Dienstag, Dezember 24, 2013

Weihnachtsstern

Heute sei an den vergessenen Wolf Bergmann (* 4. Februar 1904, Freiburg i. Br.) erinnert, dem 1941 die deutsche Staatsbürgerschaft entzogen wurde. 1937 wurde Madeira ein neues Zuhause, ab 1954 Lissabon bis zu seinem Tod am 7. Oktober 1972.




Madeira ist bekannt für die üppige Blüte der Weihnachtssterne. Daher zu Ort & Datum passend Bergmanns Gedicht «Strauch» (aus Atlantische Landschaften, 1951):

Der Strauch erfüllt mit roten Weihnachtssternen,
Mit sonnigstem Karmin sein Festgebot.
Jetzt kann er für sein Rotsein nichts mehr lernen,
Jetzt ist der Sternstrauch ungeduldig rot.

Sein Christfest ist ein purpurnes Sichfreuen
Und macht verlumpten Bettlern wieder Mut.
Er heißt die Reichen ihre Münzen streuen.
Die Scham des Sternstrauchs lodert voller Glut.

Mit zirpenden Gitarren kommen Bauern,
sie tänzeln täppisch an dem Strauch vorbei.
Die Meereswellen schauern, lauschen, lauern
Und warten auf des Sternstrauchs Herzensschrei.

Die Nacht ergrünt, zersplittert von Raketen,
Aus Kronen rieselt Silber auf die Stadt.
Da strahlt der Sternstrauch, um mitanzubeten,
Da blitzt rubinentrunken jedes Blatt.

Die Bauern zogen stadtwärts zum Altare,
Zum Kindchen in Brokat und Diamant.
Sie staunen über seine goldnen Haare,
Es donnert toll vor Freude der Atlant.



Zu Wolf Bergmann siehe den zweiteiligen Beitrag von Georg Laitenberger unter dem Titel "W.B. - Wahrhaftigkeit im Exil", veröffentlicht in der Luso-Hanseatischen Post 25 und 26 des Jahres 2004, anlässlich des 100. Geburtstags, der mit einer Matinee im Hirschparkhaus (Hamburg) gefeiert wurde.
Im Anhang des Programms der Gedenkfeier im Palácio Foz (Lissabon) die Chronik der Emigration 1932 bis 1954 von Charlotte Bergmann (geb. Manasse) in der portugiesischen Übersetzung von Bernardo Jerosch Herold und Clarisse Ferreira dos Santos.