Als am Morgen des 11. Januar 1890 das «Britische Ultimatum» erfolgte, berief sich die portugiesische Regierung auf vier Jahrhunderte Entdeckungsgeschichte, auf manuelinische «padrões» an Afrikas Küsten - um so den Opferdiskurs zu inszenieren und den Aufstand des Volkes auf eine patriotische Bewegung einzudämmen. 120 Jahre später spricht Sócrates in Berlin von acht Jahrhunderten der Geschichte Portugals:
o meu país tem oito séculos de história, não é subserviente com ninguém, a não ser com o seu povo e com o que o povo tem a dizer.
Sócrates als «erster Diener im Staat» ganz in der Tradition des aufgeklärten Absolutismus (pardon: des demokratischen Republikanismus).
Wen wunderts da, wenn das Editorial des Diário Económico vom 3.März 2011 unter dem Titel Merkel deve passar das palavras aos actos tönt:
Portugal está a fazer o seu trabalho - "bem" segundo a chanceler. É preciso que a Alemanha também faça o seu.
Dies ist also der richtige Moment für eine Ode à Alemanha, wie damals der Ode à Inglaterra. Sócrates weiss, dass er auf dieses tapfere Volk zählen kann, das sich von ihm an der Nase herumführen lässt, solange er das patriotische Lied flötet.
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