, sondern die Stadt Offenbach, aus der die Seifen Mitte des 19. Jahrhunderts in ganz Europa exportiert wurden - so auch nach Portugal. Es handelt sich konkret um die von Johann Martin Kappus 1848 gegründete «Feinseifen- und Parfümeriefabrik Kappus», die noch bis heute als Familienbetrieb in der fünften Generation existiert.

Laut der portugiesischen Wikipedia wird «Sabão Offenbach» seit 1850 in Portugal produziert. Der Artikel definiert sie als «sabão português» national. Dort gibt es keine Erklärung des Namens. Bleibt zu klären, wo die erste Seifensiederei in Portugal eingerichtet wurde und wie der Wissenstransfer von Offenbach so rasch nach Portugal zustande kam.

In die Irre führt die synonyme Behandlung von «Sabão Macaco» in der englischsprachigen Wikipedia, da dies auf eine spätere Einführung der «monkey soap» zurückgeht. Diese wurde erst 1899 in den USA und England auf den Markt gebracht und erschien (wann?) in Portugal unter anderem als «Sabão Tarzam», wie Ana Marques Pereira (2010) in einem illustrativen Beitrag ihres Blogs Garfadas on-line nachweist.

Dieser Verwirrung ist es auch zu verdanken, dass die Firma Serrote im April 2013 die limitierte Auflage eines Notizheftes in Retro-Branding Caderno Azul & Branco OFFENBACH - MACACO produzierte. Kurioserweise gibt es eine partielle Homophonie der deutschen Wörter: Offenb... - Affe (Pl.: Affen).


Kehren wir zurück zur echten «Sabão Offenbach»: Wer hat sie 1850 in Portugal eingeführt? Soviel steht fest: Im Jahre 1894 wurde von Rosalvo da Silva Almeida und Manuel dos Santos Pereira in Braga eine Siederei gegründet, die sich auf die Produktion von "sabão do tipo offenbach" spezialisierte. Sie sollte zum Massenprodukt des Betriebes werden, der unter dem Namen Confiança nationale und sogar internationale Bekanntheit erlangte.
Auf glorreiche Zeiten der Expansion, als Confiança ganz Portugal und seine damaligen Kolonien belieferte und 1928 die Produktpalette auf 150 parfümierte Seifen, Puder, Cremes, Lotionen usw. erweiterte, folgte nach dem letzten Modernisierungsschub der Achtziger des 20. Jahrhunderts der Niedergang des Betriebes und die Einstellung im Jahre 2005.

Die Marke Confiança wurde 2009 vom ehemaligen Konkurrenten Ach Brito aufgekauft, der kurioserweise auch deutsch-portugiesische Verbindungen in seiner  Entstehung aufweist, wie wir dies bereits im 1. Kapitel «Zur Geschichte der Seife in Portugal» ausgeführt haben.
Offenbach rosa und Offenbach azul finden sich weiterhin in der Produktpalette des Konzerns. Und Aquiles Brito tritt allen Besorgnissen entgegen, das gute Stück Seife könnte verschwinden:
“(...) o produto estrela, o que lhe traz mais vendas, é o Sabão Offenbach, cor rosa para as vendas a norte e azul para as vendas a sul. Não tenho qualquer explicação do porquê, o mercado é mesmo assim” (Aquiles Brito in Luísa Pinto, 2016)

(Beitrag aktualisiert nach der Lektüre des Artikels von Luísa Pinto (2016), "O que a alfazema e o sabão têm a ver com isto?", Público, 05.03.2016)

Freitag, Dezember 17, 2010

1939 deutsches Fernsehen in Rio de Janeiro

Hierzulande wenig bekannt ist die Rolle des Fernsehens in der Auslandspropaganda des NS-Regimes nach der Fernsehübertragung der Olympischen Spiele von 1936 in Berlin, was als erstes Public Viewing Event bezeichnet werden kann (Joseph Hoppe), obwohl die Bild- und Tonqualität natürlich sehr bescheiden war.

Nachdem das von Hans Pressler (Direktor der Forschungsstelle der Reichspost) geleitete deutsche Team in Buenos Aires beim Weltposttag den Telefunken-Empfänger FE 7 vorgeführt hatte, gab es am 2. Juni 1939 zum ersten Mal in Brasilien einen experimentellen Fernsehbetrieb, der am folgenden Tag dem Präsidenten Getúlio Vargas und einer Reihe von Ministern präsentiert wurde. Bestandteil war die Direktübertragung einer Musikveranstaltung, u.a. mit dem Duo Preto e Branco, Herivelto Martins und Nino Chagas, zusammen mit der Solistin Dalva de Oliveira (Bild) - so eine SchwarzWeiss-Mischung hatte sicher nicht Hitlers Segen.

Am Sonntagnachmittag des 4.Juni und für die Dauer von zwei Wochen konnten dann die Bürger Rio de Janeiros auf der Funkausstellung erstmals die Flimmerkiste kennen lernen. Damals ahnte man noch nicht, dass es das brasilianische Medium der Telenovela werden sollte.

Angesichts dieser Fakten stellt sich die Frage, wie das Fernsehen in Portugal eingeführt wurde. Gab es auch hier eine Propaganda-Mission aus dem Deutschen Reich?

Áureo Busetto, "Em busca da caixa mágica: o Estado Novo e a televisão", Revista Brasileira História, vol. 27 (2007), nº 54, Associação Nacional de História: São Paulo, S. 177-196

António Sérgio Ribeiro, "As primeiras exibições da televisão no Brasil", Assembleia legislativa do Estado de São Paulo (ALESP), 17.09.2010

Samstag, Dezember 11, 2010

Nach Einführung des Honorarkonsuls in Porto: Botschafter besucht die Universidade do Minho

Im Post vom 21. Juni 2010 hatten wir die Schliessung des Generalkonsulats Porto bedauert. Mit einem Empfang am 28. Oktober 2010 führte Botschafter Helmut Elfenkämper den Honorarkonsul in Porto, Christian Carlos Bothmann, ein, der seit November seine Arbeit aufgenommen hat.

Am darauf folgenden 29. Oktober stattete Botschafter Elfenkämper zusammen mit dem ersten Sekretär Manfred Schüler der Universidade do Minho einen offiziellen Besuch ab.
Den Nachmittag füllte eine Rundreise zu verschiedenen Forschungszentren, die internationales Ansehen geniessen, angefangen mit der Gruppe 3 Bs (Biomateriais, Biodegradáveis, Biomiméticos) im Ave Park, danach im Campus de Azurém (Guimarães) die Abteilung für Robotforschung (Prof. Wolfram Erlhagen), das Zentrum für Computergraphik (CCG), das mit der TU Darmstadt in enger Partnerschaft steht, und abschliessend das Forschungszentrum für die Entwicklung von Kunststoffen (Polymerchemie - PIEP).
In Braga folgte nach einem kurzen Gespräch mit dem Rektor, Prof. António Cunha, am Abend der Festakt zum 20jährigen Bestehen der Germanistik an der Universidade do Minho (in memoriam Prof. Erwin Koller). Nach dem Abendessen rundete ein Liederabend mit Schuberts Winterreise den Besuch des Botschafters ab.

Alface ist nicht nur Kopfsalat... Zur Geschichte der Seife in Portugal (1)

In der deutschen Frauenzeitschrift Myself vom August 2010 heisst es: "Die Mandelöl-Seife Alface kommt aus der ältesten Seifenmanufaktur Portugals und macht die Haut samtweich". Vielleicht müsste es korrekterweise 'salatblattweich' heissen, aber das klingt ungewohnt in deutscher Werbesprache.

Was auch verborgen bleibt unter der fernen Herkunft aus Portugal ist der deutsche Ursprung des Unternehmens im Jahre 1887 durch Ferdinand Claus und Georg Philipp Schweder, die nach Porto auswanderten und dort die Fábrica de Productos Chimicos gründeten. Durch ihre Produktpalette von parfumierten Seifen mit kosmopolitischen Design konnten sie rasch expandieren gegenüber Produkten, die eher nutzorientiert waren. Ein besonderer Erfolg war auch das sogenannte «Papel Oriental». Krankheitsbedingt musste sich Georg Schweder 1903 zurückziehen. Für ihn kam der portugiesische Teilhaber Achilles de Brito in den Betrieb. Der diplomierte Chemiker Willy Thessen übernahm die technische Leitung.

Infolge der Konfrontation von Portugal und dem Deutschen Reich im Ersten Weltkrieg musste der deutsche Unternehmer Ferdinand Claus 1914 Portugal verlassen. Der Betrieb wurde vorübergehend geschlossen. 1918 wurde er von Achilles de Brito weitergeführt und in die Fabrica Ach.Brito & Cia. transformiert. Dabei wurde die eingeführte Marke Claus Porto beibehalten.





Im Estado Novo war Ach.Brito ein beliebter Vorzeigebetrieb auf Ausstellungen (1968: offizieller Besuch des Staatspräsidenten Admiral Américo Thomaz). Nach Jahren des Niedergangs und der Schwierigkeiten hat sich der Familienbetrieb seit der 'Rettung' 1994 durch den amerikanischen Konzern Lafco NY im Segment Luxusparfümerie international etabliert.



Somit lebt die Marke Claus Porto als portugiesische bis heute fort und kam somit u.a. auf die Seite von Myself. Die Firmengeschichte, die seit Oktober 2010 im Site nachlesbar ist, deckt jedem Neugierigen die deutschen Wurzeln auf. *
Kurios eine weitere deutsche Intervention in der Unternehmensgeschichte: Heinrich Gleiser arbeitete als 4-Meter-hohe Attraktion für Ach.Brito auf der 1. Kolonialausstellung Portugals im Jahre 1934.




* Siehe ausserdem den Beitrag von Paulo Heitlinger: "O renascer do sabonete vintage em Portugal", Cadernos de Tipografia e Design, Nr. 11, September 2008, 15-19.


Gilberto: "Edle Seife aus Portugal erlebt ihr duftendes Comeback", Portugalmania, 23. Dezember 2007.

Dienstag, August 10, 2010

Wieder einmal: Der letzte Fado

In Portugal begegnet einem derzeit ein Bild der Trauer: "Vende-se" - "Zu verkaufen" steht an vielen der einst prächtigen Häuser geschrieben. Portugal steht zum Verkauf, und trösten kann da nur der Fado.

Wer einigermassen vertraut ist mit den Portugal-Bildern, die die deutschsprachige Presse spätestens seit dem Erdbeben von Lissabon 1755 über die Jahrhunderte und Jahrzehnte hinweg beharrlich verbreitet hat, wird Oliver Jungens fetzig runtergeschriebene Glosse vom 9. August 2010 (FAZ), die mit diesen zwei Sätzen unter dem Titel «Der letzte Fado» den Leser anlocken möchte, als einen Neuaufguss des Altbekannten gähnend beiseite legen: Klischee-Collage. Eine weitere Kostprobe gefällig?

[...], die Krise befeuert die herausragendste Kulturleistung des stolzen, kleinen Landes, nämlich die voller Inbrunst in den blauen Himmel geschmetterte Fundamentaldepression namens Fado. Was waren wir einst bedeutsam, singt man in noch mehr Variationen, als es Rezepte für den vertrockneten Bacalhau gibt. Dass die goldene Zeit mehr als ein halbes Jahrtausend zurückliegt, tut der Trauer keinen Abbruch. Man knabbert am Schicksal, wie man am Stockfisch knabbert: klagend zufrieden. Auch Christian [sic!] Ronaldo lieben die Portugiesen noch mehr, seit er keine Tore mehr schießt.

Vielleicht überbietet Oliver Jungen durch eine Spur mehr Zynismus seine Vorgänger. Aber das wird keine Krise bilateraler Beziehungen auslösen (vielleicht dann, wenn dasselbe in El País stehen würde...). Weiter geht's in der Ethnographie des heutigen Portugiesen:

Was hingegen tatsächlich faul ist, ist des Portugiesen klassische Behausung. Von Braga bis Faro überall dasselbe Bild: Die Orte zerfallen von den Zentren her. Die zehn Millionen Einwohner Portugals fliehen nach wie vor aus den Altstädten in trostlose Betonriegel, die seit den Siebzigern die Stadtränder verunstalten. Besonders die Wohnsilos von Lissabon und Porto besitzen höchste Anziehungskraft. Ein morbider Charme umgibt dagegen viele der teilweise noch aus dem sechzehnten und siebzehnten, vor allem aber aus dem achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert stammenden Ortskerne, die inzwischen durch ein erstklassiges, mit EU-Subventionen ausgebautes, aber die meiste Zeit geisterhaft leeres Autobahnnetz verbunden sind.

Der Tourist kann gut mit leeren Autobahnen, malerischen Ruinen und traurigem Fado leben: dieses Publikum hat die FAZ auf ihrer Seite; etwas anderes wäre es, den Normalportugiesen ernst zu nehmen, der jenseits des «letzten Fado» mit dem PEC (über-)leben muss. Das heisst nicht, dass Oliver Jungen mit seinen Blitz-Impressionen vollkommen falsch liegt: Leidensfähigkeit (und nicht etwa Sozialstaat oder Demokratie...) auf dem Prüfstand.
Fortsetzung folgt - garantiert.

Sonntag, August 01, 2010

Der Hamburger Amália-Rodrigues-Weg

Vielfältig ist Portugiesisches Kulturerbe in die Hamburger Topographie eingeschrieben - seit den Zeiten der Hanse und später der Sefarditen, die hier eine neue Heimat fanden, bis hinein ins 20. Jahrhundert: z.B. das heute so beliebte Portugiesenviertel, das sein Gepräge portugiesischer Einwanderung v.a. der 1970er Jahre verdankt. Der Amália-Rodrigues-Weg, der auf Initiative der Portugiesisch-Hanseatischen Gesellschaft zurückgeht, ist ein neueres Element dieser Beziehung. Die Enthüllung der Gedenktafel und ein Konzert sind Ereignisse, die dem Ort neues Gedächtnis geben. Für denjenigen, der Ende August in Hamburg weilt und Fado mag:



Weitere Information zum Ereignis:
Bericht von Peter Koj in Portugiesisch-Hanseatische Gesellschaft.