Samstag, Dezember 11, 2010

Alface ist nicht nur Kopfsalat... Zur Geschichte der Seife in Portugal (1)

In der deutschen Frauenzeitschrift Myself vom August 2010 heisst es: "Die Mandelöl-Seife Alface kommt aus der ältesten Seifenmanufaktur Portugals und macht die Haut samtweich". Vielleicht müsste es korrekterweise 'salatblattweich' heissen, aber das klingt ungewohnt in deutscher Werbesprache.

Was auch verborgen bleibt unter der fernen Herkunft aus Portugal ist der deutsche Ursprung des Unternehmens im Jahre 1887 durch Ferdinand Claus und Georg Philipp Schweder, die nach Porto auswanderten und dort die Fábrica de Productos Chimicos gründeten. Durch ihre Produktpalette von parfumierten Seifen mit kosmopolitischen Design konnten sie rasch expandieren gegenüber Produkten, die eher nutzorientiert waren. Ein besonderer Erfolg war auch das sogenannte «Papel Oriental». Krankheitsbedingt musste sich Georg Schweder 1903 zurückziehen. Für ihn kam der portugiesische Teilhaber Achilles de Brito in den Betrieb. Der diplomierte Chemiker Willy Thessen übernahm die technische Leitung.

Infolge der Konfrontation von Portugal und dem Deutschen Reich im Ersten Weltkrieg musste der deutsche Unternehmer Ferdinand Claus 1914 Portugal verlassen. Der Betrieb wurde vorübergehend geschlossen. 1918 wurde er von Achilles de Brito weitergeführt und in die Fabrica Ach.Brito & Cia. transformiert. Dabei wurde die eingeführte Marke Claus Porto beibehalten.





Im Estado Novo war Ach.Brito ein beliebter Vorzeigebetrieb auf Ausstellungen (1968: offizieller Besuch des Staatspräsidenten Admiral Américo Thomaz). Nach Jahren des Niedergangs und der Schwierigkeiten hat sich der Familienbetrieb seit der 'Rettung' 1994 durch den amerikanischen Konzern Lafco NY im Segment Luxusparfümerie international etabliert.



Somit lebt die Marke Claus Porto als portugiesische bis heute fort und kam somit u.a. auf die Seite von Myself. Die Firmengeschichte, die seit Oktober 2010 im Site nachlesbar ist, deckt jedem Neugierigen die deutschen Wurzeln auf. *
Kurios eine weitere deutsche Intervention in der Unternehmensgeschichte: Heinrich Gleiser arbeitete als 4-Meter-hohe Attraktion für Ach.Brito auf der 1. Kolonialausstellung Portugals im Jahre 1934.




* Siehe ausserdem den Beitrag von Paulo Heitlinger: "O renascer do sabonete vintage em Portugal", Cadernos de Tipografia e Design, Nr. 11, September 2008, 15-19.


Gilberto: "Edle Seife aus Portugal erlebt ihr duftendes Comeback", Portugalmania, 23. Dezember 2007.

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