Dienstag, Dezember 29, 2009

Performance / Performanz


VII. FAGE TAGUNG in Zusammenarbeit mit APEG

16.-18. September 2010, Universitat de València (Valencia, Spanien)

Ähnliche Begriffe, unterschiedliche Konzepte. Immer stärker wird in den Geisteswissenschaften das Augenmerk auf den Prozess und nicht das Resultat gerichtet. Die Länder der Europäischen Gemeinschaft sehen das „lifelong learning“ als eines ihrer wesentlichen Ziele an, damit wir den schnellen Veränderungen in unserer Umwelt folgen können. Körper, Raum, Stimme lösen die Vision einer Objekt-Subjekt orientierten Welt ab. Die sich ergänzenden, aber auch widersprüchlichen Definitionen der Begriffe Performance und Performanz sollen Anlass für produktive Deutungen und Auseinandersetzungen geben und vor allem zu weiteren Gedanken und Handlungen anregen.

Themenvorschläge und Exposé (200-250 Worte) werden bis zum 15. Januar 2010 als Word-Dokument erbeten an die jeweilige/n Sektionsleiter/in und an die Tagungskoordinatorin Brigitte Jirku.

Information zu Sektionen aus der Literatur-, Kultur-, Translations- und Sprachwissenschaft sowie Kontakte auf der Webseite der APEG.

Montag, Dezember 28, 2009

10 Jahre DUALE Hotelfachausbildung in Portimão

Im November wurde das Jubiläum im Pestana Hotel Alvor Praia festlich begangen. Dabei hatten die geladenen Gäste aus Tourismus, Wirtschaft und Bildung Gelegenheit, sich über das Ausbildungsangebot der 3 Zentren von DUAL (Porto, Lissabon und Portimão) zu informieren, sowie die Zeit zum Networking und zum Gespräch mit ehemaligen Kollegen oder Alumni zu nutzen.

Hans-Joachim Böhmer, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Deutsch-Portugiesischen Industrie- und Handelskammer (DPIHK) kündigte die Erweiterung des Ausbildungsangebotes im Centro DUAL Portimão an: ab dem Jahr 2010 wird die Ausbildung zum Hotelfachmann erstmalig auch auf Portugiesisch angeboten.

Luís Tavares, Vizepräsident von Turismo do Algarve, betonte die Bedeutung qualifizierter Fachkräfte für den in Portugal bedeutenden Wirtschaftsfaktor Tourismus und lobte die besondere Initiative der DPIHK im Bereich der Berufsqualifizierung.

Die Leiterin von DUAL, Bernadette Dambacher, dankte der Koordinatorin des Centro DUAL Portimão, Anabela Baptista, herzlich für Ihre Verdienste.

Pünktlich zum 10-jährigen erschien auch das Kochbuch DUAL CULINÁRIA. Die Zusammenstellung ausgewählter kulinarischer Leckerbissen aus Portugal wurde von Auszubildenden, Ausbildungsbetrieben, Lehrern und Chefköchen zusammengestellt: neben deftigen Fleischgerichten eine große Auswahl an Rezepten mit Fisch und Meeresfrüchten. Viel Vergnügen beim Nachkochen sowie beim kulinarischen und kulturellen Streifzug durch Portugal.

DUAL CULINÁRIA ist ab sofort in allen drei Zentren von DUAL für 10€ erhältlich.

Diese Nachricht ist willkommene Gelegenheit, noch vor Jahresende ein Link auf die Seite der DPIHK / CCILA zu legen, wo sich weitere Informationen finden.

Zum Neuen Jahr 2010

Im Laufe des Jahres 2009 wurden 22 Posts in diesen Blog gestellt. Damit ist dieses Jahr das aktivste dieses Blogs. Doch leider stammen 20 Posts von einer einzigen Person. Ich hoffe, das ändert sich im neuen Jahr.

Viel Freude, Gesundheit & Erfolg

Guten Rutsch ins Jahr 2010

Freitag, November 27, 2009

Die Verbindung Braga - Hamburg

Peter Kojs elektronischen Rundbrief zur Portugal-Post (schon die Nummer 46!) nehme ich zum Anlass, um endlich den Link zur Portugiesisch-Hanseatischen Gesellschaft in diesen Blog aufzunehmen. Das hatte ich schon lange vor.

Immer wieder schmökere ich in den Artikeln des gut sortierten Archivs der Portugal-Post, um Wissenswertes zu den Deutsch-Portugiesischen Beziehungen zu erfahren - man findet da so manchen interessanten Lebenslauf zwischen den Kulturen.

Die Beziehung der Bragenser Germanistik zur Hamburger Lusitanistik ist besonders dicht, was die Dozenten- und Studentenschaft betrifft. Das muss einmal gesagt werden. Natürlich in der Hoffung, dass so eine Erklärung auch diesen Blog weiter belebt. Ich erinnere nur an verschiedene frühere und jetzige Mestrado-Studenten mit Hamburger Lebens- und Studierhintergrund wie Claudia Breitbarth (Lektorin Braga), Sofia Unkart (Lektorin HH), Carina Eira und Gabriel Lourenço Silva, dem Initiator dieses Blogs.

Zu Eduardo Lourenço als Lektor an der Hamburger Universität habe ich schon in einem früheren Post geschrieben. Ich glaube, das letzte Mal war ich selbst im Dezember 2007 zum Torga-Kolloquium dort.


Notiz am Rande des lusitanischen Hamburgs: am S-Bahnhof-Dammtor kann man sich echte natas schmecken lassen!





Die 1854 in Thüringen gebürtige Romanisitin Luise Ey gab nach ihrer Rückkehr aus Portugal von 1909 an in Hamburg Portugiesischunterricht. Zunächst am Kolonialinstitut, später an der frisch gegründeten Universität (1919 bis 1923). Sie hatte sich in Porto mit Carolina Michaëlis befreundet, der 1923 die Universität Hamburg die Ehrendoktorwürde verlieh. Leider hatte ich jetzt keine Zeit, zum Kolloquium zu Carolina Michaëlis und Joaquim Vasconcelos (19. bis 21. November) nach Porto zu fahren.

Spätestens zum 2. Intensivseminar des MneGIC-Projekts im Mai 2010 werden Dozenten und Studenten aus Hamburg und Braga wieder ausgiebig ins Gespräch kommen - diesmal im sonnigen Salerno, dort wo die Zitronen blühn...

Sonntag, November 08, 2009

Schwanengesang

Am Freitag, den 6. November fand ein Schubert-Liederabend im gut gefüllten Salão Nobre des Edifício dos Congregados (UM, Avenida Central) statt, der zugleich das kulturelle Beiprogramm zum APEG-Forum Neue Germanistische Studien / German Studies bildete.





Der rüstige Bariton Oliveira Lopes beeindruckte durch seine Stimm- und Gedächtnisstärke, als er ohne jede Texthilfe überzeugend die Lieder in den verschiedenen Stillagen sicher interpretierte, begleitet von Luís Pipa am Piano. "Schubert ist mein Leben", bekannte Oliveira Lopes mir danach, während er Programmhefte (mit dem Bildmotiv von Caspar David Friedrichs «Eismeer») für die zahlreichen Bewunderer signierte - denn einige hatten ihn schon vor vierzig, dreissig Jahren in ihrer Kindheit oder Jugend gehört!

Er erinnerte sich daran, dass er bereits 1965 von Curt Meyer-Clason (damaliger Direktor de Goethe-Instituts Lissabon) eingeladen wurde, und vor 20 Jahren - zu der Zeit, als die Mauer fiel - , von Bettina Kern (damalige Attachée für Kultur der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland). Auch diesmal hat die Botschaft wesentlich zum Gelingen beigetragen.


Foto aus der kurzen Reportage im ComUM.

Liederabende des deutschsprachigen Liedes haben mittlerweile einen festen Platz im kulturellen Angebot der Stadt Braga. Es sei nur an Die Schöne Müllerin mit Manuel Pedro Nunes (Bariton) und Paule Grimaldi am Klavier erinnert (Museu Nogueira da Silva, 26. Mai 2007) und am selben Ort und mit denselben Interpreten Lieder von Robert Schumann und Hugo Wolf zu Gedichten Joseph von Eichendorffs (Hommage Prof. Erwin Koller, 24. November 2007). Und erneut Robert Schumanns Dichterliebe mit dem Tenor Marcos Santos und Paule Grimaldi am Klavier in der «Museumsnacht» vom 16.Mai 2009 (siehe Post).

Die Mauer fiel - 20 Jahre danach

natürlich kann dieser Blog nicht schweigend über die weltweit verstreuten Gedenkveranstaltungen hinweg gehen. Ich selbst bin bisher nicht dazu gekommen etwas rein zu setzen, weil ich das APEG-Forum Neue Germanistische Studien / German Studies vorbereiten musste, das vom 6. bis 7. November erfolgreich über die Bühne gegangen ist. Ein herzliches Dankeschön an alle Beteiligten, die zu diesem Erfolg beigetragen haben.

Morgen wird es auch an der Universidade do Minho (ILCH - Sala de Actos) eine Gedenkveranstaltung geben:

14h00: The Fall of the Berlin Wall. From Divided Germany to Reunification (Doku von Jens Nicolai, Spiegel TV & DW-TV, Deutsche Welle, 2009) [30 min.]

Vorträge [Moderation: Prof. Dr. Mário Matos, Direktor des DEGE]

14h30 - Dr.ª Nadejda Nagovitsina Machado (Universidade do Minho, DEGE):
Perestroika: olhares de vivência?

15h00 - Dr. Sérgio Lorré:
20 anos sem Muro – Vivências berlinenses em 1989 [Apresentação de livro com fotos]

15h30 - Prof. Dr. Miguel Bandeira (Universidade do Minho, ICS):
O Teatro do Mundo - expedição histórica Lisboa-Berlim (28 de Dezembro de 1989)
[com apresentação de um diaporama de testemunho pessoal]

16h00-16h30 – Kaffeepause

16h30: Dr.ª Claudia Breitbarth (Universidade do Minho, DEGE): O Leste que num instante se tornou Oeste

17h00 Prof.ª Drª Teresa Pinheiro (Universität Chemnitz): Discursos memorialistas em torno dos 20 anos da Queda do Muro de Berlim

Postdata: Ausgehend von dieser Veranstaltung und der Ausstellung Ortszeit im Museu D.Diogo de Sousa hat der Kanal UP eine zweiteilige Produktion mit kurzen Interviews gemacht. Über das Buch von Sérgio Lorré.

Montag, Oktober 05, 2009

Mehr als ein Schnupftuch...

Der Bürgermeister von Vila Verde, António Vilela, und Thomas Pelster, der Präsident des Aufsichtsrates der Holding Pelster der multinationalen Firmengruppe P-Well GmbH (Hauptsitz in Altenberge, NRW) schlossen am 4. August 2009 den Vertrag über die Errichtung einer Fabrik für die Weiterverarbeitung von Altpapier zu Wellpapp-Formatware ab.
Dieses Projekt bedeutet in seiner ersten Stufe eine Investition von 10 Millionen Euro und die Schaffung von 86 direkten Arbeitsplätzen. Der Konsul der Bundesrepublik Deutschland, Thomas Kern, begleitete die Verhandlungen unterstützend, die nun ihren erfolgreichen Abschluss gefunden haben. Damit wird die Stärke der deutschen Investitionen in Nordportugal unter Beweis gestellt.

Bild: der Bürgermeister erklärt Thomas Pelster das typische Produkt Vila Verdes: o lenço de namorados [Schnupftuch mit eingestickter Liebeserklärung]

Mittwoch, Juli 29, 2009

Deutsch ist wichtig: Bosch verlegt GPS-Produktion nach Braga


Die Firma Bosch verlagert seine Produktion von intelligenten, in Neuwagen der Mittel- und Oberklasse integrierten Navigationssystemen (GPS) nach Braga. Bisher wurden sie im deutschen Werk gebaut. Das bedeutet, dass Bosch im Bereich (Auto-)Elektronik immer mehr Braga zum Hauptsitz wählt. Zudem versammelt sich nach dem Verkauf der Marke Blaupunkt alles unter dem bekannten Namen Bosch.

Schon in den letzten Tagen gab es in der Lokalpresse wiederholt Stellenausschreibungen im Bereich Vertrieb, Verwaltung und Kommunikation, die neben einer abgeschlossenen Schulbildung der Sekundarstufe zwei Bedingungen der Bewerbung in dieser Reihenfolge nannten:
1. ausgezeichnete Deutschkenntnisse in Schrift und Rede;
2. gute Englischkenntnisse in Schrift und Rede.

Die Firmenverwaltung teilte mit, dass in den nächsten Monaten insgesamt 100 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. PR-Sprecherin von Bosch-Braga, Susana Machado, die an der Universidade do Minho Kommunikationswissenschaft mit Option Deutsch studiert hatte, teilte mit, dass die Verlagerung der Produktion und der damit verbundenen Anpassung der Logistik bis Ende des Jahres abgeschlossen sein dürfte.

Mit diesem entscheidenden Betriebsentwicklung ergeben sich auch verstärkt Motive, die Beziehung von Bosch, der Universidade do Minho und der Stadt Braga neu zu definieren. Hierzu ist ein inhaltlicher Beitrag der Firma Bosch am APEG-Forum German Studies am 6./7. November in Aussicht gestellt, um das Thema möglicher Synenergien zwischen Wirtschaft, Bildung und Kultur an diesem glokalen Fallbeispiel vor Ort unter die Lupe zu nehmen.

Montag, Juli 27, 2009

Nicht müde werden - zum 100. von Hilde Domin

Im Februar wurde ich vom "Bibliotecário de Babel" an Hilde Domin erinnert. Damals schrieb ich in einem Postscriptum: Am 27.Juli kann Hilde Domins 100. Geburtstag gefeiert werden (obgleich sie selbst sich 3 Jahre jünger machte...). Anscheinend hat sich in Portugal niemand daran erinnert, oder? In Deutschland fand ich in Die Welt einen Artikel.
Ehrlich gesagt hätte ich es auch fast wieder vergessen, wäre mir nicht die erste Ausgabe des zweisprachigen Büchleins estende a mão ao milagre (Cosmorama, Juni 2006; Übersetzung Maria José Peixoto Lieberwirth) zufällig (?) wieder in die Hände gefallen.

In Portugal hat man besonderen Grund, sich ihrer zu erinnern. Vor zehn Jahren, 1999, lernten sich Hilde Domin und Agustina Bessa-Luís kennen. Damit war der Keim gelegt für die kleine Erzählung Dominga.
Nach ihrem Tod am 22. Februar 2006 schrieb Agustina Bessa-Luís: "Lembro-me dela, e da pomba litúrgica, pomba do Espírito Santo, por cima da cama. Do vento que sacudia as janelas, das paredes forradas de livros de História, de Arte, de muitas coisas. Não sei se alguém se vai lembrar dela como eu: como o fulgor de uma vida, tranquila na sua razão de protesto e de revolta, de tudo o que faz de nós todos seres padecentes e optimistas, e poetas."

Ich erinnere mich, dass mir dieses Büchlein von Frau Nora Carvalho und der einstigen Konsulin von Porto, Frau Maria Altmann, der wir hier so viel verdanken, in die Hand gedrückt wurde, und wiederhole die Verse, die wir so gut kennen: "Nicht müde werden / sondern dem Wunder / leise / wie einem Vogel / die Hand hinhalten."

Sonntag, Juli 12, 2009

Palermo Shooting in Braga


In den Cinemas Cinemax des BragaShopping kann man noch bis zum 17.Juli den neuen Film von Wim Wenders (2008) sehen: immer um 19.15 Uhr, in der Reihe «Kultfilm».

Eine umfangreiche Filmbeschreibung gibt es in der deutschen Wikipedia.

Samstag, Mai 23, 2009

Brecht von der poetischen Seite

Das Poesie-Syndikat (Sindicato de Poesia) hat sich diesmal den Lyriker Brecht vorgeknöpft unter dem Titel EmBRECHTados: am Montag, den 25. Mai, um 21.30 Uhr im Museu Nogueira da Silva, Av. Central, Braga.
Recital de Poesia auf Portugiesisch, Gedichte in der Übersetzung von Paulo Quintela, vertont.

A poesia de Bertolt Brecht
com
Ana Arqueiro, Carlos Silva, Cristiana Oliveira (Soprano), Daniel Pereira (bandolim), Fernando Duarte, Francisco Serafim (percussão), Gaspar Machado, Hugo Cunha (piano), Irene Brito, Luísa Fontoura e Pedro Guimarães (viola).
Direcção: António Durães.
Cumplicidades: Biblioteca Pública de Braga; Velha-a-Branca - Estaleiro Cultural

Freitag, Mai 15, 2009

«Dichterliebe» in der Museumsnacht

Das Museu Nogueira da Silva (Av. Central, Braga) hat am Vorabend des Internationalen Tages der Museen einen besonderen Ohrenschmaus zu bieten: Robert Schumanns «Dichterliebe» mit dem Tenor Marcos Santos und Paula Grimaldi am Klavier. Eintritt gratis!

Samstag, 16.Mai, 21.30 Uhr

9. Österreichisch-Portugiesischer Sommerkolleg

Vom 5.-18. Juli 2009 in Payerbach, Österreich.

Während des zweiwöchigen Kurses werden zehn österreichische und zehn portugiesische Studentinnen und Studenten die Möglichkeit erhalten, die Geschichte, die Sprache und die Kultur des anderen Landes besser kennen und verstehen zu lernen.
Die TeilnehmerInnen erhalten ein Stipendium vom österreichischen Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, welches Unterbringung, Verpflegung (mit Ausnahme der Getränke), Flug- und Kurskosten deckt.

Organisation in Wien: O. Univ. Prof. Dr. Michael Metzeltin, Univ.-Lekt. Mag. Dr. Margit Thir
Institut für Romanistik / Universität Wien
Organisation in Lissabon: Prof. Dr. Pedro Cardim, Centro de História de Além-Mar
Universidade Nova de Lisboa e Universidade dos Açores
Anmeldung + Information: Prof. Dr. Pedro Cardim
Centro de História de Além-Mar
Universidade Nova de Lisboa e Universidade dos Açores
Tel:217908325 / 936119977
Email: pedro.cardim@fcsh.unl.pt

Dienstag, Mai 05, 2009

Portugal wie es leibt und lebt

Reichlich verspätet, aber immer noch aktuell – hier eine überarbeitete Fassung des Einfall-Artikels:


Nicht kleinzukriegen – die Unterschiede in Alltag & Mentalität
(Stets mit einem Augenzwinkern zu lesen)

Selbst nach zehn Jahren in Portugal fällt es mir noch immer auf: die kleinen Dinge des Alltags, wie z. B. die Angewohnheit, sich im Café einen Espresso und ein Glas Wasser („um café e um copo d’água”) zu bestellen, allerdings nur den Espresso in Rechnung gestellt zu bekommen. Ein Stehcafé würde hierzulande garantiert nicht funktionieren. Der Portugiese muss sich erstmal hinsetzen. Er hat ja Zeit – die Uhren ticken hier sowieso ganz anders. Ist euch schon mal aufgefallen, dass selten eine Stadt in Portugal über eine dieser groβen Stadtuhren verfügt?! Man nimmt es hier wirklich nicht so mit der Pünktlichkeit. Sei es beim Fernsehprogramm oder bei Verabredungen. Im Restaurant sollte man sich auch nicht wundern, wenn einem plötzlich stinknormale Chips aus der Verpackung auf dem Teller serviert werden (da frag’ ich mich immer, wozu ich ins Restaurant gegangen bin). Genauso Geschmackssache ist die Art der Beilage: in Deutschland gerade einmal Kartoffeln ODER Reis, in Portugal generell beides. Schmecken tut’s aber. Und hat man hinterher mit dem Abwasch zu kämpfen, dann wäscht der Portugiese bei flieβendem Wasser ab, während jemand aus Deutschland erstmal die Spüle volllaufen lässt…
Beinahe hätte ich das Aushängeschild eines normdeutschen Einfamilienhaus-Eingangs vergessen (und damit meine ich nicht den aus Salzteig geformten Familiennamen an der Wand oder den schon legendären Gartenzwerg im noch so kleinen Vorgarten): Schuhe ausziehen! Dem Portugiesen mag es anfangs zwar komisch vorkommen, zumindest die eifrige portugiesische Hausfrau wird sich diesen Tipp, somit das Haus etwas sauberer zu halten, gern zu Herzen nehmen (oder auch nicht, wäre ja schade um den Frühjahrsputz – man quält sich doch so gerne). Womit wir beim Thema „Qual” wären. Der Urportugiese fristet ein elendes Dasein. Er verleiht seinem selbstzerstörerischen Masochismus durch scheinbarem Gefallen am Leiden und am Am-Leiden-gesehen-werden einen schillernden Glanz alter Tage und trauert noch heute den Weltumrundungen von einst nach. Auch sonst trauert der Portugiese gern etwas länger, ohne damit gleich mit dem (von Reiseführern schon fast vergewaltigten) Fado daher kommen zu müssen.
Logisch, dass da kaum Action angesagt ist! Der Portugiese ruht sich erstmal auf den Lorbeeren von einst aus, während die noch heute Deutschland anhaftende düstere Vergangenheit zwar präsent ist, aber niemanden daran hindert, sich selbst voran zu treiben und nach vorne zu blicken. Schubladendenken? Erfahrungswerte!
Thema Selbstständigkeit. In Deutschland zieht man mit 18-20 Jahren von zu Hause aus. In Portugal, wenn man denn auszieht, geschieht dies sehr viel später und es ist auch nicht unüblich, selbst nachdem man geheiratet hat weiterhin im Hotel Mama zu wohnen. Portugiesen sind eben viel mehr Familienmenschen. Doch bei Familienfesten zeigen sich beide von der besten Seite. In Portugal sitzt man gerne mit unzähligen Verwandten an einem groβen Tisch und wendet sich den verschiedensten Leckereien zu. Früher wurde das Sonhos-Rabanadas-Bolo-Rei-Gelage sogar noch vom kollektiven “jogos sem fronteiras”-Gucken unterbrochen. In Deutschland trifft man sich genauso in geselliger Runde und hat so seine ganz eigenen Gewohnheiten. Wie zu Silvester. Da ist „Dinner for one”-Gucken ein Muss. Dazu Bockwurst mit Kartoffel- oder Nudelsalat und hinterher noch eine Runde Bleigiessen.
Wäre doch langweilig, wenn wir alle gleich wären.

Sonntag, April 05, 2009

Buchstabengetreu

Ao pé da letra - unter dieser Rubrik beklagte António Guerreiro im Expresso (Heft Expresso actual, S.33) vom Wochenende (4.April) das Ende des Jornalismus im Detail der mangelnden Buchstabentreue. Meine Lektüre dieser Klage zielt in eine andere Richtung, denn ich frage mich: Ist es reiner Zufall, dass die zwei von Guerreiro ins Feld geführten Beispiele die im Portugiesischen verfälschte Zitate von (nicht ausschliesslich) deutschsprachigen Autoren betreffen: Paul Celan und Walter Benjamin.
Wenn António Guerreiro schreibt "Por trás destes descuidos está o pressuposto funesto de que o leitor é ignorante e nem ousa querer sair desse estado de menoridade" - was by the way Kants Sentenz zur Frage "Was ist Aufklärung?" adaptiert, dann frage ich mich, inwieweit diese Ignoranz schlicht (auch) die Verbreitung der deutschen Sprache in Portugal betrifft. Gehört das Deutsche noch zum normalen Bildungsrepertoire der älteren Generation des portugiesischen (Kultur-)Journalismus, kann man dies für die jüngere Generation nicht mehr so behaupten. Muss man damit am Journalismus zweifeln? Oder an der Kultur europäischer Vielsprachigkeit? Niemand würde zum Beispiel nachprüfen, ob Dostoevskij nach dem russischen Original richtig zitiert wurde, oder?

Mne-GIC Intensivseminar mit Hamburg und Salerno

Die Ausgabe Nr. 98 des jornal académico der AAUM (vom 31.März 2009) bringt auf Seite 8 einen knappen Bericht von Sónia Ribeiro über die zwei erlebnis- und arbeitsreichen Wochen von 15. bis 29.März, mit einem (verschwommenen) Gruppenfoto auf der Treppe zur Casa Camilo Castelo Branco. Der Bericht endet mit einem positiven Fazit im O-Ton des Koordinators Mário Matos (DEG), der dieses europäische Projekt unter dem Kürzel Mne-GIC (= MnemoGrafia InterCultural) erfolgreich auf den Weg gebracht hat.

Damit ist die «Feuerprobe» bestanden. Insgesamt 30 Studenten und 10 Dozenten aus drei Universitäten - Minho (Braga), Hamburg und Salerno - hatten sich an der Universidade do Minho zum ersten Intensivseminar eingefunden: Vorträge, Exkursionen, Workshops zur Übersetzung (portugiesisch / deutsch / italienisch) und Digital Story Telling und vieles mehr (auch nicht Eingeplantes wie die Wiedereröffnung der berühmten Brasileira in der Stadtmitte) machten Langeweile zu einem Fremdwort.

Wir sind gespannt, wie es nächstes Jahr weitergeht: in Salerno.

Mittwoch, März 25, 2009

Unter fremdem Himmel...

Gastvortrag im Rahmen des Mestrado em Estudos Luso-Alemães:


Prof. Dr. Martin Neumann (Univ. Hamburg)


«E se o turista se vê, de repente, forçado a permanecer num mundo estranho...»

Visões luso-alemãs em Sob céus estranhos de Ilse Losa


Am Freitag, den 27.März, 17 Uhr, Sala de Actos - ILCH, Universidade do Minho, Campus de Gualtar



Ein illustratives Beispiel für die «produktive Rezeption» von Ilse Losas Buch:

Sob céus estranhos von Daniel Blaufuks (2007). Eine lesens/hörens/sehenswerte transmediale Produktion.

Sonntag, März 15, 2009

Karaoke Alemão é uma festa!

Mit der Fotoseite der heutigen Sonntagsbeilage «Jovens» vom Correio do Minho hat das Medienecho des diesjährigen Karaoke-Wettbewerbs einen regionalen Höhepunkt erreicht.

Mit insgesamt vier Jahresveranstaltungen des «Karaoke Alemão» seit 2006 hat das Departamento de Estudos Germanísticos (DEG) der Universidade do Minho auch eine kleine Seite in der Geschichte der Motivationsarbeit für das Deutsche im portugiesischen Schulbereich geschrieben. Das findet immer mehr Beachtung und Unterstützung (vor allem: Goethe Institut Portugal). Und hat auch ungeahnte Nebeneffekte:

Wozu «Karaoke Alemão» auch gut ist !

Unter dieser Überschrift habe ich im Blog der APEG das Medienecho kommentiert.

Dank des Interesses der Nachrichtenagentur Lusa an unserem «Karaoke alemão» in Braga ist die Situation des Deutschen in Portugal eine Nachricht wert in Expresso, RTP-N und OJE bis zum Hausblatt von Millenium und dem Aeiou-Kiosk sowie viele andere Webseiten wie Peppertail.

Saber alemão abre boas perspectivas de emprego

Braga, Portugal 10/03/2009 15:25 (LUSA) Temas: Língua, Escolas, Universidades, Ensino

Braga, 10 Fev (Lusa) - O professor da Universidade do Minho Orlando Grossegesse lamentou, hoje, em declarações à Lusa, que o ensino de alemão tenha sido prejudicado pela reforma do Ensino Secundário.
Sustentou, no entanto, que os estudantes da língua "têm boas perspectivas de emprego".
"No contexto europeu, não há razão para deixar de lado o alemão. No nacional, o alemão foi muito prejudicado, pela reforma do Ensino Secundário, que reduziu o papel das línguas estrangeiras (excepto do inglês) e pela recente popularidade do espanhol", sublinhou.
O docente universitário, que lecciona no Departamento de Estudos Germanísticos, falava a propósito do Concurso de Karaoke Alemão, que pôs, segunda-feira, mais de 400 alunos do ensino básico e secundário a cantar naquela língua.
Orlando Grossegesse sublinhou que "os poucos alunos que estudam alemão, seja qual for o contexto curricular, têm boas perspectivas de emprego, nomeadamente nas multinacionais alemãs”.
"Há muitas empresas que requerem o alemão como língua de comunicação, gestão, difusão e serviços especializados", acentuou, frisando que, em geral, “não são perspectivas de um emprego imediato "garantido".
Assinalou que, "nesta área de qualificação, seja académica ou profissional, o aproveitamento das oportunidades (concursos, bolsas, estágios) por iniciativa própria é a chave do sucesso".
Em sua opinião, "o desaparecimento do alemão em muitas escolas não significa a sua irrelevância no contexto europeu".
"O facto de Portugal não precisar de professores de alemão não significa que a sua aprendizagem seja irrelevante, numa perspectiva de profissionalização", acrescentou.
O concurso de Karaoke alemão é um evento de divulgação e motivação que consegue a adesão das escolas da região.
"Queremos consolidar uma rede de escolas interessadas no ensino e na aprendizagem do alemão, em colaboração com o Goethe Institut e com as empresas alemãs da região", disse.
O Karaoke serve, sustentou o docente, para motivar os alunos a candidatarem-se aos cursos universitários que englobam a possibilidade de estudar alemão, nomeadamente as Licenciaturas (1º Ciclo de estudos, modelo Bolonha) de Línguas Aplicadas (LA) e Línguas e Literaturas Europeias (LLE).
O alemão é, também, oferecido como opção nos Cursos de Relações Internacionais (RI) e Negócios Internacionais (NI) e ainda, no Curso de Direito.
Para além desta oferta curricular, o Departamento de Estudos Germanísticos ministra cursos extracurriculares, intensivos ou para públicos específicos (estudantes das Engenharias e de Direito).
Na área da pós-graduação (2º Ciclo Bolonha, Mestrado) oferece o curso de Estudos Luso-Alemães: Formação Bilingue e Intercultural.
LM. Lusa/Diario Digital Lusa

Freitag, März 06, 2009

Der Umgang mit dem Anderen

Schon einmal etwas von der Respect Research Group (RRG) gehört?
Dann sollte man sich das einmal ansehen unter http://www.respectresearchgroup.org/, wenn man interessante Beispiele für die Verknüpfung von Forschung und Praxis im fächerübergreifenden Kontext sucht, im konkreten Falle ausgehend von der Sozialpsychologie an der Universität Hamburg. Mestranden und Doktoranden im Bereich Kulturwissenschaft können sich davon inspirieren lassen, was mit Initiative und Netzwerk möglich ist, um den Universitätsbetrieb aufzubrechen.

Inhaltlich lässt sich da auch ein Zusammenhang zu den Deutsch-Portugiesischen Studien herstellen, insbesondere zu der Problematik der Auswirkungen tradierter Identitätsdiskurse auf die Kommunikationspraxis in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft, u.a..

Der Umgang mit dem Anderen ist das Thema eines Interdisziplinären Forschungskolloquiums, das Ende Juli 2009 auf einem Gut in der Nähe von Hamburg stattfinden wird. Die Einladung zur Teilnahme (Call for Paper: bis 31.März) richtet sich an Nachwuchswissenschaftler aller Disziplinen, die sich in ihrer Forschung mit dem Anderen beschäftigen. Diejenigen, die ausgewählt werden, können mit einer Teilfinanzierung rechnen!

Aus der Präsentation des Themas, das auch für diesen Blog im schmalen Ausschnitt der Deutsch-Portugiesischen Beziehungen leitend sein sollte:

Die Figur des «Anderen» ist in den letzten Jahren zu einer zentralen Kategorie in einer Vielzahl von Wissenschaften geworden. Innerhalb der Kulturwissenschaften sind etwa postkoloniale und genderorientierte Ansätze von dieser Denkfigur geprägt, und auch in der Psychologie stellt sie eine tragende Bezugskategorie dar. Häufig geht mit dieser Hinwendung zum Anderen eine verstärkte Beschäftigung mit ethischen Fragestellungen einher: der Umgang mit dem Anderen beinhaltet in diesem Sinne auch die Verantwortung für das Andere. Diese Frage nach Verantwortung durchdringt die Wirtschaftswissenschaften ebenso wie die sozialwissenschaftliche Perspektive: Fragen nach erfolgreichem Handeln in der Welt, nach Identität und Netzwerk, Homogenisierung und Heterogenisierung sind nicht zu trennen von einer Begegnung mit dem Anderen.
In unserem Kolloquium wollen wir uns der Frage nach dem Umgang mit dem Anderen aus möglichst unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven nähern. Dabei wollen wir uns unter anderem leiten lassen von der Suche nach einem «guten» Umgang mit dem Anderen: Wie muss dieser Umgang aussehen, damit er für alle Seiten fruchtbar ist? Welche Schritte müssen dafür ganz praktisch gegangen werden?

Interdisziplinäres Forschungskolloquium
24.-26. Juli 2009 im Seminarzentrum Gut Siggen/Ostholstein

Montag, Februar 16, 2009

Dem Wunder die Hand hinhalten

Selten haben mich Worte so sehr ergriffen wie diejenigen Hilde Domins. Sie waren in mir verschüttet und wurden mir wieder hingehalten durch die Rezension vom 7.Februar 2009 des Literaturkritikers José Mário Silva, der auch den bekannten Blog mit dem schönen Namen „Bibliotecário de Babel“ betreibt (bereits von der Deutschen Welle prämiert). Nebenbei habe ich dabei auch die Worte von Agustina Bessa-Luís über Hilde Domin kennengelernt, die ich nicht kannte (*), sowie die Kraft der Übersetzung von Maria José Peixoto Lieberwirth:

Em 1999, Agustina Bessa-Luís escreveu um texto intitulado Dominga, sobre um inverno passado em Heidelberg, na casa de uma escritora nonagenária, «que estivera a maior parte da vida no exílio» (República Dominicana) e se mantinha «extremamente lúcida», com os seus «olhos azuis de uma beleza ofuscante».
Essa mulher extraordinária e ingrata, fora do tempo, imersa na memória da devoção por Saint-Exupéry, era Hilde Domin (1909-2006) – uma singularíssima poeta alemã que o crítico Marcel Reich-Ranicki colocou fora das duas grandes correntes da poesia germânica: a «solene, sacerdotal, sacra» (de Hölderlin a Paul Celan) e a «profana e racional» (de Schiller a Brecht).
Nesta antologia, organizada e traduzida por Maria José Peixoto Lieberwirth, embora nalguns dos versos transpareça aquilo que se tornou a imagem de marca de Domin – uma escrita de protesto, de «revolta e rebelião» contra a indiferença e o conformismo; poesia de raiz judaica mas «fora de toda a regra» –, o que sobressai é o ímpeto lírico que modula a sua voz:

Tem de se conter a respiração
até que o vento amaine
e o ar desconhecido nos comece a envolver,
até que o jogo de luz e sombra,
de verde e azul,
nos mostre as estruturas antigas
e estamos em casa,
seja onde for.

Em 2006, Agustina escreve novamente sobre Domin, a propósito da sua «morte elegante»: colapso no meio da rua, depois de adquirir um par de luvas (esse «trabalho poético»). A escritora portuguesa gaba-lhe quer a «imensa força e lucidez» quer o facto de reservar, para ela própria, «um dedo de paixão, como um dedo de bebida espirituosa». E é difícil não concordar com Agustina quando deparamos com estrofes como esta:

Eu não forcei ninguém para a luz
só palavras
palavras não voltam a cabeça
elas levantam-se
imediatamente
e vão-se.

Estende a mão ao milagre
Dem Wunder die Hand hinhalten

Tradução: Maria José Peixoto Lieberwirth
Editora: Cosmorama, 2008.

P.D.: Am 27.Juli dieses Jahres kann Hilde Domins 100. Geburtstag gefeiert werden.

(*) Nachtrag: Inzwischen habe ich den Text Dominga in der zweisprachigen Ausgabe (Neuauflage Cosmorama, 2008) portugiesisch / deutsch (Übersetzung Klaus-Dieter Lieberwirth) kennen gelernt.

Mittwoch, Februar 11, 2009

Eduardo Lourenço in Hamburg und Heidelberg

1993
fand in Hamburg der vierte Kongress der Associação Internacional de Lusitanistas (AIL) statt, vor allem dank der Initiative von Fátima Brauer-Figueiredo. Daran kann ich mich so genau erinnern, als ob es gestern gewesen wäre.

Unvergeßlich, dass ich Eduardo Lourenço als presidente da mesa hatte. Seine Worte für meinen Beitrag zur „propensão dialógica na obra queirosiana“ - schmeichelhaft. Indirektes Eigenlob beiseite, bleibt auch der Festakt denkwürdig, der Lourenços 70. Geburtstag an seinem einstigen ‚Arbeitsplatz’ als Lektor, den er 40 Jahre zuvor angetreten hatte, feierte: Eugénio Lisboa konnte nicht die trockenen Worte von Prof. Rainer Hess, des ersten Präsidenten des Deutschen Lusitanistenverbandes (DLV), der soeben aus der Taufe gehoben werden sollte, so im Hörsaal verhallen lassen: Er erhob sich unter den Zuschauern, trat ans Rednerpult und sagte, dass eine so zentrale Figur des portugiesischen Geisteslebens wie Eduardo Lourenço eine andere Präsentation verdiente. Die Klischees von deutscher Steifheit und portugiesischer Herzlichkeit wurden mal wieder bestätigt...

2003
schrieb José Carlos de Vasconcelos am Vorabend des 80.Geburtstages von Eduardo Lourenço an seinem Wohnort Vence eine Mischung aus Reportage und Interview (veröffentlicht in Visão). Den Text kann man auf der Webpage von Arlindo Correia unter der Rubrik Autores nachlesen. Dort heißt es:

1953

Lourenço vai, em 1953, para a Universidade de Hamburgo, como leitor: «Se alguma vez a palavra exílio, ou auto-exílio, teve um significado para mim foi nesse primeiro ano na Alemanha e numa terra onde às três ou quatro da tarde deixava de haver sol.» Em 1954, passa para Heidelberg, depois para Montpellier (…)


Auch wenn es ihm nach Montpellier (1956) im sonnigen Brasilien (Baia) besser gefällt («Estava fascinado, mas a situação em relação à Filosofia era decepcionante»), zieht es ihn wieder zurück nach Europa.

Hamburg: Kein Sonnenlicht mehr um drei Uhr Nachmittags. Das wird wohl nicht jeden Tag so gewesen sein. Doch fördert die Dunkelheit sicher die Lektüre der Philosophie. Frage: Gibt es denn keine Studie über diese knappen zwei Lehrjahre in deutschen Landen?

In Miguel Reals Studie von 2003 zu den Lehrjahren 1945 bis 1958 lassen sich für den aufmerksamen Leser Rückschlüsse ziehen in bezug auf den Beitrag deutscher Philosophie zur Entstehung des Tragischen und des «irrealismo histórico» als «definidor do ser português».

Real hebt hervor, dass bereits in Heterodoxia I (1949) neben der Kant-Lektüre die Kreuzung von Leibniz und Hegel die Genealogie von Lourenços Denkens prägte (51-52). Dabei wird der Einfluss der Studien von Joaquim de Carvalho (u.a.: „Leibniz e a cultura portuguesa“, 1949) in Erwägung gezogen.

Ausgespart bleibt hingegen eine Konkretisierung der Verbindung von Literatur und Philosophie, die Eduardo Lourenços Essayismus auszeichnet. So spürt Paulo Borges in seinem Beitrag zum Lourenço-Kongress von 2008 der Rezeptionsbeziehung Hölderlin / Heidegger in Hinblick auf die Definition der Saudade nach.

Miguel Real (2003), Eduardo Lourenço. Os anos da Formação 1945-1958, Lisboa: Imprensa Nacional – Casa da Moeda.

Paulo Borges (2008), „Do Labirinto da Saudade ao Fio de Ariadne do Instante“ (www.eduardolourenco.com/6_oradores/oradores_PDF/Paulo_Borges.pdf)

Freitag, Februar 06, 2009

Reisetagebuch: zeichnen statt schreiben

Man kann auf Reisen auch zeichnen statt schreiben.

Zu diesen 'Reisetagebuchzeichnern' gehört Eduardo Salavisa, der am 4.Februar im EstudioUM der Escola de Arquitectura (Azurém / Guimarães) sein Buch vorgestellt hat

Diários de Viagem - Desenhos do Quotidiano

Quimera Editores


Eines von den Heften gibt auch Ansichten von Berlin.
Kostprobe: Das Holocaust-Denkmal mit dem Brandenburger Tor im Hintergrund.







Daneben ist auch Eduardo Salavisas Site sehenswert:

http://www.diariografico.com/

Donnerstag, Februar 05, 2009

Portugal fehlt in Schäfers Studie

Hans Dieter Schäfer, Das gespaltene Bewußtsein. Über deutsche Kultur und Lebenswirklichkeit 1933 bis 1945. München: Hanser, 1981, 254 Seiten (3. Auflage 1983)



In seinem gut strukturierten Leserkommentar zu Schäfers Buch fragt Herbert Huber* nach Vollständigkeit, was das Panorama betrifft. Natürlich gibt es die nicht in dieser Samlung von Studien, die ursprünglich zwischen 1973 und 1979 erschienen sind.

Die Kaschnitz ist dabei, doch der Italien-Bezug von Liebe beginnt (1933) wird nicht thematisiert (26). Wohl aber an anderer Stelle der Boom der mit dem Reisen (und ihrer Popularisierung) verbundenen Literatur, der schon in den 20er Jahren beginnt**:

„Die Vorliebe der jungen Generation für die Kleinteiligkeit führte zu einer Wiederbelebung des Reisebildes, das im Laufe der dreissiger Jahre durch Tagebuchformen zusätzlich mit Wirklichkeitsnähe angereichert wurde. (...). Der Höhepunkt des Genres fällt in den Zweiten Weltkrieg. Kriegsbericht und Reisetagebuch vermischten sich.“ (35).

Unter den Beispielen finden wir neben Max Frisch und Ernst Jünger auch Erhart Kästners Griechenland. Ein Buch aus dem Kriege (1943), ohne dass Traditionen – wie in diesem Fall der Philhellenismus und konkret das Vorbild Griechischer Frühling (1908) von Gerhart Hauptmann Erwähnung fänden. Die Attraktivität Griechenlands in einer Zeit erneuter Hinwendung zu antiken Stoffen (24-25), die dem Wunsch „sich von der Zeit und ihren Schrecken zu distanzieren und sich in eine andere Welt zurückzusehnen“ (25) entspricht, liegt auf der Hand.

In diesem Zusammenhang wäre auch ein Hinweis auf die Attraktivität Portugals angebracht gewesen, angefangen bei Portugal. Ein Reisetagebuch (1931) von Reinhold Schneider, das in gewisser Weise als Modell gelten kann.

Es folgen Neues Portugal. Bildnis eines alten Landes (1937) von Friedrich Sieburg und Delfina oder Die gute alte Zeit. Portugiesischer Bilderbogen (1942) von Irene Seligo. Beide Autoren sind Korrespondenten der Frankfurter Zeitung.

Ist Sieburg stärker der NS-Ideologie verpflichtet, durchsetzt von Antike-Bezügen (Odysseus), 'Germanismen' (Goethes Mignon-Lied und Eichendorffs "Sehnsucht" gegenüber der portugiesischen saudade) und mehr oder weniger klaren Anleihen bei Schneider (bis hin zu Plagiat, wie Alfred Opitz konstatiert***), so bietet Irene Seligo im Zeichen der immer dichteren Kriegsgrauen der Ostfront kriegsferne, im traditionellen Rollenverständnis ‚weiblich-heilende‘ Reisebilder vom ‚anderen Ende der Welt‘. Portugal in Therapie-Funktion – das sollte auch später weiter wirken.

Gibt es noch mehr vergleichbare Reisebilder aus der Zeit der 30er und 40er Jahre?

* Im Web-Site von Herbert Huber aus Wasserburg am Inn (www.gavagai.de) findet man unter der alphabetisch nach Autorennamen geordnete Rubrik „Rezensionen politischer (und verwandter) Bücher“, die im Menu Politik und Diskussion versteckt ist, Besprechungen von vielen interessanten Büchern, teilweise vernetzt.

** siehe hierzu auch Peter J. Brenner (1997), „Schwierige Reisen. Wandlungen des Reiseberichts in Deutschland 1918-1945“, in: id. (org.), Reisekultur in Deutschland: von der Weimarer Republik zum «Dritten Reich», Tübingen: Niemeyer, S. 127-176.
Dabei nimmt Brenner wiederholt auf die Studie von Johannes Graf bezug, die "stellvertretend an der Reise nach Italien die Funktionalisierung der Reiseliteratur durch die Tourismusindustrie und die NS-Propaganda" aufzeigt. Das faschistische Italien wird "als Projektionsfläche eines neuen Klassizismus, einer Verbindung von Tradition und Moderne, bestimmt, mit der die «junge Generation» einer Selbsttäuschung in bezug auf die Gefahren des Nationalsozialismus erlag" (Klappentext).
Johannes Graf (1995), «Die notwendige Reise». Reisen und Reiseliteratur junger Autoren während des Nationalsozialismus, Stuttgart: M & P Verlag für Wissenschaft und Forschung [Diss. 1994].

*** Opitz, Alfred (1990), «Friedrich von Sieburg: Estado Novo e Velho Portugal – um duplo retrato», in: Aspectos da História Luso-Alemã, (eds.) A. Gama Xavier e António C. Franco, Lisboa: Ass. Luso-Alemã para a Ciência e Cultura, S. 103-110.



Donnerstag, Januar 22, 2009

"Nimm auf Dich die Liebe"


Marie Luise Kaschnitz und ihr Rom

Die deutsche Italiendichtung kann auf eine lange Tradition zurückgreifen, die vor allem Goethe geprägt hat. Doch die meisten Autoren haben das „lichte“ Land der Schönheit und der Kunst, dem das zumindest „nüchterne“ Deutschland gegenübersteht, nur auf Reisen (wenn auch oft ausgedehnten) kennen gelernt.

Die Dichterin Marie Luise Kaschnitz (1901-1974) hatte dagegen schon in den Jahren 1925-1932 sowie in den Jahren 1952-1956 in Rom ihren ständigen Wohnsitz; zudem verbrachte sie in Italien auch in der Zeit, wo sie in Deutschland lebte, häufig den Sommer.

Ihre Dichtung prägte dieser Umstand sehr. Schon in ihrem Erstlingsroman Liebe beginnt zeichnet sie das Bild des faschistischen Italien. Nach 1945 hält sie dann das Nachkriegsitalien in ihren Rom-Gedichten „Ewige Stadt“ und den Essays „Engelsbrücke“ fest. Weitere Werke folgen.

Seminário Aberto*
no âmbito do Mestrado Estudos Luso-Alemães – Formação Bilingue e Intercultural

Doutora Jana Hrdlickova
(Univ. Jan Evangelista Purkyně, UJEP, Ustí nad Labem)

30. und 31. Januar 2009

Freitag, 30. Januar 2009 · 16-18 Uhr · Raum 2108 (CP II)

Samstag, 31. Januar 2009 · 11-13 Uhr · Raum 1312 (CP I)
Universidade do Minho, Campus de Gualtar

Das Blockseminar soll auf die authentische Rom-Erfahrung dieser Autorin aufmerksam machen. Im ersten Teil werden einige ihre Gedichte mit Rom-Bezug vorgestellt, im zweiten dann Kaschnitz’ Prosa, die Rom und seine Umgebung zum Gegenstand hat. Es soll gezeigt werden, worin Kaschnitz’ eigenständiger Beitrag zur Italiendichtung liegt und wo sie eine typische Reiseliteratur verfasst.


* Dieses Seminar in deutscher Sprache ist für alle Interessierte offen. Teilnehmer, die nicht Studenten des Mestrado em Estudos Luso-Alemães sind, erhalten ein Zertifikat über die Teilnahme. Bedingungen:
- Lektüre der Texte (
www.ilch.uminho.pt/deg unter „Eventos“)
- vorherige Anmeldung unter
mailto:ogro@ilch.uminho.ptbis 27. Januar.