Freitag, Dezember 17, 2010

1939 deutsches Fernsehen in Rio de Janeiro

Hierzulande wenig bekannt ist die Rolle des Fernsehens in der Auslandspropaganda des NS-Regimes nach der Fernsehübertragung der Olympischen Spiele von 1936 in Berlin, was als erstes Public Viewing Event bezeichnet werden kann (Joseph Hoppe), obwohl die Bild- und Tonqualität natürlich sehr bescheiden war.

Nachdem das von Hans Pressler (Direktor der Forschungsstelle der Reichspost) geleitete deutsche Team in Buenos Aires beim Weltposttag den Telefunken-Empfänger FE 7 vorgeführt hatte, gab es am 2. Juni 1939 zum ersten Mal in Brasilien einen experimentellen Fernsehbetrieb, der am folgenden Tag dem Präsidenten Getúlio Vargas und einer Reihe von Ministern präsentiert wurde. Bestandteil war die Direktübertragung einer Musikveranstaltung, u.a. mit dem Duo Preto e Branco, Herivelto Martins und Nino Chagas, zusammen mit der Solistin Dalva de Oliveira (Bild) - so eine SchwarzWeiss-Mischung hatte sicher nicht Hitlers Segen.

Am Sonntagnachmittag des 4.Juni und für die Dauer von zwei Wochen konnten dann die Bürger Rio de Janeiros auf der Funkausstellung erstmals die Flimmerkiste kennen lernen. Damals ahnte man noch nicht, dass es das brasilianische Medium der Telenovela werden sollte.

Angesichts dieser Fakten stellt sich die Frage, wie das Fernsehen in Portugal eingeführt wurde. Gab es auch hier eine Propaganda-Mission aus dem Deutschen Reich?

Áureo Busetto, "Em busca da caixa mágica: o Estado Novo e a televisão", Revista Brasileira História, vol. 27 (2007), nº 54, Associação Nacional de História: São Paulo, S. 177-196

António Sérgio Ribeiro, "As primeiras exibições da televisão no Brasil", Assembleia legislativa do Estado de São Paulo (ALESP), 17.09.2010

Samstag, Dezember 11, 2010

Nach Einführung des Honorarkonsuls in Porto: Botschafter besucht die Universidade do Minho

Im Post vom 21. Juni 2010 hatten wir die Schliessung des Generalkonsulats Porto bedauert. Mit einem Empfang am 28. Oktober 2010 führte Botschafter Helmut Elfenkämper den Honorarkonsul in Porto, Christian Carlos Bothmann, ein, der seit November seine Arbeit aufgenommen hat.

Am darauf folgenden 29. Oktober stattete Botschafter Elfenkämper zusammen mit dem ersten Sekretär Manfred Schüler der Universidade do Minho einen offiziellen Besuch ab.
Den Nachmittag füllte eine Rundreise zu verschiedenen Forschungszentren, die internationales Ansehen geniessen, angefangen mit der Gruppe 3 Bs (Biomateriais, Biodegradáveis, Biomiméticos) im Ave Park, danach im Campus de Azurém (Guimarães) die Abteilung für Robotforschung (Prof. Wolfram Erlhagen), das Zentrum für Computergraphik (CCG), das mit der TU Darmstadt in enger Partnerschaft steht, und abschliessend das Forschungszentrum für die Entwicklung von Kunststoffen (Polymerchemie - PIEP).
In Braga folgte nach einem kurzen Gespräch mit dem Rektor, Prof. António Cunha, am Abend der Festakt zum 20jährigen Bestehen der Germanistik an der Universidade do Minho (in memoriam Prof. Erwin Koller). Nach dem Abendessen rundete ein Liederabend mit Schuberts Winterreise den Besuch des Botschafters ab.

Alface ist nicht nur Kopfsalat... Zur Geschichte der Seife in Portugal (1)

In der deutschen Frauenzeitschrift Myself vom August 2010 heisst es: "Die Mandelöl-Seife Alface kommt aus der ältesten Seifenmanufaktur Portugals und macht die Haut samtweich". Vielleicht müsste es korrekterweise 'salatblattweich' heissen, aber das klingt ungewohnt in deutscher Werbesprache.

Was auch verborgen bleibt unter der fernen Herkunft aus Portugal ist der deutsche Ursprung des Unternehmens im Jahre 1887 durch Ferdinand Claus und Georg Philipp Schweder, die nach Porto auswanderten und dort die Fábrica de Productos Chimicos gründeten. Durch ihre Produktpalette von parfumierten Seifen mit kosmopolitischen Design konnten sie rasch expandieren gegenüber Produkten, die eher nutzorientiert waren. Ein besonderer Erfolg war auch das sogenannte «Papel Oriental». Krankheitsbedingt musste sich Georg Schweder 1903 zurückziehen. Für ihn kam der portugiesische Teilhaber Achilles de Brito in den Betrieb. Der diplomierte Chemiker Willy Thessen übernahm die technische Leitung.

Infolge der Konfrontation von Portugal und dem Deutschen Reich im Ersten Weltkrieg musste der deutsche Unternehmer Ferdinand Claus 1914 Portugal verlassen. Der Betrieb wurde vorübergehend geschlossen. 1918 wurde er von Achilles de Brito weitergeführt und in die Fabrica Ach.Brito & Cia. transformiert. Dabei wurde die eingeführte Marke Claus Porto beibehalten.





Im Estado Novo war Ach.Brito ein beliebter Vorzeigebetrieb auf Ausstellungen (1968: offizieller Besuch des Staatspräsidenten Admiral Américo Thomaz). Nach Jahren des Niedergangs und der Schwierigkeiten hat sich der Familienbetrieb seit der 'Rettung' 1994 durch den amerikanischen Konzern Lafco NY im Segment Luxusparfümerie international etabliert.



Somit lebt die Marke Claus Porto als portugiesische bis heute fort und kam somit u.a. auf die Seite von Myself. Die Firmengeschichte, die seit Oktober 2010 im Site nachlesbar ist, deckt jedem Neugierigen die deutschen Wurzeln auf. *
Kurios eine weitere deutsche Intervention in der Unternehmensgeschichte: Heinrich Gleiser arbeitete als 4-Meter-hohe Attraktion für Ach.Brito auf der 1. Kolonialausstellung Portugals im Jahre 1934.




* Siehe ausserdem den Beitrag von Paulo Heitlinger: "O renascer do sabonete vintage em Portugal", Cadernos de Tipografia e Design, Nr. 11, September 2008, 15-19.


Gilberto: "Edle Seife aus Portugal erlebt ihr duftendes Comeback", Portugalmania, 23. Dezember 2007.

Dienstag, August 10, 2010

Wieder einmal: Der letzte Fado

In Portugal begegnet einem derzeit ein Bild der Trauer: "Vende-se" - "Zu verkaufen" steht an vielen der einst prächtigen Häuser geschrieben. Portugal steht zum Verkauf, und trösten kann da nur der Fado.

Wer einigermassen vertraut ist mit den Portugal-Bildern, die die deutschsprachige Presse spätestens seit dem Erdbeben von Lissabon 1755 über die Jahrhunderte und Jahrzehnte hinweg beharrlich verbreitet hat, wird Oliver Jungens fetzig runtergeschriebene Glosse vom 9. August 2010 (FAZ), die mit diesen zwei Sätzen unter dem Titel «Der letzte Fado» den Leser anlocken möchte, als einen Neuaufguss des Altbekannten gähnend beiseite legen: Klischee-Collage. Eine weitere Kostprobe gefällig?

[...], die Krise befeuert die herausragendste Kulturleistung des stolzen, kleinen Landes, nämlich die voller Inbrunst in den blauen Himmel geschmetterte Fundamentaldepression namens Fado. Was waren wir einst bedeutsam, singt man in noch mehr Variationen, als es Rezepte für den vertrockneten Bacalhau gibt. Dass die goldene Zeit mehr als ein halbes Jahrtausend zurückliegt, tut der Trauer keinen Abbruch. Man knabbert am Schicksal, wie man am Stockfisch knabbert: klagend zufrieden. Auch Christian [sic!] Ronaldo lieben die Portugiesen noch mehr, seit er keine Tore mehr schießt.

Vielleicht überbietet Oliver Jungen durch eine Spur mehr Zynismus seine Vorgänger. Aber das wird keine Krise bilateraler Beziehungen auslösen (vielleicht dann, wenn dasselbe in El País stehen würde...). Weiter geht's in der Ethnographie des heutigen Portugiesen:

Was hingegen tatsächlich faul ist, ist des Portugiesen klassische Behausung. Von Braga bis Faro überall dasselbe Bild: Die Orte zerfallen von den Zentren her. Die zehn Millionen Einwohner Portugals fliehen nach wie vor aus den Altstädten in trostlose Betonriegel, die seit den Siebzigern die Stadtränder verunstalten. Besonders die Wohnsilos von Lissabon und Porto besitzen höchste Anziehungskraft. Ein morbider Charme umgibt dagegen viele der teilweise noch aus dem sechzehnten und siebzehnten, vor allem aber aus dem achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert stammenden Ortskerne, die inzwischen durch ein erstklassiges, mit EU-Subventionen ausgebautes, aber die meiste Zeit geisterhaft leeres Autobahnnetz verbunden sind.

Der Tourist kann gut mit leeren Autobahnen, malerischen Ruinen und traurigem Fado leben: dieses Publikum hat die FAZ auf ihrer Seite; etwas anderes wäre es, den Normalportugiesen ernst zu nehmen, der jenseits des «letzten Fado» mit dem PEC (über-)leben muss. Das heisst nicht, dass Oliver Jungen mit seinen Blitz-Impressionen vollkommen falsch liegt: Leidensfähigkeit (und nicht etwa Sozialstaat oder Demokratie...) auf dem Prüfstand.
Fortsetzung folgt - garantiert.

Sonntag, August 01, 2010

Der Hamburger Amália-Rodrigues-Weg

Vielfältig ist Portugiesisches Kulturerbe in die Hamburger Topographie eingeschrieben - seit den Zeiten der Hanse und später der Sefarditen, die hier eine neue Heimat fanden, bis hinein ins 20. Jahrhundert: z.B. das heute so beliebte Portugiesenviertel, das sein Gepräge portugiesischer Einwanderung v.a. der 1970er Jahre verdankt. Der Amália-Rodrigues-Weg, der auf Initiative der Portugiesisch-Hanseatischen Gesellschaft zurückgeht, ist ein neueres Element dieser Beziehung. Die Enthüllung der Gedenktafel und ein Konzert sind Ereignisse, die dem Ort neues Gedächtnis geben. Für denjenigen, der Ende August in Hamburg weilt und Fado mag:



Weitere Information zum Ereignis:
Bericht von Peter Koj in Portugiesisch-Hanseatische Gesellschaft.

Samstag, Juli 31, 2010

Die neue REAL ist im Netz

Lange erwartet, endlich erschienen: REAL (Revista de Estudos Alemães), die neue Fachzeitschrift für die Germanisitik in Portugal im Internet-Format.

"REAL é um projecto conjunto das Universidades portuguesas onde existe a área da Germanística. Neste sentido, ela é propriedade das seguintes instituições: Universidade de Lisboa, Universidade Nova de Lisboa, Universidade Católica Portuguesa, Universidade Aberta, Universidade de Coimbra, Universidade de Aveiro, Universidade do Porto, Universidade do Minho e Universidade da Madeira. Inicialmente está sediada na Faculdade de Letras da Universidade de Lisboa, onde permanecerá nos próximos quatro anos, passando depois para uma das outras Universidades.
A REAL é a primeira revista de Estudos Alemães online em Portugal. Pretende dinamizar e agilizar a interacção entre os germanistas e todos os interessados na língua e nas culturas de expressão alemã, contribuindo para revitalizar este campo disciplinar." [Editorial]

Sonntag, Juli 11, 2010

Kafka in Portugal / Kafka em Portugal

Am 27.Juni 2010 wurde die Bibliographie «Kafka em Portugal» aktualisiert.

Trotz einiger Fehler in Titeln und Namen handelt es sich um eine gute informative Ausgangsbasis für alle, die sich mit der Rezeption von Kafka in Portugal beschäftigen wollen.

Die Liste ist aktueller als diejenige, die sich am Ende der Studie von Carlota Miranda Dias Pinto (IV Congresso da APLC, Évora, Mai 2001) befindet.

METAMORFOSES D’ A METAMORFOSE
CONTRIBUTO PARA A HISTÓRIA DA TRADUÇÃO DE DIE VERWANDLUNG, DE FRANZ
KAFKA, PARA PORTUGUÊS


In der Abteilung "Sobre Kafka" auch Angaben zu Studien und Kolloquien an portugiesischen Universitäten.

Interessant: Kafka in BD (Comic).
Mir scheint, dass Angaben über szenische Adaptierungen fehlen.

Bibliografia de e sobre Franz Kafka traduzida para português
.Livros publicados em Portugal

.De Kafka
.Sobre Kafka
.Links de textos em Português

Dienstag, Juli 06, 2010

Orte von Carolina Michaëlis und Joaquim de Vasconcelos



A exposição apresentada pelo Conselho Cultural da UMinho traz imagens dos principais lugares ligados à vida do casal Carolina Michaëlis e Joaquim de Vasconcelos, sobretudo no Porto, mas também Lisboa e Coimbra, recolhidas pelo fotógrafo Luís Neves.

É proposto ao visitante um breve percurso onde se cruzam lugares de hoje com memórias difusas do que foram esses espaços. Ruas, casas, recantos - uns públicos, outros mais recolhidos -, sítios que foram de viver e de trabalhar, de partida e de chegar, de estudo ou de lazer.

A presente exposição, organizada pela Câmara Municipal do Porto e concebida e coordenada pelo Dr. Luís Cabral, autor do texto do catálogo, tenta reconstituir através da fotografia de Luís Neves o percurso geográfico e de certo modo cultural de Carolina Michaëlis e Joaquim de Vasconcelos em Portugal, dando-nos a conhecer os lugares que marcaram mais significativamente as suas vidas no Porto e em Coimbra, com passagem por Lisboa. As casas, os estabelecimentos de ensino, as livrarias, as bibliotecas, as academias que os dois frequentavam permitem-nos conhecer um roteiro familiar e intelectual que nos dá oportunidade de melhor contextualizar os espaços onde se moveram e recuperar a sua memória, cujos livros e demais espólio perpetuam. A exposição fotográfica é completada por uma mostra bibliográfica organizada pela Biblioteca Pública de Braga onde se apresenta algumas das obras mais significativas do casal.

A exposição estará patente nos dias úteis, das 9h às 12h30 e 14h às 17h30, no Largo do Paço, Braga.

Interkulturelle Mnemo-Graphien

Anlässlich des 20-jährigen Bestehens germanistischer Studien(gänge) an der Universidade do Minho (UM) organisiert die Abteilung für Germanistik und Slawistik (DEGE) vom 25. - 26. Oktober 2010 in Braga (Nordportugal) ein internationales Kolloquium zum trandisziplinären Thema „Interkulturelle Mnemo-Graphien“.

Dabei wird der Begriff „Interkulturelle Mnemo-Graphie“ als komplexes Feld, in dem sich verschiedenste Phänomene und Dikurse transkultureller Begegnungen und entsprechender Darstellungen/Inszenierungen kreuzen, verstanden. Zur Kartographierung dieses transdiziplinären Topos gehören u.a. folgende Bereiche: Reise(literatur), Migration, Tourismus, Übersetzung, Bilinguismus, Erinnerungsorte, Stereotype, Imagologie, Post-Kolonialismus usw.

Vorschläge von kultur-, literatur- oder sprachwissenschaftlich ausgerichteten Beiträgen erbeten bis zum 15. Juli. Senden Sie uns Titel und Zusammenfassung per e-mail zu.

Die Vorträge auf Deutsch, Portugiesisch oder Englisch sind auf 30 Minuten beschränkt. Die Annahmebestätigung der vorgeschlagenen Beiträge wird bis zum 23. Juli erfolgen.
Die Teilnahme am Kolloqium ist gebührenfrei. Reise- und Unterhaltskosten können allerdings nicht vom Veranstalter getragen werden.

Organisation:
Prof. Dr. Mário Matos (Vorstand des DEGE,
matos@ilch.uminho.pt)
Prof. Dr. Orlando Grossegesse (Direktor des BabeliUM, Sprachenzentrum der UM;
ogro@ilch.uminho.pt)
Prof. Dr. Cristina Flores (Vize-Vorstand des DEGE;
cflores@ilch.uminho.pt)

Samstag, Juni 26, 2010

Portugals Museumslandschaft

Portugals Museumslandschaft beschränkt sich nicht auf Lissabon und Umgebung. Gerade kulturell Interessierte Nicht-Portugiesen haben dafür ein Gespür gegenüber den auf die Hauptstadt fixierten Kulturpolitiker und -manager Portugals.

Es gibt die unterschiedlichsten Museen zwischen Algarve und Minho, die einen Besuch lohnen. Dies stellt die Nummer 47 der Portugal Post / Correio luso-hanseático mit dem thematischen Schwerpunkt «Museus de Portugal» eindrucksvoll unter Beweis. Mitglieder und Freunde der Associação Luso-Hanseática schrieben über ihre Lieblingsmuseen, oft fernab von Metropolen und Autobahnen. Gerade diese Orte öffentlichen Interesses sind immer in Gefahr des Rotstiftes, der dort ansetzt, wo nicht viel Protest zu erwarten ist. Daher ist jeder Museumsbesuch ein kleiner Beitrag zur Erhaltung der vielfältigen Kulturlandschaft.

Donnerstag, Juni 24, 2010

Wassermusik und Feuerwerksmusik zum Ausklang

Concerto de Encerramento do Ano lectivo

GEORG FRIEDRICH HÄNDEL
Música Aquática
Música para os Reais Fogos de Artifício

Orquestra da Universidade do Minho
Toby Hoffman, direcção musical
3 de Julho às 21.30h
Salão Medieval da Reitoria da Universidade do Minho

Entrada livre
Apoio: Reitoria da Universidade do Minho

Als Freiluftmusiken sind die dreiteilige Water Music (Wassermusik), Suite für Bootsfahrten auf der Themse, sowie die Music for the Royal Fireworks (Feuerwerksmusik) von 1749 konzipiert. Letztere wurde anlässlich des am 7. Oktober 1748 geschlossenen Aachener Friedens von König George II in Auftrag gegeben und am 27. April 1749 im Londoner Green Park uraufgeführt. Im Vorfeld kam es wegen der Orchesterbesetzung zu Auseinandersetzungen zwischen dem König und Händel. Denn der König wollte ausschließlich „Militärinstrumente“ (Oboen, Fagotte, Hörner, Trompeten und Pauken) verwendet wissen. Händel dagegen bestand auf Mitwirkung von Streichinstrumenten. Wer sich von beiden letztendlich durchsetzte, lässt sich heute nicht mehr mit Sicherheit sagen: Tatsache bleibt, dass Händel seine Partitur ursprünglich für „Militärinstrumente“ konzipierte, jedoch später vermerkte, dass zusätzlich Streicher die Oboen- und Fagottstimmen zu verdoppeln hätten. Die öffentliche Probe der Feuerwerksmusik mit 100 Musikern vor 12 000 Zuhörern am 21. April in Vauxhall Gardens wurde ein großer Erfolg. Das eigentliche Ereignis dagegen, die offizielle Feierlichkeit am 27. April im Green Park, endete mit einem Desaster. Durch technisches Versagen des Feuerwerks fingen die eigens für das Feuerwerk zur Feier des Aachener Friedens errichteten Bauten und Dekorationen Feuer und brannten nieder. Einzig Händels Musik soll die Ehre dieses Tages gerettet haben. [Information Wikipedia]

Montag, Juni 21, 2010

Sang- und klanglos

"Zum 30.06.2010 wird das Konsulat Porto geschlossen. Die Übernahme konsularischer Aufgaben durch einen Honorarkonsul in Porto wird zurzeit vorbereitet."

Diese Worte auf der Seite der Deutschen Botschaft Lissabon informieren über das Ende des Generalkonsulats Porto.

Dieser diskrete Rückzug, der sich wohl aus der Einsparung öffentlicher Gelder erklärt, bestätigt andererseits die zentralistische Organisation Portugals.

Wir erinnern an dieser Stelle dankbar an all diejenigen, die über Jahrzehnte hinweg deutsch-portugiesische Initiativen in Nordportugal unterstützt haben.

Sonntag, Juni 20, 2010

«Der Vorleser» wieder im Kino


Wer die Verfilmung von Bernhard Schlinks Roman Der Vorleser (1995) noch nicht gesehen hat - oder im Kino wieder sehen will, hat dazu bis Freitag im BragaShopping Gelegenheit (Kultfilm, 19h15).

Als der Film am 12.Februar 2009 in die portugiesischen Kinos kam, schrieb João Lopes einen kurzen Artikel im Diário de Notícias.

Buch und Film - beide Produkte sind umstritten unter dem Vorwurf der Verkitschung der Holocaust-Thematik. Um sich selbst ein Urteil zu bilden: lesen & sehen.

Deutschsprachiger Site.

Samstag, Juni 19, 2010

Hanna Schygulla erinnert an Lissabon «Hafen der Hoffnung»

Am 7. Juni 2010 las die deutsche Schauspielerin und Sängerin Hanna Schygulla im Gare Marítima da Rocha Conde de Óbidos Auszüge aus dem Roman Die Nacht von Lissabon von Erich Maria Remarque.

Die Stadt Lissabon war in den Jahren, die der Roman beschreibt, ein «Hafen der Hoffnung» für so viele Verfolgte, die es über vielerlei Grenzen hinweg geschafft hatten, bis an diesen Rand Europas zu gelangen. Die Metropole, die 1940 mit der Ausstellung der «Portugiesischen Welt» das Imperium zelebrierte, war allerdings keineswegs die Oase des Friedens und der Toleranz, als die Lissabon nun oft im Rückblick idealisiert wird.

Sie kamen zwar in eine Stadt ohne Bedrohung durch Luftangriffe, ohne Verdunkelung, und sie bekamen in der Regel genügend zu essen, doch die Verfolgung hörte nicht auf: der Estado Novo Salazars kollaborierte mit Nazi-Deutschland. Die NSDAP hatte ein gut funktionierendes Netz von Spitzeln und die Bürokratie des Estado Novo verstand es, die Verfolgten noch ein letztes Mal zu schröpfen, bevor sie sich - mit etwas Glück - nach Süd- oder Nordamerika einschiffen konnten.

Illustrative Dokumente zu der Gedenkveranstaltung finden sich auf der Kultur-Seite der Deutschen Botschaft Lissabon, auf Portugiesisch und Deutsch

Frau Tod hat ihn abgeholt - José Saramago

"Meine Lebensuhr wäre fast stehen geblieben" bekannte Saramago vor zwei Jahren, im Rückblick auf seinen prekären körperlichen Zustand zum Jahreswechsel 2007/2008. Jetzt ist sie wirklich stehen geblieben. Für mich befand sich Saramago seit 2004 immer stärker in einem Stadium der Prä-Posthumität. Gestern hat ihn Frau Tod wirklich abgeholt.

An diesem Ort über Saramago zu schreiben, ist vollauf gerechtfertigt. Die Beziehung Saramagos zur deutschsprachigen Welt ist eine besondere, zumindest seitdem er 1955 Erich Maria Remarque und 1956/57 die bekannnte 08/15 Trilogie von Hans Hellmut Kirst aus dem Französischen ins Deutsche übersetzt hatte. Später finden sich in seinen Romanen immer wieder Figurationen der 'deutschen Identität' - Machthaber oder Handlanger in Machtstrukturen, zum Beispiel die deutschen Latifundienbesitzer in Levantado do Chão (1980). 1985 erschien als Hoffnung im Alentejo gerade dieser Roman als erster in deutscher Übersetzung - damals noch im Aufbau Verlag der DDR.
Es war 1978 in einem Ostberliner Hotel, als ihm - erschöpft auf dem Bett liegend - die Idee O ano da morte de Ricardo Reis zu schreiben, "von der Decke fiel". In diesem Roman tauchen auch ein paar Dialogsequenzen auf Deutsch - in lautlicher Umschrift - auf (ich glaube, die einzigen): Kameramänner, die im Dienste der Propaganda des Estado Novo 1936 A Revolução Nacional drehten.
1980 erscheint seine Übersetzung (wiederum aus dem Französischen) von Otto Zierers Deutscher Geschichte. Die sicherlich stärkste Beziehung, was die Textproduktion betrifft, ist das Libretto In Nomine Dei zur Oper Divara - Wasser und Blut (am 31. Oktober 1993 in Münster uraufgeführt), die die genaue Recherche eines dunklen Kapitels der Stadtgeschichte als 'Jerusalem' der Anabaptisten voraussetzte. Und sein vorletztes Buch A Viagem do Elefante (2008) geht auf einen Besuch in Salzburg am 23.November 1999 zurück, als er im Gasthaus zum Elefanten von der Geschichte erfuhr.

Saramago war viel in Deutschland und Österreich unterwegs. Alle seine Romane und vieles mehr wurden ins Deutsche übersetzt. Nach Andreas Klotsch und Ray-Güde Mertin wurde Marianne Gareis, die auch einige Jahre bei uns in Braga gelebt hat, zur Saramago-Übersetzerin des späten Romanwerkes ab A Caverna (Das Zentrum).

Als die Entscheidung der Schwedischen Akademie am 8.Oktober 1998 bekannt wurde, hatte er gerade die Frankfurter Buchmesse verlassen: man holte ihn zurück und feierte ihn auf einer improvisierten Pressekonferenz als den ersten (und bisher einzigen) Nobelpreisträger portugiesischer Sprache. Das Foto, in der er der glücklichen Ray-Güde Mertin (2007 verstorben), seiner internationalen Literaturagentin, inmitten des Gedränges die Hand küsst, ging um die Welt (leider habe ich nur das folgende Foto von der Buchmesse zur Hand).


Die Rezeption Saramagos im deutschsprachigen Raum kann sicherlich im internationalen Vergleich als privilegiert bezeichnet werden, was die Übersetzung, Medien und Presse betrifft: Saramago ist bekannt. Sein Tod hat sofort zahlreiche Nachrufe ausgelöst und beispielsweise den Spiegel dazu bewegt, zusätzlich ein Dossier zusammen zu stellen.
Im akademischen Bereich gibt es seit 1980 eine Reihe von Studien, die sich mit Saramagos Werk beschäftigen. Diese Aktivität ist leider kaum über den deutschsprachigen Raum hinaus bekannt geworden.
Ich selbst bin durch ein Proseminar zu Memorial do Convento von meinem Lektor José Pinto Novais 1983 dazu verleitet worden, Saramago zu lesen. Ihm habe ich daher auch die 1992 veröffentlichte Studie zu diesem Roman gewidmet. Dieser sollten über die Jahre hinweg viele weitere folgen. 1996 hatte ich Gelegenheit, ein paar Tage mit José Saramago und seiner Frau Pilar del Río zu verbringen, als am 19.-20. September in Amherst (Massachusetts) das erste internationale Kolloquium zu Saramago stattfand und wir danach im Greyhound-Bus nach New York fuhren (siehe Cadernos de Lanzarote. Diário IV, Seite 221-23).
Seitdem sind wir sporadisch in Kontakt geblieben. Ich bin kein absoluter Saramago-Fan geworden, aber doch so weit vertraut, dass ich viele Vorurteile, die so leichtfertig über sein Werk und seine Person in den Medien und in der Blogsphäre verbreitet werden, nicht teilen kann. Ebensowenig kann ich mit der Heuchelei des Staatsbegräbnisses anfangen, bei dem Persönlichkeiten am Toten vorbei defilieren, die dem Lebenden nie die Hand gegeben hätten. An dieser Entwicklung ist Saramago selbst nicht ganz unschuldig, hat er sich doch immer dem Medienspektakel ausgesetzt.


Ein durchaus vieldeutiges, ja ambivalentes Porträt habe ich in "Zur Einführung - Augenblicke" in der zweiten Auflage meines Buches Saramago lesen (Berlin, Edition tranvía 2009) zu zeichnen versucht. Das Ganze soll eine Art Handbuch sein. Gegenüber der Erstausgabe 1998 wurde es stark aktualisiert und erweitert. Der 20-seitige biographische Abriss klingt dabei in denselben Worten Saramagos vom Oktober 2008 aus, mit denen ich diesen Blog-Text begonnen habe: "Meine Lebensuhr wäre fast stehen geblieben." Die Wirkung seines Werkes wird sicherlich nicht stehen bleiben.

Auf Englisch:

Homage to José Saramago, von Christoper Rollason

Sonntag, Juni 06, 2010

100 Jahre Malte Laurids Brigge

Vor 100 Jahren, genau am 31. Mai 1910, erschienen zum ersten Mal Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge. Natürlich ist das ein Datum, das im deutschsprachigen Kulturkreis nicht unkommentiert blieb, ja Gelegenheit zu einer Jubiläumsausgabe im Manesse Verlag gab, die Ausgangspunkt diverser Essays ist:

Berliner Zeitung

Im Scheinwerfer des Herzens

Vor hundert Jahren erschien Rilkes Epochenbuch "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge"

Manfred Schwarz

Bereits einen Monat zuvor erschienen:

Rilkes „Brigge“ wird 100

Das opus magnum des Wortmagiers zum Wiederlesen

Dorothee Arndt

© Die Berliner Literaturkritik, 30.04.10


Aber mich interessierte natürlich auch, ob sich jemand in Portugal daran erinnerte - und siehe da, in der portugiesischen Blogosphäre finde ich in Contra Mundum aus der Feder von H.G.Cancela Anmerkungen zu Os Cadernos de Malte Laurids Brigge vom 23.Mai 2010, die mit einem vergleichenden Lob enden und den Ort in der portugiesischen Leselandschaft markieren:

É um livro de formação, um livro do final da adolescência — já não o momento da descoberta, mas o da consciência dos limites da própria descoberta. Depois deste livro, textos como (por exemplo, e reportando-nos a uma obra com a qual partilha muitas afinidades) o Livro do Desassossego surgem de uma quase confrangedora banalidade. Espantoso exercício de afirmação de fé na escrita e nos seus limites, o romance de Rilke surge como instrumento senão de redenção, pelo menos de reconstrução da sua impossibilidade:

«Este jovem, este estrangeiro sem importância, este Brigge, terá de se sentar no seu quinto andar e escrever, dia e noite: sim, terá de escrever, e isso será o fim.»

Na tradução de Paulo Quintela, este é um dos mais importantes livros em língua portuguesa do século XX.

Donnerstag, Mai 20, 2010

Zum Geburtstag von Prof. Erwin Koller

Heute wäre Prof. Erwin Koller 63 Jahre alt geworden.


Am 18. April 2010 hat sein Leben trotz aller Fülle ein zu frühes Ende gefunden. Ein unstillbarer Wissensdurst und Forschungsdrang und ein oft selbstironischer Humor hat dem körperlichen Leiden bis in die letzten Monate die fatale Schwere zu nehmen versucht.

Viele hielten ihn für älter, als er wirklich war. Das lag nicht nur an dem Leiden, das ihn frühzeitig altern ließ, sondern auch daran, dass er einen Hochschullehrer und -forscher vom ‚alten Schlage‘ verkörpert, der sich kantig, in der Sache energisch aber ohne akademische Machtallüren gegen das immer engmaschigere Netz der universitären Reglementierung und Bürokratisierung sträubte und sich auch jeglicher fachlicher Ein- und Unterordnung stets entwand.

Der am 20. Mai 1947 in Innsbruck geborene studierte an der Universität seiner Heimatstadt, wo er promoviert wurde, als Assistent lehrte und forschte bis zur Verleihung der venia legendi. Nach Gastdozenturen im Ausland und einer Vertretung an der Universität Augsburg erhält er den Ruf an die Universität Würzburg. Dort ist er von 1983 bis 1993 als Professor für Deutsche Linguistik tätig, bevor er sich dazu entschließt, mit seiner portugiesischen Frau (erneut) auszuwandern und einen Neuanfang als Professor an der Universidade do Minho zu wagen. In Braga leitete er elf Jahre lang, von 1993 bis zu seiner vorzeitigen Pensionierung im Juni 2004, die dortige Germanistische Abteilung.

In dieser Zeit hat er ihr ein unverwechselbares Gepräge gegeben, innerhalb der Portugiesischen Germanistik und im weit ausgreifenden Netz von Partnerschaften. Über seine individuellen Forschungen und Studien hinaus hat er zahlreiche Aktivitäten initiiert, unterstützt, haupt- und mitverantwortlich realisiert. An dieser Stelle seien die ambitioniertesten hervorgehoben: das interdisziplinäre Kolloquium Suevos – Schwaben (1996), das an die einstige Rolle Bragas als Hauptstadt des Königsreichs der Sueben (411-585) anknüpft; das grenz- und sprachübergreifende Projekt Frauenlieder – Cantigas de amigo (2000); die Veranstaltung des VI. Deutsch-Portugiesischen Dialogs (2001), der sich besonders den vielfältigen Beziehungen deutschsprachiger Kultur zu Brasilien und umgekehrt widmete. Zu den großen Leistungen Erwin Kollers gehört im Jahre 1999 die Schaffung der Deutsch-Portugiesischen Postgraduation (Spezialisierung und Mestrado) als interkulturelles und bilinguales Aufbaustudium, das – weitsichtig – von Beginn an den Verbund mit Universitäten in Deutschland und Österreich vorsah, in einer Weise wie es dem späteren European Master-Programm entspricht.

Mit einem wachen Blick für das Besondere und das Detail bewegen sich Erwin Kollers Studien oft abseits ausgetretener Wege zwischen Sprachen, Kulturen und Literaturen, die hauptsächlich im Dreieck von Österreich, Deutschland und Portugal zu verorten sind, ohne dabei Exkursionen, vor allem diejenige nach Brasilien (Gastdozentur 1980-81) und ins ferne Japan (Lektor 1975-76 und später Gastdozent) zu vergessen. Mediävistik und Linguistik benennen lediglich Eckpunkte einer Fülle von nicht nur sprachgeschichtlichen sondern vielseitigen, vor allem vergleichenden Untersuchungen in Randgebieten – in jeder Hinsicht. Die Grenze des Sagbaren suchen seine Studien zur Versprachlichung von Krankheit, Verwundung und Schmerz auf, bereits Spezialgebiet seit der Dissertation (Innsbruck, 1971), bevor er sich in der Habilitationsschrift dem Totentanz widmete (Innsbruck, 1980) – ein bis in die Gegenwart zitiertes Referenzwerk. Wiederholt hat er sich mit Negierung und Negation im Sprachvergleich beschäftigt, wobei auch Fremd- und Zweitsprachdidaktik bedacht wird. Stets suchte Erwin Koller Teil-, Sonder- und Grenzgebiete auf. Dies beweist sich zum Beispiel in der synoptischen Ausgabe der 60 portugiesischen Sonette in oberschwäbischer Übersetzung von Karl Moritz Rapp, in den Studien zur Verheiratung Eleonores von Portugal mit Kaiser Friedrich III., zu den Würzburger Tagebuchaufzeichnungen des Grafen August von Platen oder zu der Frage, ob der vielgereiste Oswald von Wolkenstein am portugiesischen Überfall auf Ceuta beteiligt war.

Die produktive Kombination seiner Vorlieben für das Mittelalter, für Sprachgeschichte, Sprachvergleich und Textlinguistik ließen ihn auf überraschende Weise immer Neues entdecken: Kein Wunder, dass er zum unermüdlichen Gefährten vieler Kollegen wurde, von denen die treuesten zu Freunden wurden, und dass er als Dozent und Betreuer von Forschungsarbeiten wache Studenten zum Entdecken von grenzüberschreitenden Fragen und Feldern anregen konnte. Ohne jemals große Töne anzuschlagen, war er so – nicht zuletzt dank seines österreichischen, pardon: seines Tiroler Witzes oder des komplermentären Grantigseins – eine markante, unverwechselbare Persönlichkeit im Übergangsfeld zwischen portugiesischer Germanistik und deutschsprachiger Lusitanistik, die wir jetzt schmerzlich vermissen.


Dieser Nachruf findet sich auf den Seiten

DLV - Deutscher Lusitanistenverband

Romanistik.de

APEG - Associação Portuguesa de Estudos Germanísticos


Ausserdem gibt es:

"In Memoriam Erwin Koller" von Ingrid Piller in ihrem Blog Language on the Move.


Hoje, pelas 19h30, será celebrada uma missa em intenção do Professor Koller, lembrando o primeiro mês do seu falecimento, assim como o seu aniversário.

A cerimónia terá lugar na Capela da Casa dos Cursilhos de Cristandade, que fica na Rua do Alcaide, 9, no centro de Braga (perto dos Bombeiros).



Montag, April 26, 2010

Ortszeit / Hora Local in Caminha



Wer jetzt bis zum 18.Mai (verlängert für die «Nacht der Museen»!) die Möglichkeit hat, das Museu Municipal in Caminha zu besuchen, wird die Ausstellung Ortszeit kaum wieder erkennen, so professionell und mit Liebe zum Detail wurde sie hier vom engagierten Direktor Sérgio Cadilha eingerichtet. Es lohnt sich!

Als kleinen Einblick: die Fotos von der Eröffnung am 26.April.

Ein herzliches Dankeschön an den unermüdlichen «Deutsch-Club», an die Lehrerinnen Conceição und Matilde von der ES Caminha!

Zum Kontext:

Quando o Goethe Institut Portugal disponibilizou esta exposição no âmbito das comemorações dos 20 anos da Queda do Muro, o DEGE da Universidade do Minho solicitou logo um exemplar com a ideia de fazê-la circular na região, activando a cooperação com as escolas, em parte associadas na rede APPEAL (Acção-Plano para a Promoção do Ensino e da Aprendizagem das Línguas).


No dia 7 de Novembro de 2009, Hora Local / Ortszeit foi inaugurada no Museu D. Diogo de Sousa (MDDS), em Braga, no âmbito das X Jornadas de Cultura Alemã, no segundo dia do Fórum da Associação Portuguesa de Estudos Germanísticos (APEG). Na véspera, a exposição foi visitada por Manfred Schüler, Primeiro Secretário (Assuntos Culturais) da Embaixada da República Federal da Alemanha, e Alexander Benedict, Adido para Cultura e Ciências da Embaixada da Áustria.

Depois do MDDS, a exposição já passou pelos seguintes espaços:

Theatro Club na Póvoa de Lanhoso, dia 6 a 22 de Janeiro de 2010;

Biblioteca Municipal de Barcelos, de 26 de Janeiro a 12 de Fevereiro de 2010;

Biblioteca da ES de Barcelinhos, de 18 a 26 de Fevereiro de 2010; documentação

Biblioteca Municipal de Santo Tirso, em colaboração com a ES D. Dinis, de 2 a 22 de Março de 2010;

Biblioteca da ES de Ponte de Lima, de 23 de Março a 19 de Abril de 2010; documentação

Com a inauguração da exposição no dia 26 de Abril de 2010, no Museu Municipal de Caminha (em colaboração com a ES de Caminha), o itinerário de Ortszeit – Local Time confirma o dinamismo da cooperação entre o DEGE-ILCH e as escolas da região. Em todos os lugares, por onde a exposição passa, há sessões temáticas sobre a história recente da Alemanha dirigidas ao público escolar.

Sonntag, März 21, 2010

Geldregen in Braga

Das war am Mittwoch, den 18. März, sogar eine TVI-Fernsehnachricht wert: In der Avenida da Liberdade regnete es Banknoten. Wieviele? Da gingen die Zeugenaussagen auseinander. Die PSP sprach von nur 150 Euros; das Volk, das sehnsüchtig zum dritten Stock des Gebäudes gegenüber des Theatro Circo hinauf blickte, von bis zu 500 Euros.


Tags darauf gab es in der Presse (z.B. Titelgeschichte des Jornal de Notícias) auch Angaben über die Täterschaft: zwei deutsche Erasmus-Studenten seien es gewesen. Und im Handumdrehen wurde der Geldregen zum deutschen Brauch für Finalisten erklärt. Ich kenne hingegen nur den Brauch, dass ein frisch verheiratetes Brautpaar mit Münzen um sich wirft. Es muß aber eine gerade Anzahl sein, denn nur diese zieht Reichtum nach sich, und es ist auch wichtig, sie mit der rechten Hand zu werfen. Das haben die Studenten wohl nicht gemacht, denn einige Banknoten blieben an den Fensterscheiben kleben - zur Verzweiflung der geldgierigen Passanten.

Sonntag, März 14, 2010

Portugal im Chandos-Brief

Oft schmunzle ich über die portugiesischen Nachrichten im Fernsehen, wenn zu jedem Ereignis auf dem Erdball ein Portugiese aufgetrieben wird - tot oder lebendig. Doch da hatte ich unlängst eine ähnliche Erfahrung, als ich nach langer Zeit wieder mal den Chandos-Brief genau gelesen hatte und zu folgender Stelle kam:

Die hinterlassenen Aufzeichnungen meines Großvaters, des Herzogs von Exeter, über seine Negoziationen mit Frankreich und Portugal gaben mir eine Art von Grundlage. Und aus dem Sallust floß in jenen glücklichen belebten Tagen wie durch nie verstopfte Röhren die Erkenntnis der Form in mich herüber, jener tiefen wahren inneren Form, die jenseits des Geheges der rhetorischen Kunststücke erst geahnt werden kann, die, von welcher man nicht mehr sagen kann, daß sie das Stoffliche anordne, denn sie durchdringt es, sie hebt es auf und schafft Dichtung und Wahrheit zugleich, ein Widerspiel ewiger Kräfte, ein Ding, herrlich wie Musik und Algebra. Dies war mein Lieblingsplan.

Wenn der Brief 1603 an Francis Bacon geschrieben worden sein soll, dann kann der Grossvater des 26jährigen Lord Chandos, des jüngeren Sohns des Earl of Bath, unmöglich John Holland, der 2. Duque of Exeter, gewesen sein, der angeblich in zweiter Ehe 1439 Beatriz de Portugal (1386-1447), Bastardtochter von König João I und Inês Pires, geheiratet haben soll. Und auch nicht dessen Sohn Henry Holland (1430-75), der 3.Duque, der ja nur eine Tochter Anne Holland hatte. Es fehlen da noch über hundert Jahre. Von welchem Herzog von Exeter ist da wohl die Rede?

Castanheira Barros: «Ich habe ein Projekt»

Die Vielsprachigkeit als politische Showeinlage - soweit ist es in Portugal mit einer Bildungspolitik für Europa gekommen, die nicht ernst genommen wird. Der Kommentator SIC erkennt noch, dass es sich bei "I have a project" wohl um eine Version von "I have a dream" handelt. Aber dann fällt ihm nur noch ABBA bei Eurovision ein und nicht Martin Luther King im August 1963. Das spicht genauso Bände für die portugiesische «Konversationskultur» (wie schön sagte doch unlängst Teixeira dos Santos: money for the boys) wie der Schnellschuss von Jorge Bruno da Costa in seinem Blog «Por Tudo e Por nada» unter dem Titel «O poliglotismo de Castanheira Barros»:

A per­for­mance deste pu­ta­tivo chal­lenger no con­gresso do PSD mais pa­recia um da­queles freak shows de stand-​up co­medy que não roubam gar­ga­lhadas, antes an­te­cipam bo­cejos e põem con­gres­sistas às ca­be­çadas no vazio: um flop.
Cas­ta­nheira Barros quis mos­trar que está aí para as curvas; e se o outro tra­tava todos os lí­deres eu­ro­peus por Tu ("you") e o outro ha­blava español en las hu­eras, Cas­ta­nheira Barros mos­trou que tem um plano, que, pelo que se de­pre­ende, passa por re­pro­duzir em todas as lín­guas do mundo a ex­pressão: "eu tenho um pro­jecto, I have a pro­ject, j'ai un plan, tengo un plano".

Oh, Bruno, não estás muito longe da «Aufsteh-Komödie» da tua vítima. O teu português ironicamente americanizado faz bocejar e não sei se é pensado para ser engraçado que entre "todas as línguas do mundo" falta precisamente o alemão que o próprio Castanheira Barros mais salientou ("Ich habe ein Projekt") por ter feito a sua pós-graduação na Alemanha. Será que o Bruno não sabe alemão? Dann ist es Zeit, dass er ein Projekt hat.

Samstag, März 13, 2010

Fundgrube Populärkultur


Kürzlich habe ich per Zufall den Blog (oder besser: Gruppe von Blogs) unter dem Motto «Portugal através do Mundo» entdeckt.
Obwohl "Alemanha" kein besonders ergiebiger Deskriptor ist und oft in französischer Übersetzung erscheint, finden sich immerhin 21 Einträge hauptsächlich der Populärkultur. Von Film, Schlager bis hin zur Autowerbung in der urbanen Landschaft Lissabons findet man viel Vergessenes und Unbekanntes von den Vierziger Jahren bis zur Gegenwart.





Eine Fundgrube für zukünftige Estudos Luso-alemães...

Sonntag, Januar 31, 2010

Portugiesische Leser von Musils «Mann ohne Eigenschaften»

Der Designer Henrique Cayatte lässt sich nicht gerne von dem Gedanken des «besten Buches der Welt» leiten, bekennt er gegenüber dem Diário de Notícias ("Uma colecção de design, intercalada com grandes clássicos da literatura", Samstagsausgabe 30.1.2010). Allerdings betrachte er den Roman Der Mann ohne Eigenschaften von Robert Musil als Referenzwerk. Er habe das Glück gehabt, für die portugiesische Ausgabe das Design zu machen.

Das erinnert mich an den «Tag des Buches» 2003, als Eduardo Prado Coelho in einem Programm der SIC hartnäckig nach seinem «Lebensbuch» gefragt wurde (natürlich wollte der Journalist ein Werk portugiesischer Literatur zur Antwort): "Wenn Sie darauf bestehen, dann vielleicht Der Mann ohne Eigenschaften...

Samstag, Januar 09, 2010

Die Fälscher kommen wieder...


Am 25. Februar 2008 fragte Gabriel in diesem Blog, wann endlich Die Fälscher in Portugal zu sehen sein würden. Knapp ein Jahr nach der Weltprämiere im März 2007 kam der Film dann hierzulande in die Kinos, ohne nennenswertes Echo hervorzurufen.
Es fehlte nicht an kritischen Stimmen:

“É um exagero ter dado a este título austríaco o Óscar de Melhor Filme Estrangeiro. Mas a realização de Stefan Ruzowitsky tem o mérito da contenção”

João Lopes, Diário de Notícias

“(...) um filme que, apesar dos clichês do género, tem uma forte componente dramática e um suspense bem trabalhado, reforçado por um trabalho de fotografia eficaz, a que se junta um convincente grupo de actores”
Manuel Cintra Ferreira, Expresso

“(...) não se trata de nenhuma obra-prima. É uma excelente história num contexto histórico (...) mas que, cinematograficamente, talvez precise de se reinventar para que o futuro não o banalize”
Ana Markl, Sol

Wer den Film noch nicht gesehen hat oder nochmal sehen möchte: vom 9. bis 15.Januar kommt er in der Reihe Filme de Culto wieder ins Bragashopping, jeweils 19.15 Uhr.