Sonntag, April 05, 2009

Buchstabengetreu

Ao pé da letra - unter dieser Rubrik beklagte António Guerreiro im Expresso (Heft Expresso actual, S.33) vom Wochenende (4.April) das Ende des Jornalismus im Detail der mangelnden Buchstabentreue. Meine Lektüre dieser Klage zielt in eine andere Richtung, denn ich frage mich: Ist es reiner Zufall, dass die zwei von Guerreiro ins Feld geführten Beispiele die im Portugiesischen verfälschte Zitate von (nicht ausschliesslich) deutschsprachigen Autoren betreffen: Paul Celan und Walter Benjamin.
Wenn António Guerreiro schreibt "Por trás destes descuidos está o pressuposto funesto de que o leitor é ignorante e nem ousa querer sair desse estado de menoridade" - was by the way Kants Sentenz zur Frage "Was ist Aufklärung?" adaptiert, dann frage ich mich, inwieweit diese Ignoranz schlicht (auch) die Verbreitung der deutschen Sprache in Portugal betrifft. Gehört das Deutsche noch zum normalen Bildungsrepertoire der älteren Generation des portugiesischen (Kultur-)Journalismus, kann man dies für die jüngere Generation nicht mehr so behaupten. Muss man damit am Journalismus zweifeln? Oder an der Kultur europäischer Vielsprachigkeit? Niemand würde zum Beispiel nachprüfen, ob Dostoevskij nach dem russischen Original richtig zitiert wurde, oder?

Mne-GIC Intensivseminar mit Hamburg und Salerno

Die Ausgabe Nr. 98 des jornal académico der AAUM (vom 31.März 2009) bringt auf Seite 8 einen knappen Bericht von Sónia Ribeiro über die zwei erlebnis- und arbeitsreichen Wochen von 15. bis 29.März, mit einem (verschwommenen) Gruppenfoto auf der Treppe zur Casa Camilo Castelo Branco. Der Bericht endet mit einem positiven Fazit im O-Ton des Koordinators Mário Matos (DEG), der dieses europäische Projekt unter dem Kürzel Mne-GIC (= MnemoGrafia InterCultural) erfolgreich auf den Weg gebracht hat.

Damit ist die «Feuerprobe» bestanden. Insgesamt 30 Studenten und 10 Dozenten aus drei Universitäten - Minho (Braga), Hamburg und Salerno - hatten sich an der Universidade do Minho zum ersten Intensivseminar eingefunden: Vorträge, Exkursionen, Workshops zur Übersetzung (portugiesisch / deutsch / italienisch) und Digital Story Telling und vieles mehr (auch nicht Eingeplantes wie die Wiedereröffnung der berühmten Brasileira in der Stadtmitte) machten Langeweile zu einem Fremdwort.

Wir sind gespannt, wie es nächstes Jahr weitergeht: in Salerno.